Spielzeugschlacht im Kinderzimmer

Marvel

Marvel

Marvel’s Ant-Man ist ein kleiner Superhelden-Film geworden, der neue Akzente setzt, aber nicht auf ganzer Linie überzeugt. Eine Art Zwischenspiel und Verschnaufpause zum anstehenden Civil War.

Der Film über den kleinsten aller Marvel-Superhelden hat lange gebraucht. Seit 2003 war Edgar Wright mit dem Projekt Ant-Man betraut gewesen, schrieb das Drehbuch, wurde als Regisseur angeheuert, schrieb das Drehbuch um, schrieb es wieder um, schließlich sollte es soweit sein. Doch kurz vor Produktionsbeginn im Jahr 2014 verkündete Marvel, dass Wright doch nicht Regie führen werde – wegen künstlerischer Differenzen. Das Script wurde erneut überarbeitet, schließlich setzte man Peyton Reed auf den Regiestuhl, einen Mann für seichte Komödien, der mit seinen Werken jedoch nicht gerade Filmgeschichte geschrieben hat. Selbst Avengers-Mastermind Joss Whedon war darüber befremdet: Das Script zu Ant-Man, sagte er, sei das beste, das Marvel je gehabt haben soll – und es habe ihn am meisten an die Comics erinnert.

Auch wenn die Geschichte keinen Konjunktiv duldet, machen solche Aussagen neugierig darauf, was hätte sein können. Jetzt ist das Ergebnis da und beschließt Phase zwei im Cinematic Universe, was bemerkenswert ist, weil der Film als einziger in der Reihe dem Origin eines neuen Helden gewidmet ist und keinesfalls das Spektakel von Avengers: Age of Ultron übertrifft. Auch sonst ist Ant-Man eine Ausnahmeerscheinung. Weniger ein Superheldenfilm als ein Heist-Movie: Der Held, Scott Lang, ist ein Dieb, der rechtschaffen werden möchte, um Verantwortung für seine Tochter zu übernehmen, die bei ihrer Mutter und ihrem neuen Verlobten, einem Cop, wohnt. Doch weil das mit dem Pfad der Tugend nicht klappt, lässt er sich auf einen Coup ein, kommt so an den Ant-Man-Kampfanzug, den vor ihm schon Hank Pym (Michael Douglas stiehlt allen die Show) als Soldat für SHIELD benutzt hat. Der beauftragt ihn, von einem Evil Guy einen anderen Schrumpfanzug (Yellowjacket) zu klauen, bevor die Welt in Chaos versinkt. Und beim Heist lässt sich der Held von vielen Ameisen helfen.

Gags zünden nicht immer

In einem Satz: Mission: Impossible trifft auf Das große Krabbeln trifft auf Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft. Der Film bietet einiges an Schauwerten, wie spektakuläre Kamerafahrten durch Miniatur-CGI-Welten, in denen die Technik sogar dem 3D-Effekt etwas abgewinnen können (auch wenn er nach wie vor verzichtbar ist). Und dann wird noch viel Fan-Service betrieben, indem es neben vielen Anspielungen auf die Avengers auch einen unterhaltsamen Kampf gegen Captain Americas Kumpel Falcon gibt. Vor allem ist Ant-Man aber eine Komödie, in der es stets viel zu lachen gibt, sowohl bei den Dialogen als auch bei Slapstick. Leider zünden nicht alle Gags, wie sie sollten. Vor allem die drei Stooges des Helden, die als Comic Reliefs eingesetzt werden, sind etwas zu bemüht witzig, was nicht immer aufgeht – auch wenn das hoffentlich zum Teil auch an der deutschen Übersetzung liegt. Der Schurke ist so platt böse wie man nur sein kann, eher ein Funktionsträger als ein Charakter. Die obligatorische Lovestory ist kaum noch holprig zu nennen, eher übers Knie gebrochen. Und wie immer gibt es ein paar Ungereimtheiten, bei denen man sich fragen kann, warum es nicht auch einfacher ginge. Aber die einzige Antwort kann nur sein: Weil es sonst viele Szenen nicht gebe.

Ant-Man ist ein kleiner Superheldenfilm mit bescheidenem Ansatz und dem Charme von Außenseitern (wie schon bei Guardians of the Galaxy). Vieles hat man schon größer und aufregender gesehen, hier läuft es auf ein Finale mit Spielzeugschlacht in einem Kinderzimmer hinaus. Das ist durchaus sympathisch, aber man hätte mehr draus machen können – womit wir wieder bei Edgar Wright und seiner unverwirklichten Vision wären. Mag sein, das sein Geist in diesem Film steckt, aber vielleicht wäre seine Seele das entscheidende Etwas gewesen, das Ant-Man fehlt.

Wie immer lohnt es sich, bis zum Ende des Abspanns sitzen zu bleiben: [kleiner Spoiler!] Dabei gibt es einen Ausblick auf eine neue Wasp (eine Art Ant-Woman mit Flügeln) und eine Mitgliedschaft bei den Avengers. Denn das, was als nächstes kommt, wird alles andere als bescheiden: Captain America – Civil War wird wohl alles toppen, schon allein wegen des Superhelden-Aufgebots von etwa einem Dutzend Charakteren. Betrachten wir also Ant-Man als Verschnaufpause und kurzweilige Zwischenunterhaltung auf dem langen Weg zu Leinwandspektakeln, von denen wir Weltbewegendes erwarten.

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s