Unsere Oscars 2014

Die Liste der Woche: Die besten Filme des Oscarjahres

gravity

  1. Gravity
  2. 12 Years A Slave
  3. The Wolf of Wall Street
  4. Nebraska
  5. Dallas Buyers Club
  6. Captain Phillips
  7. American Hustle

Was fehlt: All Is Lost

Eins ist klar: Es war eine gute Awards-Season. Es gab so viele gute Filme, dass man für all die Enttäuschungen des Jahres 2013 entschädigt wurde. Engegen allen Unkenrufen muss man sagen: Hollywood kann noch gute Geschichten erzählen und uns damit verzaubern. Die meisten Oscarnominierungen für den besten Film sind berechtigt. Leider ist unsere obenstehende Liste unvollständig. Philomena haben wir leider noch nicht sehen können und Her ist noch nicht in Deutschland angelaufen (Kinostart:  27.3.). Dafür haben wir einen Film aufgenommen, der nur – was zum Himmel schreit – für den besten Tonschnitt nominiert wurde: All Is Lost, das Ein-Mann-ein-Boot-Drama mit Robert Redford, ist ein meisterhaftes Kammerspiel, ein Höhepunkt des Minimalismus und so etwas wie der kleinere, bescheidenere Bruder des Überlebensdramas Gravity, bestechend in seiner Zurückhaltung. Wäre er nominiert, stünde er bei uns auf Platz 2 der Liste.

Richtig gut finden wir übrigens nur die ersten fünf Filme. American Hustle war die Enttäuschung der Season, weder Komödie noch Drama, irgendwie zäh und weder von der Story noch von den Charakteren her überzeugend. Auch die Schauspieler haben schon bessere Vorstellungen gegeben. Und wer jetzt Ausstattung, Kostüme und Maske loben will, weil sie so gut die 70er Jahre auferstehen lassen – sei’s drum. (In den ersten beiden Kategorien gibt es Nominierungen.)

Captain Phillips mag gut gemeint und gut gemacht sein, aber für den Oscar langt es unserer Meinung nach nicht. Zu routiniert ist die Inszenierung, zu sehr wird hier auf Spannung gesetzt – was nicht verkehrt ist, aber auch nicht überrascht. Der Film erfüllt alle Erwartungen, die man an die Handlung haben kann. Das ist in Ordnung, aber nicht preisverdächtig.

Dann gibt es diese beiden kleinen, ruhigen Dramen im Mittelfeld: Dallas Buyers Club und Nebraska sind rundum gelungene Filme, welchen man höher bewertet, ist wohl eine Geschmacksfrage, welche Geschichte einen mehr angesprochen hat. Für uns war es die Familiengeschichte von Nebraska mit ihren verschrobenen Charakteren. Man muss den Film loben für seine perfekte Balance zwischen Drama und Komödie. Ein Feelgood-Movie trotz seiner schwarz-weißen Bilder von trostlosen Landschaften. Eine solche erzählerische Leistung kann man gar nicht hoch genug bewerten. Dallas Buyers Club bleibt hingegen ziemlich konventionell (was den Film keineswegs abqualifiziert).

Bei 12 Years A Slave und The Wolf of Wall Street wünschen wir uns, dass die Oscars so wie die Golden Globes getrennt für Dramen und Komödien vergeben werden. Denn die beiden gegeneinander auszustechen, bedeutete Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Wir loben bei Scorseses Wolf das Überbordende, den Exzess und die unverhohlene Dreistigkeit, mit der die witzige Schelmengeschichte von Gier erzählt wird. Steve McQueens Slave brilliert hingegen in der Tugend der Sparsamkeit, was dem Thema Sklaverei enorm gut tut, weil so auf Pathos, Kitsch und Klischees verzichtet wird, ohne die Brutalität zu beschönigen. Für diese perfekte Gratwanderung gibt’s den zweiten Platz. Wahrscheinlich wird er den Oscar für den besten Film einheimsen – schon allein wegen der political correctness. Die Academy steht unter Zugzwang. Eine schlechte Entscheidung wäre es trotzdem nicht.

Der beste Film des Jahres ist aber – mit einigem Abstand: GRAVITY! Dafür werden Kinos gebaut! Das ist eine Wucht von einem Film. Perfekt inszenierte Schwerelosigkeit, man krallt sich unter atemstockender Hochspannung in den Kinosessel und bangt um sein Leben. Es geht um nichts als die bloße Existenz in der lebensfeindlichsten Umgebung und ganz nebenbei funktioniert die Story als Allegorie auf die Entstehung des Lebens. Fragt sich nur, ob der Film auch gut auf dem Fernseher funktioniert … Jeder, der es wagt, sich Gravity auf dem Smartphone anzusehen, sollte sich nicht wundern, wenn er von einem herabfallenden Satelliten erschlagen wird.

Naja, nächste Woche steht erst einmal Wes Andersons Grand Budapest Hotel an, darauf freuen wir uns schon sehr – vielleicht schafft er es ja bei den nächsten Academy Awards berücksichtigt zu werden. Und dann gibt es noch Her von Spike Jonze. Wer weiß, vielleicht wirft er unsere Liste noch um. Nach allem, was man so hört, hätte er gute Chancen. Hier der Trailer:

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