Berliner Fragmente #40: Diaschau

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Einen Film über einen Fotografen zu machen, ist kein leichtes Unterfangen. Da ist zum einen das Problem zweier Medien, die man miteinander vereinbaren muss, obwohl sie anders funktionieren: Ein Film über Fotos wird schnell zur kommentierten Diashow. Und wenn man den Fotografen bei der Arbeit zeigt, läuft man Gefahr, dass der Gefilmte mit seiner Kamera zurückschießt. So macht der Fotograf die Doku über ihn zu einem Making-of.

Wim Wenders hat es trotzdem gewagt, eine Doku über Sebastiao Salgado zu drehen, den brasilianischen Fotografen, der seit Jahrzehnten die Welt bereist und ihre schönsten und abstoßendsten Seiten festgehalten hat. Das Salz der Erde ist nach dem Spielfilm Palermo Shooting (2008) Wenders zweiter Film über einen Fotografen. Salgado, Jahrgang 1944, arbeitete zunächst als Ökonom, bevor er 1973 als Profi-Fotograf anfing. In seinen Bildern dokumentierte er Arbeiter in brasilianischen Goldminen, die indigenen Völker Lateinamerikas sowie Flüchtlinge und Darbende in Afrika.

So ausdrucksstark Salgados (Schwarz-weiß-)Bilder stets sind, es sind besonders die Afrika-Fotos, die den größten Eindruck hinterlassen. Abgemagerte Menschen mit selten mehr als einem Fetzen Stoff am Körper, Verhungerte und Abgemetzelte – Salgado hat bei seinen Reisen das Elend und die Grausamkeit in ihren denkbar größten Ausmaß festgehalten. Es sind Fotos, bei denen man sich fragt, wie jemand, der da war, dabei noch die Distanz aufbringen konnte, den Auslöser zu drücken. Salgado sagt im Film selbst, wie schwer es ihm gefallen sei. Was folgte, war Verbitterung über die Abgründe der Menschlichkeit.

Wenders erzählt, wie Saldago Zuflucht in der Natur fand. Statt Menschen fotografierte er ab dem Jahr 2004 im Rahmen seines „Genesis“-Projekts Landschaften und Tiere. Doch Saldago ist nicht nur Beobachter und Dokumentar geblieben: Bereits seit den 90er Jahren arbeitet er mit seiner Frau Lélia daran, einen Teil des Atlantischen Regenwalds in Brasilien wiederherzustellen. Im Film wird gezeigt, wie aus einer Brache wieder ein Wald geworden ist. Der Fotograf ist nicht mehr stiller Beobachter, sondern greift ein in die Welt und gestaltet sie. Eine Mogelei, aber verständlicher Eigennutz: Man muss seine Motive pflegen, sonst könnte es eines Tages nichts mehr zum fotografieren geben – und das wäre für den Künstler die größte Katastrophe.

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