Alles andere als amazing

Amazing Spider-Man

Der Film The Amazing Spider-Man 2 bietet zwar großes Spektakel, bleibt aber wie sein Vorgänger ein sehr durchschnittlicher Superheldenfilm, der sich zu sehr auf Altbewährtes und Klischees verlässt.

ACHTUNG: SPOILER!!!

Sie ist eine der legendärsten, unerhörtesten Comic-Szenen aller Zeiten: Gwen Stacy, die große Liebe von Peter Parker, fällt von einer Brücke, Spider-Man schnappt sie sich mit seinem Netz, aber als der Held sie gerettet wähnt, ist sie schon tot. Eine Szene, die nicht nur mit Konventionen und Erwartungen bricht, sondern auch den Helden infrage stellt. So geschehen in The Amazing Spider-Man #121 von 1973. Mit der Entscheidung von Columbia, das Film-Franchise neu zu starten und mit Gwen Stacy statt mit Mary Jane Watson zu beginnen, war es absehbar, dass früher oder später dieses Ende kommen musste. Doch überrascht es, dass es schon im zweiten Teil passiert.

Der ganze Film ist bereits darauf ausgerichtet: Gwen Stacy trennt sich von Peter Parker, sie kommen irgendwie wieder zusammen, doch dann will sie nach England gehen – ein einziger Abschied auf Raten. Dann das große Liebesbekenntnis und schließlich das unvermeidliche tragische Ende beim Kampf mit dem Green Goblin. Doch bis es so weit ist, bietet The Amazing Spider-Man 2 – Rise of Electro kaum etwas, dass der Aufmerksamkeit wert wäre, geschweige denn überraschen könnte. Auch wenn die Actionsequenzen immer spektakulärer werden und sich Regisseur Marc Webb dabei überbietet, die Kamerafahrten bei Spider-Mans Schwüngen durch Manhatten noch mitreißender zu gestalten, dabei sogar den 3D-Effekt einigermaßen gut ausnutzt, bleibt das Gesamtprodukt sonst eine ziemlich fade Angelegenheit.

„Ich bin Doctor Kafka“

Dabei fängt er vielversprechend an: Ein rasanter Einstieg im Prolog, dann eine lange Verfolgungsjagd durch New York mit einigen Lachern, die fast schon an die Sam Raimi-Trilogie erinnern. Doch dann kommt nur noch Formelhaftes: Der Schurke Electro wird viel zu schnell eingeführt, erlebt eine relativ uninspirierte Wandlung und bleibt so langweilig stereotyp wie alles andere. Abgesehen davon bringt Oscar-Preisträger Jamie Foxx (Ray) eine der miesesten Vorstellungen seiner sonst glorreichen Karriere. Obwohl für das Drehbuch das Hollywood-Dreamteam Alex Kurtzman und Roberto Orci (Mission Impossible III, Star Trek) verpflichtet wurden, werden hier nur lahme Sätze und Klischees aneinander gereiht – bis hin zum Zusammenschnitt der schönsten Gwen Stacy-Szenen am Ende. Ein Satz wie „Ich bin Doctor Kafka“ bringt immerhin eine unfreiwillige Komik.

Schließlich leidet auch die Fortsetzung an der Krankheit des Reboots: Man wird das Déjà-vu-Gefühl nicht los, dass mit dem Green Goblin eine Geschichte nochmal, nur ein wenig anders erzählt wird, aber ohne der Figur etwas Neues abzugewinnen. Zwar trägt er hier keine blöde Maske mehr, aber er lacht das gleiche irre Schurken-Lachen, das schon Willem Dafoe im ersten Teil der Raimi-Trilogie von sich gegeben hat. Bei der Genese des Goblin muss man sich fragen, warum es einem Mann, der unter den Folgen eines Super-Spinnen-Gifts leidet, ja beinahe stirbt, als erstes in den Sinn kommt, in eine Kampfrüstung zu steigen. Oder warum das Serum so schlechte Zähne macht, während zuvor noch ein paar Elektrostöße gereicht haben, um eine Zahnlücke zu schließen. Oder wo Electro so schnell einen feschen Anzug herbekommen hat, der sich zusammen mit ihm in eine Stromleitung pressen lässt.

Viel Lärm um nichts

Aber das sind Details. Vielmehr muss man sich die Frage stellen, warum der Film drei Schurken verheizt, ohne auch nur für einen begeistern zu können. Warum so viel Lärm um nichts betrieben wird und ob von Spider-Man nicht mehr übrig ist, als coole Seilakrobatik vor Hochhauskulisse. Schade eigentlich: Statt die Chance des Reboots zu nutzen und zu versuchen, neue Geschichten auf neue Weise zu erzählen, wie es die Comics einst geschafft haben, scheint das Franchise in der Wiederholungsschleife festzustecken. Schon der erste Teil war alles andere als „amazing“. Dem Publikum reicht das offenbar, die Kritiker sind begeistert und auch bei uns gab es im Kinosaal am Ende Applaus. Na dann … Teil 3 und 4 sind bereits angekündigt. Aber unsere Hoffnung ruht erst einmal auf den X-Men, die am 22. Mai zurückkehren.

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