Seichte Bilderfluten

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Es gibt Filme, die so vorhersehbar sind, dass man sich die Frage stellt, warum es sie überhaupt gibt. Zum Beispiel bei Remakes und Reboots. Warum macht sich ein ambitionierter Filmemacher die Mühe, ein Drehbuch zu schreiben und hunderte Millionen Dollar zu verprassen, um eine Geschichte zu erzählen, die erstens jeder kennt, die zweitens schon ein Dutzend mal erzählt wurde und die drittens keinen nennenswerten Neuansatz bietet. So geschehen bei Darren Aronofskys Noah. Nach visionären Filmen wie Pi, Requiem for a Dream und The Fountain, sowie Publikums- und Kritikerlieblingen wie The Wrestler und Black Swan hat das Regietalent einen biblischen Stoff neu verfilmt. Der Cineast ist skeptisch ob des Themas, aber neugierig, da immerhin ein fähiger Mann verantwortlich war. Also gut: Man setzt sich – die anderen fünf Filme in guter bis sehr guter Erinnerung – mit allerhand Vorschusslorbeeren ins Kino und erwartet etwas für seine 12 Euro, die die Karte dank Überlänge und 3D-Zuschlag kostet.

Doch in diesen zweieinhalb Stunden kommt nichts, was auch nur im Geringsten das Interesse wecken könnte. Am Anfang schafft Aronofsky Himmel und Erde, die Erde aber ist wüst und wirr und der Geist des Schöpfers schwebt über allem. Am Anfang war das Nichts, behauptet Aronofsky, aber danach kommt leider auch nicht viel mehr. Keine Charaktere, interessanten Einfälle oder gar wahres Drama, ganz zu schweigen vom Humor. Noahs Geschichte ist ein Ökothriller mit moralinsaurer Botschaft („Schützt die Umwelt!“), Gut und Böse sind klar getrennt und es wird suggeriert, dass nach der Flut alles besser wird. Durch diesen naiven Ansatz wirkt der Film bei aller vorgeblichen Aktualität peinlich unzeitgemäß. Die Sintflut wird in den Zusammenhang von Sündenfall und dem ersten Brudermord gestellt, symbolisiert durch Schlange, Frucht der Erkenntnis und einer zuschlagenden Hand; für alle, die es beim ersten Mal nicht verstanden oder es mittlerweile vergessen haben, wird diese schöne Dreier-Reihe ein paar mal wiederholt und obwohl zu Beginn alles in einem Text erklärt wird, erzählt Noah später alles noch einmal.

Neuschöpfung als Wiederholung – das ist die Krankheit, an der Aronofskys Film leidet. Da helfen auch keine gefallenen Engel, die als unförmige Steinwesen die Arche bauen und sie gegen die einfallenden Horden „böser Menschen“ verteidigen. Da hilft auch kein ständig miesgelaunter Russel Crowe in der Titelrolle oder Anthony Hopkins als Zauberer Methusalem, der Lust auf Beeren verspürt. Und auch der Schurke, der sich auf dem Boot versteckt und sich im Finale mit Noah kloppt, kann der altbackenen Geschichte kaum Spannung verleihen. Dass das Leben auf der Arche – mindestens neun Monate lang in einem Zoo und bei starkem Seegang! – ziemlich ätzend gewesen sein muss, dafür interessiert sich Aronofsky übrigens nicht die Bohne. Hier verschenkt er ein potenzielles Kammerspiel für eine langatmige Vorbereitung und einen noch langatmigeren Schluss.

Am Ende franst die Story ziemlich aus, der Epilog fühlt sich noch schleppender an als der Abschied bei Herr der Ringe 3, Noah betrinkt sich und liegt nackt am Strand, warum auch immer, vielleicht weil das so ähnlich auch in der Bibel steht. Die 3D-Brille dient übrigens nur dazu, den Film scharf zu sehen, aber Tiefe sucht man in diesen Flutbildern und Bilderfluten vergebens. Nach dieser lahmen Vorstellung fühlt man sich, wie sich die Leute nach der Sintflut gefühlt haben müssen, nämlich erleichtert, dass das Schlimmste endlich vorbei ist. Vielleicht soll das ja auch so sein, aber man hat nicht das Gefühl, ein notwendiges Übel überstanden zu haben.

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