Berliner Fragmente #39: Foto

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Zugegeben: Das Foto ist nicht großartig. Aber leider ist der Fotograf nicht mehr dazu gekommen, ein besseres vom selben Motiv zu machen, denn kaum hatte er die Kamera auf den mit Limo-Flaschen gefüllten Einkaufswagen gerichtet, kam ein Mann aus dem Laden auf die Straße – mutmaßlich der Inhaber oder ein Mitarbeiter – und wollte es ihm verbieten. „Warum fotografieren Sie den Einkaufswagen?“, fragte er. Der Fotograf erklärte es ihm, obwohl das eigentlich nicht nötig war. „Warum fotografieren Sie nicht diese Einkaufswagen da?“, fragte er und zeigte auf ein paar leere, die an der Seite standen. Der Fotograf verstand die Aufregung nicht und bestand auf ebendiesem Motiv. Daraufhin stellte sich der Mann vor den Wagen und untersagte es – warum auch immer. Wie gut, dass der Fotograf einige Tage zuvor ein Seminar zum Presserecht besucht hatte. „Ich darf fotografieren, was ich will“, sagte er und verwies auf Artikel 5 des Grundgesetzes (Meinungs- und Pressefreiheit). Der Mann war verunsichert, er schien davon noch nichts gehört zu haben. Da wollte er lieber, dass der Fotograf von seinem Recht Gebrauch machte, indem er das Obst in der Auslage verewigte. „Oder fotografieren Sie mich“, sagte der Mann. Da wurde es dem Fotografen zu blöd und machte anderweitig von seinem Grundrecht Gebrauch. So wichtig war der olle Einkaufswagen nun auch wieder nicht.

Moral: Man darf von allem Fotos machen. Auch von Arschlöchern. (Nur zum Veröffentlichen braucht es die Genehmigung des Abgelichteten.)

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