Kleine Happen

Während immer mehr Serien per Video-on-Demand geschaut werden, strahlt Sky immer noch sein Programm über das Fernsehen aus. Doch nun ist der Pay-TV-Provider in der Gegenwart angekommen: Nach den Angeboten Sky+, SkyGo und Sky Anytime für Abonennten gibt es jetzt ein Video-on-Demand-Angebot für jedermann: Snap by Sky. Für rund 10 Euro im Monat kann man sich ohne Ende Filme und Serien anschauen. Na ja, fast ohne Ende.

Die Sopranos sind da. Alle sechs Staffeln. Auch 24, The Wire, Rome und die Gilmore Girls sind komplett. Doch von True Blood gibt es nur die ersten drei (von bisher sechs) Seasons, von Six Feet Under auch (drei von fünf) und von Boardwalk Empire nur die erste Staffel (von insgesamt vier). Dafür bietet Snap auch einige ältere HBO-Raritäten wie die kurzlebige Serie Carnivale, die Mini-Serie Generation Kill von The Wire-Macher David Simon sowie den preisgekrönten Zweiteiler Empire Falls. Kurz gesagt: Das Neueste fehlt, oftmals auch mehr.

Das gleiche gilt auch für den Blick in die Filmkiste: Die jüngsten Filme sind aus dem Jahr 2012, die A-Filme beginnen erst 2011. Als Highlights werden nur olle Kamellen empfohlen: Iron Man 2, The Dark Knight und Inception – dazu noch einige ältere Werke. Immerhin reicht die Backlist weit zurück. So gibt es – für Nostalgiker – die ersten zehn Star Trek-Filme, die ersten drei Mission Impossible-Teile, Ocean’s Eleven und sogar einige Klassiker wie Frühstück bei Tiffany und Arthouse-Filme wie Lebanon.

Insgesamt 4000 Filme und Serienfolgen soll es bei Snap geben, dem neuen Video-on-Demand-Dienst (VoD) von Sky, der am Donnerstag gestartet ist. Später soll die Zahl auf 10.000 anwachsen. Snap ist mit 9,90 Euro im Monat teuerer als Watchever (8,99 Euro) und Maxdome (7,99 Euro). Wie bei der Konkurrenz ist der erste Monat kostenlos, das Abo monatlich kündbar und die Inhalte auch auf dem Fernseher (solange das Gerät ein Samsung ist) verfügbar. Mit Watchever hat Snap sogar große Schnittmengen, wie die HBO-Serien Sopranos, Six Feet Under und True Blood (ebenfalls nur die ersten drei Staffeln), darüber hinaus hat der Konkurrent aber auch Breaking Bad, Mad Men und The Walking Dead im Angebot.

Trotzdem: Selbst zehn Euro sind für ein Schau-bis-du-blöd-wirst-Angebot günstig und wer sich für die aufgeführten Inhalte interessiert (falls er sie, wie die meisten, nicht schon längst gesehen hat), kann gerne zugreifen. Sky will damit das Preisdumping der an Netflix (dem US-amerikanischen Vorbild) orientierten Konkurrenten unterlaufen. Aber das dicke Ding ist Snap auch nicht. Statt großer Bissen bietet Sky nur kleine Happen aus seinem Stammprogramm. Der Dienst füllt einige Lücken auf dem VoD-Markt, lässt aber zum Teil viel zu große. Aktuelle HBO-Serien wie Game of Thrones, Tremé und The Newsroom sucht man vergeblich. Von Boardwalk Empire hätte man ruhig die ersten drei Staffeln zeigen können, da die vierte gerade aktuell ist. Denn je mehr man von einer Serie bietet, desto eher sind die Zuschauer bereit, mit ihr anzufangen. Und da Six Feet Under längst beendet ist, wäre es auch kein Verlust, die ganze Serie zu zeigen.

So erscheint Snap halbherziger als seine Konkurrenten: Klar ist, dass Sky notgedrungen auf iTunes, Maxdome und Watchever reagiert und vorprescht, bevor es Netflix auch hierzulande gibt. Doch die Reaktion ist nur widerwillig, da das Kerngeschäft im Fernsehen bleibt: „Auf gar keinen Fall werden wir ein Geschäftsmodell zerstören, das wir jetzt sechs Jahre lang repariert haben und das 20 Jahre lang nicht funktioniert hat“, hat Sky-Chef Brian Sullivan in der vergangenen Woche der Süddeutschen Zeitung erklärt. Vielleicht wird er bald einsehen müssen, dass dieses Geschäftsmodell nicht mehr lange funktioniert, weil das lineare Fernsehen ein Auslaufmodell ist. Insofern muss Sky aufpassen, dass es sich mit Snap nicht selbst kannibalisiert. Daher ist an dieser Stelle keine Innovation zu erwarten. Was immer noch fehlt, ist eine umfassende und wachsende Online-Videothek, die die neusten Filme und Serien zu fairen Preisen – vor allem in einer Flatrate – anbietet. Das können auch ruhig 20 Euro im Monat sein, wenn die Auswahl stimmt. Bis dahin sind alle anderen VoD-Dienste, die ein wechselndes Programm bieten, nur ein Übergangsstadium.

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