Plage in der Kinowüste

20th Century Fox

20th Century Fox

Bei manchen Filmen fragt man sich, warum sie gedreht wurden. Warum jemand Millionen von Dollar investiert hat, um etwas zu erschaffen, bei dem von vornherein klar gewesen sein müsste, dass es zum Scheitern verurteilt ist. Wie bei Ridley Scott. Der hat zuletzt einige solcher Filmen gemacht. Zum Beispiel Robin Hood (2010), eine unfassbar langweilige Interpretation des Stoffes ohne nennenswerte Innovation. Drei Jahre später folgte The Counselor. Für den hat Cormac McCarthy ein Drehbuch geschrieben, das überhaupt nicht funktioniert. Und nun reiht sich Exodus in die Reihe des Überflüssigen ein.

Die Story ist eine der ältesten der Menschheit. Aber offenbar muss Hollywood alle paar Jahrzehnte seine Stoffe neu verfilmen. Nicht weil jemand eine gute Idee hat, sondern weil das Teil des Systems ist, weil man lieber auf Altbekanntes als auf Innovation setzt, da wissen die Zuschauer, worauf sie sich einlassen. Und schließlich braucht man was Besinnliches für das Weihnachtsgeschäft. Anders ist die Existenz dieses Films nicht zu erklären.

Selbstverständlich ist alles vom Feinsten: Kulissen, Effekte, Spektakel. Wozu aber Schauspieler wie Sigourney Weaver, Ben Kingsley und Aaron Paul als Edelstatisten gecastet wurden, bleibt schleierhaft. Es ist eine der wenigen guten Ideen, dass Gott als Kind dargestellt wird. Auch dass das Nilwasser zu Blut wird, weil Krokodile Menschen fressen, ist eine elegante Lösung der ersten Plage. (Die folgenden werden fast schon wissenschaftlich erklärt.) Doch im Wesentlichen bleibt alles beim Alten: Es ist diese Vorhersehbarkeit, die Exodus so langweilig macht.

Ridley Scott kann sich nicht entscheiden, ob er den religiösen oder den sozialrevolutionären Aspekt der Geschichte betonen will: mal geht es um Sklavenbefreiung, mal um göttliche Bestimmung. Der Film ist weder frömmlerisch noch richtig glaubenskritisch. Hin und wieder fällt das Wort Fanatiker und es stellen sich Fragen, was für ein Gott das sei, der Kinder tötet und wie gerechtfertigt es ist, mit einer riesigen Menschenhorde in ein bewohntes Land einzufallen. Aber Antworten bietet der Film nicht an. Genauso muss man daher zurückfragen, wie zeitgemäß so ein Film ist. So kommen wir zurück zur Relevanz. Hätte Moses geahnt, wie es im Jahr 2014 im Gelobten Land zugeht – er wäre wohl in Ägypten geblieben. Und eigentlich hätte sein Gott das wissen müssen …

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