Berliner Fragmente #42: Sudelbuch

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Ein Sudelbuch ist eine praktische Sache. Es ist eine Halde für alles Ge- und Erfundene, was nicht verloren gehen soll. Man nehme ein Buch oder Heft und schreibe einfach alles rein. Das chaotische Prinzip ist zwar bei der späteren Suche die Hölle, dafür ist wenigstens alles an einer Stelle versammelt: Aufgeschnappte Zitate, Anekdoten, Rezepte, kluge Einfälle oder Ideen für die Arbeit. Der Begriff stammt von Lichtenberg, Kurt Tucholsky hat sein Diarium, das er von 1928 bis 1935 führte, ebenso genannt. Darin sind rund 800 kurze Einträge versammelt, manchmal nur ein paar Worte lang. Vieles davon verwendete er in seinen Texten. Und analog zu seinen Schnipseln, die er in der Weltbühne veröffentlicht hat, finden sich im Sudelbuch weitere Sprach- und Gedankenfetzen, die sich bei der Lektüre als Fundgrube herausstellen.

Ein paar Beispiele:

„Ich höre, Sie sind Sadist – gestatten Sie, daß ich Ihnen ein paar in die Fresse schlage?“

Stettenheim: „Ich erhäng mich nur, wenn alle Stricke reißen!“

„Entschuldigen Sie, ich habe keinen Kleingeist bei mir!“ (Der Gelegenheitsdichter) Börne

Er muß heiraten – die schlechteste Frau ist immer noch besser als die bezahlte Kinderpflegerin.

Man sah auf den ersten Blick, warum er sie geheiratet hatte, was ihn an ihr bezaubert hatte – und man sah auf den zweiten, daß er sich geirrt hatte.

„Ich will keinen anderen – ich komme ja kaum mit dir aus!“

 

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