Berliner Fragmente #21: Todschick

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Der Marktschreier kommt als nobler Geschäftsmann daher. Im zerknitterten, grau-kariertem Anzug steht er vor dem Laden im Wedding, zwischen billigen Handtaschen und Schuhen, Bettwäsche und Zuckerspendern. Ein Mikrofon in der rechten Hand, die linke in Dienerhaltung vor der schwarzen Weste, in seinem mageren Gesicht ein aufgesetzt-freundliches Lächeln. Mit heiserer Stimme preist er einem abwesenden Publikum von Damen seine Waren und Preisnachlässe an. Zehn Euro für drei Kleidungsstücke. Nur wenige finden den Weg hinein.

An der Ecke gegenüber steht ein Ladengeschäft leer. Nur noch die Schilder künden von einem „Fashion Outlet“. Ein Schriftzug wirbt für die Neueröffnung, ein anderes für den Räumungsverkauf, während die Fenster mit Werbe-Plakaten beklebt sind. An der Seite, wo noch von Taschen und Schuhen zu lesen ist, kann man noch die Spuren des Vormieters erkennen: eines Bestattungsinstituts.

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