Berliner Fragmente #13: Flatrate

Schaukel im Mauerpark (Foto: Lukas Gedziorowski)

Schaukel im Mauerpark (Foto: Lukas Gedziorowski)

Im Zeitalter des Unendlichen Spaßes ist Flatrate das Wort der Stunde. Das All-You-Can-Eat-Buffet gibt es auch für Musik, Filme und mit Amazon auch bald für E-Books. Konsum zum Festpreis, Zeit ist die einzige Grenze. „Flatrate killt die Kunst?“, fragte Joachim Huber kürzlich im Tagesspiegel (9.10.2014). Der Konsument fühle sich vom Überangebot überfordert, damit sich der Preis lohnt, werde „alles zur Probe“, zum „Häppchen“. Der Autor sieht trotzdem in Flatrates eine Chance, den Geschmack zu fordern und zu fördern.

Flatrates bieten jedoch mehr als das. Bei der Musik eröffnen sie die Möglichkeit, potenziell auf alles zugreifen zu können, um so die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, das zu finden, was man sucht. Eine solche Möglichkeit fehlt noch im Bereich Film und Serie. Insofern ist das Versprechen von Amazons Instant Video-Angebot – „unbegrenztes Streaming von Filmen und Serien“ – nur zur Hälfte wahr: die Grenze bildet das beschränkte Angebot. Aber egal ob Musik oder Film: Bei Flatrates geht es nie darum, alles zu konsumieren, sondern nur das Wenige, wofür man sich interessiert. Der Rest ist Stöberei in Wühlkisten nach Fundstücken. Bei der ziellosen Suche sind Häppchen die bessere Wahl.

Auch bei Büchern müssen Flatrates nicht den Untergang der Kunst, in diesem Fall der Literatur, bedeuten: Wer in öffentlichen Bibliotheken einen Jahresbeitrag zahlt, kann dort auch unbegrenzt Bücher (sowie Musik und Filme) ausleihen. Selbst wer nicht zahlt, kann jederzeit vor Ort lesen so lange es die Öffnungszeiten zulassen. (Die sogenannte Gratis-Mentalität lässt grüßen – ganz analog übrigens …) In der Regel bezahlt man den vollen Preis nur für Bücher, die man besitzen will. Da man die meisten Bücher aber wahrscheinlich nur einmal liest, ist ein digitales Ausleihmodell nur folgerichtig. Ob der Preis stimmt, ob alle Beteiligten fair profitieren oder nur Amazon Reibach macht, ist eine ganz andere Frage.

Schließlich bietet das Internet selbst mit seinen Gratis-Angeboten wie YouTube, Nachrichtenseiten, privaten Websites und Blogs eine Omni-Flatrate, die zum Preis einer einzigen Provider-Flatrate zu haben ist. Die Frage dabei ist, ob man nicht endlich diesen Preis so anpassen und den Erlös so verteilen müsste, dass alle Content-Anbieter davon profitieren. Erst das wäre eine faire digitale Kultur für alle – Rezipienten und Produzenten.

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