Ein Leben in Nachrufen

Panini Comics

Wenn dieser Tag dein letzter wäre, wie würde dein Leben dann erscheinen? Diese Frage stellen sich Fábio Moon & Gabriel Bá in ihrer Mini-Serie Daytripper. Der Held ist Brás de Oliva Domingos, ein 32-Jähriger Redakteur, der gerne wie sein Vater Buchautor wäre, aber sein Geld mit dem Schreiben von Nachrufen verbringen muss. Er wird bei einem Überfall erschossen. Mit 21 ertrinkt er. Mit 28 wird er vom Laster überfahren, mit 41 stirbt er an einem Herzinfarkt usw. So geht das über acht Kapitel und noch zwei Epiloge.

Wie das? Damit am Ende des Kapitels jeweils ein sentimentaler Nachruf stehen kann. Wir sehen das Leben eines Mannes: Seine Jugend, seine erste Liebe, seine große Liebe, er wird Vater, gefeierter Schriftsteller. Das ist alles wunderschön gezeichnet, stimmungsvoll koloriert und sehr gefühlvoll geschrieben, aber leider auch voller Belanglosigkeiten und Gemeinplätzen. Das Schema von Todestagen verbraucht sich schnell und ermüdet. Wer philosphischen Tiefgang oder eine spannende Story erwartet, sollte das Buch meiden.

Wahrscheinlich stehe ich mit dieser Meinung allein da: Daytripper wurde nicht nur einhellig gelobt und mit dem Eisner-Award gezeichnet, sogar Craig Thompson hat sich zu einem Vorwort in Comic-Form hinreißen lassen. Nun hat der Panini-Verlag eine Neuausgabe des Comics veröffentlicht. Mag sein, dass mir ein Nerv dafür fehlt, aber ich denke, dass der Mehrwert von Daytripper vor allem darin besteht, das es einem durch Langeweile zeigt, wie kostbar das Leben ist.

>>Fábio Moon & Gabriel Bá: Daytripper, Vertigo 2010/2011, dt. Panini 2018.

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