Pedant des Abseitigen

Die Liste der Woche: Die Filme von David Fincher.

Fight Club

Er gilt als Perfektionist – und tatsächlich ist ihm bisher noch kein Film misslungen. David Fincher ist einer der talentiertesten Filmemacher Hollywoods. Sein Ruf ist auf Filmen begründet, die meistens von den Härten des Lebens geprägt sind: Zynische Außenseiter und durchtriebene Arschlöcher müssen sich in einer abgefuckten Gesellschaft durchsetzen. Fincher fängt diese Atmosphäre in herrlich düsteren Bildern ein und hat ein ausgeprägtes Gespür für Dynamik. Die Filme dürften gut bekannt sein, daher haben wir uns bei unserer Bestenliste nur auf ein paar Kommentare beschränkt.

  1. Fight Club
  2. The Social Network
  3. Sieben
  4. The Game
  5. Panic Room
  6. Alien 3
  7. Der seltsame Fall des Benjamin Button
  8. Zodiac
  9. Verblendung

Verblendung (2011)

Woran liegt es, dass dieser Film den geringsten Eindruck hinterlassen hat? Dass wir bereits eine schwedische Verfilmung des Stoffs gesehen haben und diese Neufassung – bis auf den Fincher-Stil – dem nichts nennenswertes hinzugefügt hat? Oder dass der Stoff uns damals schon nicht sonderlich interessiert hat? Ein Reporter deckt einen historischen Mordfall auf und beginnt eine Affäre mit einer jungen Hackerin. Herrje! Wie bemüht! Überzeugt uns gar nicht. Und warum spielt der Film in Schweden, wenn alle Englisch reden? Hätte man nicht gleich die Handlung in die USA übertragen können? Ganz zu schweigen von diesem überkandidelten Vorspann … Naja, wer weder Buch gelesen noch die erste Verfilmung gesehen hat, könnte gut unterhalten sein …

Zodiac (2007)

Ein ungeklärter historischer Kriminalfall – oder sind es gar mehrere Fälle? Man weiß es nicht. Was am Anfang noch ein packender Krimi/Thriller ist, läuft sich irgendwann tot und der Film landet in der gleichen Sackgasse wie sein fanatischer Ermittler. Leerlauf ist die Folge. Dadurch wird Zodiac irgendwann zäh. Und wegen der vielen offenen Fragen auch unbefriedigend. Immerhin bietet Fincher am Ende eine mögliche Lösung an. Der Rest bleibt Hobby-Rätselknackern überlassen …

Der seltsame Fall des Benjamin Button (2008)

Finchers unüblichster, weil lieblichster und seichtester Film. Wir sehen den Titelhelden körperlich jünger werden, während er geistig älter wird. Nach Forrest Gump-Schema begegnet er auf einem bewegten Lebensweg verschiedenen Menschen und redet mit ihnen. Er selbst tut kaum etwas, der Charakter bleibt ein unbeschriebenes Blatt. Schön und kurzweilig anzusehen ist das trotzdem. Auch wenn wir immer noch nicht verstanden haben, was das Ganze mit der rückwärtslaufenden Uhr soll (Stichwort: Dingsymbol!) und warum die Rahmenhandlung des Films unbedingt in New Orleans spielt, wo gerade der Hurrikan Katrina zu wüten beginnt. Unterhaltsamer als die Buchvorlage, mit der Finchers Werk wenig zu tun hat, ist der Film dennoch.

Alien 3 (1992)

Hier werden viele Fans der Reihe widersprechen wollen, aber wir mögen den dritten Alien. Gerade weil er so skrupellos ist. Am besten wird das in einer Szene deutlich: Da hat sich der Arzt Ripley gerade anvertraut, man wird warm mit ihm und dann – zack! Aber wir wollen nicht zu viel verraten. Die Episode in der Männer-Strafkolonie führt den typischen Emanze-gegen-Sexisten-Feldzug konsequent fort. Auch wenn die Dreharbeiten ein Desaster waren und die Kritiker geschimpft haben: Alien 3 ist mit seinem bescheidenem Ansatz gelungener als der übertrieben-brachiale zweite und der überdrehte vierte Teil. Gebt ihm noch eine Chance!

Panic Room (2002)

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Fincher nennt ihn sein „Popcorn-Movie“ (FAS vom 28.9.2014). Ist auch ziemlich anspruchslos: Mutter und Tochter verschanzen sich in einem Hausbunker, um drei Einbrechern zu entgehen, der Bunker wird zur Todesfalle – klassisches Schema. Aber das hitchcockhafte Kammerspiel ist so beklemmend und spannend, wie es nur sein kann. Allein die lange und spektakuläre Kamerafahrt durchs Haus, als die Einbrecher einsteigen, ist ein Hochgenuss. Der Rest einfach nur spannende, schnörkellose Unterhaltung.

The Game (1997)

Einer der unumstrittenen Klassiker. Man könnte ihn auch als eigentliche, bessere Fortsetzung von Wall Street ansehen: Der Fall und die Läuterung von Gordon Gekko. Wieder mal sehr hitchcockhaft hängt über all den seltsamen Ereignissen die Frage: ist das nur ein Spiel oder todernst? Das Ende ist etwas konstruiert, aber verblüffend. Doch auch wenn man die Lösung bereits weiß, bleibt der Film wegen der grandiosen Schauspielleistung von Michael Douglas und Sean Penn und der typischen Fincher-Stimmung ein feines Stück Kinogeschichte.

Sieben (1995)

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Noch so ein Klassiker. Einer der düstersten, auf jeden Fall der deprimierendste, weil konsequenteste Fincher. An einem Hollywood-Film kann man das gar nicht genug loben. Besonders gelungen ist, dass der Horror dieses Films sich meistens im Kopf der Zuschauer abspielt. Das Serienkiller-Prinzip nach religiösen Motiven machte Schule. Wer ein bisschen darüber nachdenkt, entdeckt einige logische Brüche. Aber dann ist da diese wundervolle Szene in der Bibliothek, wenn man Morgan Freeman bei der Recherche in alten Büchern zuschauen darf. Und dann ist da noch ein junge Brad Pitt in Hochform. Und Kevin Spacey in einer seiner besten Rollen. Und … ach, Ihr habt den auch ein dutzend Mal gesehen und wisst das alles noch selbst sehr gut …

The Social Network (2010)

Wie bitte? Platz 2 für diesen Facebook-Film, in dem nur gelabert wird? Kein einziger Toter! Keine Film Noir-Ästhetik! Was daran ist Fincher? Ganz einfach: Die Größe, selbst aus Facebook einen packenden Film zu machen. Das ist vor allem dem gewitzten Drehbuch von Alan Sorkin zu verdanken, bei dem alle Figuren so verdammt geistreiche Reden schwingen, wie sie sich nur die besten Hollywood-Autoren einfallen lassen können. Aber das funktioniert hier wunderbar. Es sind sind diese Dialoge voller atemloser Schlagabtausche, die diesen reinen ‚Laberfilm‘ am Leben halten. Der Rest ist reinstes Shakespeare-Drama über Freundschaft, Verrat und gebrochene Herzen, erzählt mit einer mitreißenden Dynamik. Mark Zuckerberg, das größte Arschloch-Genie neben Cumberbatchs Sherlock, kann man nur hassen, aber als schurkischer Held erscheint er auch liebenswert menschlich. Wer diesen Film nach einem Mal abgeschrieben hat, sollte ihm eine zweite Chance geben. Spätestens dann hat er einen begeistert.

Fight Club (1999)

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Vielleicht nicht die kreativste Wahl, aber gegen ein wahres Meisterwerk kann man sich nicht wehren, sondern nur vor Ehrfurcht niederfallen. Und hier stimmt alles. Dem Titel nach geht es um Prügeleien und lässt nicht viel erwarten – und dann schaut man ihn und er haut einen einfach nur um. Zunächst geht es um alles andere: Die Arbeits- und Konsumgesellschaft, in der wir leben, das sinnlose Laufen im Hamsterrad, die Lähmung des Individuums. Normalerweise sind Erzählstimmen billige Mittel, aber ohne Edward Nortons Narration würde ein großer Teil des literarischen Werts fehlen. Seine Worte haben etwas Einlullendes und zugleich Verbittertes. Dieser Erzähler ist ein Niemand, mit dem man sich wunderbar identifizieren kann. Und dann kommt der Befreiungsschlag mit Tyler Durden (Brad Pitt) – einem Mann, der so ist, wie viele sein wollen. Das alles spielt sich in einer typisch sinistren Atmosphäre ab, wird ironisch immer wieder gebrochen und mit spektakulären Kamerafahrten und Schnitten aufgepeppt. Fincher schafft sein dichtestes Werk, in dem man mit jedem Schauen etwas Neues entdeckt. Beim ersten Mal wirkt er wie eine dieser Schlägereien: Ein Hieb ins Gesicht, ein Tritt in die Magengrube und einer in die Eier – und wenn der Schmerz vorbei ist, fühlt man sich wie neugeboren.

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