Star Wars in der Schleife

Der magische Moment von Star Wars beginnt bereits mit dem blauem Schriftzug auf schwarzem Grund: „Es war einmal, vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis.“ Und mit dem gelben Titel, der – begleitet von Fanfaren – in die Leinwand springt, wird diese fantastische Vergangenheit plötzlich ganz gegenwärtig. Das Publikum im Kinosaal jubelt: Endlich ist es wieder da, dieses Gefühl von damals, als man zum ersten Mal diese Schrift sah und in das Abenteuer eintauchte. Und es ist ganz egal, welchen der sechs Filme man am liebsten mag oder ob man einige von ihnen verachtet, das Gefühl des Neubeginns einer weiteren Episode ist immer dasselbe: kindliche Vorfreude, wie Weihnachten vor dem Auspacken der Geschenke.

Star Wars ist mehr als eine Filmreihe oder ein Franchise – es ist ein Mythos. Und wie jeder Mythos hat er sich längst verselbständigt, verwandelt in tausend Gestalten. Doch eines ist immer gleich geblieben: das Gefühl des Wiedersehens mit alten Freunden. Genau das leistet Episode VII und hat damit bereits der Prequel-Trilogie das Wichtigste voraus. Es geht nicht zurück zum Ursprung der Geschichte, sondern zum Ursprung des emotionalen Mittelpunkts der Reihe, den Charakteren Luke und Leia, Han Solo und Chewbacca. Endlich erfährt man, wie es mit ihnen weitergeht.

20th Century Fox: Das fehlt in Star Wars Episode VII

20th Century Fox: Das fehlt in Star Wars Episode VII

Doch Episode VII ist nur auf den ersten Blick eine Fortsetzung. Im Grunde rebootet der Film das Franchise, indem er nicht nur die wichtigsten Merkmale und Figuren wieder versammelt, sondern auch die Handlung wiederholt. Das Neue ist ein Zurück zum Status quo aus Episode IV: 30 Jahre nach dem Ende des Imperiums scheinen alle Errungenschaften vergebens. Die Republik spielt kaum eine Rolle, wichtiger ist der alte Kampf zwischen der Ersten Ordnung und dem Widerstand. Kaum ist die Republik wieder eingeführt, wird sie vernichtet.

Zwar erfreut man sich an einem fulminanten Spektakel mit Laserschwertkämpfen und Weltaumschlachten, aber der Wiedererkennungswert gerät so ausführlich, dass sich ein permanentes Déjà-vu-Gefühl einstellt: Wieder herrscht das voraussetzungslos Böse, wieder gibt es einen Todesstern (nur viel größer als „Starkiller“, einer Referenz auf Lukes ursprünglichen Nachnamen), wieder sind die Jedi vergessen und zu Gerüchten mystifiziert, wieder ist der alte Jedi-Meister ein Einsiedler im Exil, weil er mit seinem Schüler gescheitert ist, wieder ist der Schüler hin- und hergerissen zwischen den beiden Seiten der Macht und trägt eine schwarze Maske, die ihn furchterregender erscheinen lässt, als er ist (obwohl er die Maske gar nicht nötig hat). Und wieder wird ein Droide gesucht, der geheime Pläne transportiert. Han Solo und Chewie sind wieder die alten Schmuggler, die in schlechter Gesellschaft verkehren.

Lucasfilm

Lucasfilm

Und auch die neuen Helden sind im Grunde die alten, auch wenn sich ihre Rollen verschoben haben: Wieder stammt der Held von einem Wüstenplaneten, nur dass er diesmal eine Heldin ist. Sie begegnet den Helden der Vergangenheit und entdeckt nebenbei die Wunder der Macht. Wieder gibt es einen tollkühnen, draufgängerischen Piloten, der den anderen Teil des Problems löst.

Das Neue ist die Perspektive von Finn, einem abtrünnigen Sturmtruppler, der vor dem Morden zurückschreckt und deswegen vor der Ersten Ordnung flieht. Und dann gibt es noch BB-8, den kleinen Droiden als Comic Relief, der flinker und pfiffiger geraten ist als der gute alte R2-D2. Aber auch der muss natürlich vorkommen und erst wenn beide ihre Kräfte vereinen, kann die Heldin ihren Meister finden.

Es war einmal

Es war einmal ein Sternenkrieg.

Das Erwachen der Macht will zwar Alt und Neu versöhnen, aber bei allem Fanservice, bleibt der Film in der Wiederholungsfalle stecken. Im Zweifel hat man sich für die Nostalgie entschieden. So unterhaltsam, so spaßig dieser Star Wars-Teil geraten ist, er wirkt so irritierend unselbständig, als fürchteten die Autoren J.J. Abrams und Lawrence Kasdan sich vor der Innovation. Also machen sie drei Schritte zurück. Doch die Verbindung mit der Tradition gerät so stark, dass der Film damit verspielt, was er damit erreichen will: seine Legitimation. Hatten die Episoden I-III in den Augen mancher Fans keine Daseinsberechtigung, weil sie bestimmte Merkmale der Ur-Trilogie vermissten, so verliert Episode VII seine Daseinsberechtigung, weil der Film sich zu stark bei der Tradition bedient und zu wenig eigene Akzente setzt. Entstanden ist ohne Frage ein guter Star Wars, ein viel besserer als die Episoden I-III allemal, aber eine schwacher Neubeginn, weil ihm die richtige Balance nicht gelingt. Dennoch gibt er eine neue Hoffnung, weil ja noch (mindestens) zwei weitere Fortsetzungen kommen – und wie die Erfahrung zeigt, werden sie immer besser.

Dass Episode VII trotzdem so positiv aufgefasst wird, ist wohl den konservativen Fans zu verdanken, die immer nur dasselbe sehen wollen. Es ist wie mit alten Rockbands, die auch nach 50 Jahren so klingen wie früher. Wäre ja blöd, wenn sie anders klängen. Aber im Zweifel ist man mit dem Original stets am besten bedient, am besten klingen immer noch die alten Platten. Bei Star Wars gibt es aber das Problem, dass die alten Filme bloß noch in erneuerten und wieder erneuerten Fassungen verfügbar sind – mit den bekannten computergenerierten Änderungen und Ärgernissen. George Lucas ist mit seinem Werk so geschichtsvergessen umgegangen wie die Welt, die er erschaffen hat. Und das zeigt sich für viele Zuschauer auch an seinen letzten Filmen, die (zum Teil zu) harsch kritisiert wurden. Vielleicht tragen auch diese Traditionsbrüche dazu bei, dass die Traditionalisten unter den Fans ein umso größeres Verlangen nach der guten alten Zeit haben, als alles war wie beim ersten Mal. Wenn sich Star Wars-Fans wieder wie Kinder fühlen dürfen, ist Weihnachten gerettet.

Antiquität mit Sammlerwert: Darth Vaders Helm

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