Korrekturen mit Pilzen

Ballantine Books

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Manchmal laufen die Dinge ganz okay, könnten aber auch besser laufen. So wie bei Katie. Die 29-Jährige hat ein gut laufendes Restaurant, will aber ein neues aufmachen, das ihr allein gehört, doch die Bauarbeiten an dem Altbau ziehen sich hin. Und dann taucht ihr Exfreund im Laden auf, an dem sie immer noch hängt, aber er hat eine gutaussehende Frau bei sich. Außerdem hat Katie eine Affäre mit ihrem Koch – und weil sie ihn ablenkt, verbrennt sich eine Kellnerin in der Küche mit heißem Fett die Arme. Da findet Katie in ihrer Kommode ein Buch, einen Pilz und eine Gebrauchsanweisung: Schreib deinen Fehler auf, iss den Pilz, geh schlafen, erwache aufs Neue. Gesagt, getan: am nächsten Tag ist der Unfall nie passiert.

Nachdem Katie noch mehr Pilze entdeckt, nimmt sie das zum Anlass, weitere Fehler in ihrem Leben auszumerzen, doch schon bald stellt sich heraus, dass nicht alle Korrekturen zu einem besseren Leben führen und dass sie vor allem mit Umständen leben muss, die sie nie erlebt hat. So verzettelt sie sich mit jedem Pilz in ein immer größeres Unglück. Und an all dem ist nur ein Hausgeist schuld …

Bryan Lee O’Malley (bekannt für seine Scott Pilgrim-Comic-Reihe, die auch verfilmt wurde) zeichnet seinen Comic Seconds in einem bunten, stark an Mangas angelehnten Stil: Die Erwachsenen wirken dadurch mit ihren Pausbäckchen und Kulleraugen wie Kinder. Und so benehmen sie sich auch, allen voran Katie. Sie ist das Paradebeispiel der ständig unzufriedenen jungen Frau, die die Kunst des Jammerns auf hohem Niveau pflegt und vor lauter Lebensoptimierung die Kontrolle über ihr Leben verliert. Die banale Moral von der Geschicht begreift der Leser leider schneller als die Protagonistin: nämlich dass alles so bleiben sollte, wie es ist. Dadurch aber muss man 300 Seiten lang ihre Irrungen und Wirrungen ertragen.

Immerhin sind es kurzweilige Seiten. O’Malley erzählt seine Story mit viel Ironie, zudem wird die Erzählstimme immer wieder von der Protagonistin kommentiert, was zu einigen Brechungen führt, die dem Ganzen den Ernst nehmen. Und tatsächlich kann man Seconds auch nicht ganz ernst nehmen, denn die Probleme der Heldin sind so banal, dass ihre Überreaktionen sie als Drama-Queen erscheinen lassen. Dass am Ende der Märchenplot tatsächlich auf einen metaphysischen Kampf zwischen einem Hausgeist und einer Hexe hinausläuft, macht die Geschichte nicht einnehmender. Wenn man nicht unbedingt ein Freund von O’Malleys Stil ist, kann man sich die Lektüre dieses für den Eisner-Award nominierten Comics sparen.

>> Bryan Lee O’Malley: Seconds, Ballatine Books 2014. (Bisher keine deutsche Veröffentlichung.)

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