Sequel to the prequel to the sequel

X-Men-Werbeplakate in Frankfurt (Foto: Lukas Gedziorowski)

X-Men-Werbeplakate in Frankfurt (Foto: Lukas Gedziorowski)

Der siebte X-Men-Film, Zukunft ist Vergangenheit, gleicht einem Klassentreffen: Regisseur Bryan Singer kehrt wieder und versammelt nicht nur die Helden der ersten Trilogie, sondern auch die der neuen, also ersten Generation – alles klar? Zugegeben, langsam wird’s verwirrend. Macht aber auch sehr viel Spaß. Es ist der beste X-Men-Film seit 2000 geworden.

Der Europawahlkampf geht in die finale Phase. Woran man das merkt? An den Wahlplakaten. Zur Wahl stehen nicht nur Politiker, sondern auch einige Mutanten: Wolverine, Mystique, Magneto, heißen sie und werben seit einigen Tagen mit dem Slogan: „Alle sind gleich“. Würden wir die X-Men wählen, wenn sie zur Wahl stünden? In der Politik wahrscheinlich nicht, zu uneins erscheint die Fraktion, vor allem in der Kriegsfrage gegen die Menschen. Und auch ob für sie „alle gleich“ sind, ist zu bezweifeln, da Typen wie Magneto Mutanten als die überlegenere Gattung ansehen. Im Kino aber ist diese politisch-soziologische Debatte immer wieder ein Vergnügen. Und der jüngste Film der Reihe, Zukunft ist Vergangenheit (Days of Future Past), ist sogar ein besonders gelungenes – der beste seit dem ersten Teil.

Es wurde höchste Zeit: Nach einem ersten Teil im Jahr 2000, mit dem Regisseur Bryan Singer die Maßstäbe des Superheldenfilms neu definierte, wurden die Fortsetzungen schwächer, besonders schwächelte das Franchise zuletzt mit den beiden Wolverine-Ablegern. Immerhin gelang mit dem Prequel Erste Entscheidung (First Class) vor zwei Jahren ein frischer Neuansatz. Für den neuesten Film kehrte Singer auf den Regiestuhl zurück. In seinem dritten X-Men-Film verbindet er nicht nur seine „alte“ Besetzung mit der neuen, sondern auch die Generationen: Zwei Mal sehen wir die alten Freunde Charles Xavier und Eric Lehnsherr (Magneto), Verbündete in der Zukunft und Feinde im Jahr 1973, Charles ein Säufer auf Drogen und Eric eingekerkert wegen des Mordes an John F. Kennedy. Eine dystopische Rahmenhandlung, eine Zeitreise auf Bewusstseinsebene in das Jahr 1973 und ein wie immer souveräner Wolverine, der die Welt rettet, sind nur die Grundpfeiler eines ausgewogenen Drehbuchs. Hinzu kommen neue Charaktere wie der junge Quicksilver, der den Film mit einer der schönsten und witzigsten Bullet-Time-Szenen der Filmgeschichte bereichert.

Seinen Zuschauern macht es das Drehbuch nicht ganz einfach: Zunächst einmal wird vorausgesetzt, dass es sich sowohl um ein Sequel des Prequels handelt, das aber auch ein Sequel der ersten Trilogie ist. Abgesehen von den vielen Charakteren und Rückbezügen zu den vorangegangenen Filmen gibt es Zeitsprünge und veränderte Kontinuitäten, die mehr Aufmerksamkeit und Wissen als gewöhnliche Superheldenfilme erfordern. Das Filmuniversum wird allmählich kompliziert. Fans jedoch dürften andere Verständnisfragen haben: In manchen Punkten bleibt der Film einige Erklärungen schuldig, vor allem, warum der alte Charles Xavier und Jean Grey noch leben, obwohl sie in X-Men – Der letzte Widerstand gestorben sind, und welchen Sinn das Erscheinen von Xavier und Magneto am Ende von The Wolverine hat.

Ansonsten bleibt alles beim guten alten X-Men-Prinzip: Menschen gegen Mutanten, Magneto gegen Xavier, Rassismus gegen Toleranz, Krieg gegen Frieden. Einen besonders interessanten Aspekt bekommt der Film durch die Figur des Mutanten-Forschers und -Gegners Bolivar Trask: Für ihn sind die Mutanten nur ein Feindbild, gegen das sich die gespaltene Menschheit verbünden soll. Der Krieg gegen eine Minderheit dient als Mittel zum globalen Frieden – dieser Gedanke hat nicht nur seine Vorbilder in der Historie, sondern auch in einem Comic wie Watchmen. Bemerkenswert dabei ist, dass Trask gespielt wird von Game of Thrones-Star Peter Dinklage, einem Kleinwüchsigen, aber die Körpergröße in dem Film kein Mal thematisiert wird oder sonst eine Rolle spielt. Insofern ist X-Men – Zukunft ist Vergangenheit ein in höchstem Grade integrativer, wenn nicht gar inklusiver Film. Die Freaks und Außenseiter werden stigmatisiert wegen ihrer blauen Haut und ihrer Ganzkörperbehaarung. X-Men bleibt sich treu: Die Filme erzählen keine Märchen von einer Gesellschaft der Gleichheit, sondern Parabeln von einer Gesellschaft der Unterschiede. Folglich müsste der Wahlslogan der X-Men heißen: „Jeder ist anders.“ Es geht bloß darum, wie man damit umgeht.

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