Berliner Fragmente #1: Touristen

b-hbf

Als Großstädter kennt man diese Verachtung gegenüber Touristen, vor allem denen aus der Provinz. Sie stehen links auf Rolltreppen und grundsätzlich im Weg, sie blättern in ihren Reiseführern und beraten sich darüber, vom welchem Wolkenkratzer aus sie die Aussicht genießen wollen, sie blicken staunend wie ratlos umher, sie freuen sich an jedem Quark, weil für sie alles eine Sehenswürdigkeit ist. Jede U-Bahn-Fahrt ist für sie ein Abenteuer.

Erbärmlich, denkt sich der routinierte Großstädter – in diesem Fall Frankfurter – und rümpft über die Landeier die Nase. Doch dann, sobald er fremd in einer fünfmal so großen Stadt ist, kommt er sich selbst klein und verloren vor wie ein Hinterwäldler, versperrt Rolltreppen und Wege, weil er vor lauten Gucken und Staunen nicht weiß, wo ihm der Kopf steht, und spürt die Verachtung der Alteingesessenen, die einem so haushoch überlegen sind. Da hilft nur eins: Den Mut zusammennehmen, den Koffer wegbringen und so selbstsicher tun wie sie. Keine Großstadt ist wie die andere, aber doch funktionieren sie alle gleich. Nur nicht einschüchtern lassen. Nur noch unbemerkt ein Foto von diesem hübschen Straßenpoller machen und dann schnell weiter …

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