Fühlt sich an wie Betrug

American Hustle

Es gibt diesen alten Trick, er funktioniert immer wieder: Man nimmt einen Film – irgendeinen – und bastelt seine Höhepunkte zu einem Best of von wenigen Minuten zusammen, das alles unterlegt von ein bis zwei starken Songs aus dem Film. Dieses Filmchen muss kein sinnvolles Ganzes bilden, es muss auch nichts mit der Geschichte des Films zu tun haben, Hauptsache ist, es bildet einen schönen Schein. Diese Filmchen nennt man Trailer – und wenn man sie besonders gut hinkriegt, gehen die Leute auch ins Kino. Und vielleicht gelingt es auch, dass man den Film nach dem Trailer bewertet. Dann gibt es sogar ein paar Preise.

Dieses Gefühl jedenfalls hatte ich beim Schauen von American Hustle. Eigentlich konnte ich mit diesem Film nicht viel falsch machen: Regisseur David O. Russell hat zuletzt so tolle Filme wie The Fighter (2010) und Silver Linings (2012) gedreht, das Schauspieler-Ensemble ist großartig (Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence), die Kritik ist hingerissen (Metascore: 90/100; Rotten Tomatoes: 93 Prozent Wohlgefallen), der Streifen ist nominiert für zehn Oscars – und das auch in allen Hauptkategorien.

Und der Film fängt tatsächlich vielversprechend an: Als Liebesgeschichte von Betrügern (Bale und Adams), witzig und einfühlsam erzählt durch zwei Stimmen aus dem Off. Es geht um die große Show, die man inszeniert, um Leichtgläube von ihrem Geld zu befreien. Doch dann, als der FBI-Agent (Cooper) hinzu kommt, und das Pärchen eingespannt wird, um den Bürgermeister von Atlantic City der Korruption zu überführen, wird die Geschichte durch langatmige Dialoge ausgebremst, der Humor verflüchtigt sich und die Handlung stockt, ufert aus in eine Vierecksbeziehung, die nicht so recht überzeugen will. Es gibt auch die guten Momente, die flotten Sätze und pfiffigen Situationen, all das, was man aus dem Trailer kennt, aber so dankbar man für jeden Moment der Inspiration ist, so sehr macht es auch den Anschein, als wäre der Witz berechnet und gut verteilt über den ganzen Film, damit der Zuschauer nicht zwischendrin nicht einschläft. Eigentlich nur billige Tricks.

Das ganze Ding will nicht recht vorankommen, ist weder richtige Komödie noch Romanze noch Drama noch Kriminalfilm – als Mischung aus all dem funktioniert der Film jedenfalls nicht. Auch ist es schwierig, sich mit diesen Figuren anzufreunden, zu wenig geben die Charaktere her und stehen sich gegenseitig im Weg. Die Darsteller legen eine solide Vorstellung hin, aber warum man vier Fünftel der Hauptrollen für den Oscar nominieren musste, bleibt schleierhaft. Immerhin ist Christian Bale für seinen körperlichen Einsatz zu ehren, der kein abgemagerter Maschinist, kein durchtrainierter Patrick Bateman oder aufgepumpter Batman, sondern ein aufgedunsener Fettsack mit reichlich zur Schau gestellter Plauze. Ja, der Mann hängt sich voll in seine Rollen rein. Aber mehr Spaß hat es gemacht, ihn als drogensüchtigen Boxer in The Fighter zu sehen (dafür gab’s zurecht den Oscar).

Nein, American Hustle ist kein schlechter Film, aber auch kein besonders guter. Vielmehr – nach dem ganzen Hype – ein ziemlich enttäuschender. Besser haben es die Vorgänger im Gauner-Genre gemacht: Ocean’s Eleven, Catch Me If You Can, ja man könnte auch The Wolf of Wall Street dazu zählen. Diese Filme halten ihre schelmenhafte Leichtigkeit und Coolness durch, ohne zu ermüden. Es geht um Trickser, ohne dass die Filme viel tricksen müssen. Für American Hustle wird die aufgebaute Fassade, die vom Marketing noch befeuert wird, zum Verhängnis. Viel schöner Schein, aber wenig Unterhaltung. Fühlt sich an wie Betrug.

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