Mark Millar: Superior

DC Comics

Während im Kino mit Shazam! der Superheld wiederbelebt wird, der die kindliche Allmachtsfantasie am wörtlichsten nimmt, hat Mark Millar bereits 2010 einen Superhelden entworfen, der das Konzept noch steigert. Superior ist zunächst nur ein Filmheld. Und der Zwölfjährige Simon ist ein großer Fan. Doch Simon leidet an einem besonders schweren Fall von Multipler Sklerose. Besonders bitter für ihn ist, dass er früher ein super Basketballspieler war. Jetzt ist nur wenig super an seinem Leben. Als ein sprechender Affe an seinem Bett erscheint und ihm sagt, er habe einen Wunsch frei, lässt sich Simon zu Superior machen.

Eine Woche lang mit Superkräften ausgestattet tut er alles, was er kann, um Menschen zu helfen. Er rettet die Besatzung einer eine abstürzende Raumstation, beseitigt einen Atomreaktor nach einer Kernschmelze, bewahrt einen Zug vor einem Unfall und zieht mit bloßen Händen ein U-Boot an Land. Ja, mehr noch: Er beendet auch den Afghanistankrieg und beendet den Hunger in Afrika. Doch als die Woche rum ist, muss er sich entscheiden, ob er Superheld bleiben oder wieder zurück in den Rollstuhl soll. Der Preis ist klar: seine Seele.

Mark Millar kommt von den Superhelden nicht los. Nachdem er jahrelang solche Geschichten für DC und Marvel schrieb, fügte er immer mehr eigene Figuren dem Genre hinzu. Allerdings nicht, um sie zu weiteren unendlichen Geschichten auszubauen, sondern nur um auf seine Weise das Genre immer wieder neu zu dekonstruieren. Im Fall von Superior bedient er sich bei Superman und Shazam (früher Captain Marvel) und kombiniert sie mit dem faustischen Teufelspakt, wobei der Held statt in Versuchung geführt zu werden, eindeutig das moralisch Beste aus der Situation herausholen will. Simon geht es nicht nur darum, gesund zu werden – es geht ihm darum, die Menschheit zu retten. Am Ende überwindet er jeglichen Verdacht von Eigennutz, indem er sich sogar zum Wohle der Welt opfert.

Die Lösungen, die hier geboten werden, mögen naiv erscheinen – und schon Superman und Co. sind an ähnlichen Vorhaben gescheitert. Hier aber geht es nicht um Realismus. Es geht um die Faszination des Was-wäre-wenn und Wäre-es-nicht-cool-wenn. Wer Superhelden-Comics verschmäht, übersieht das Potenzial der Fantasie, das in dem Genre steckt. Und das gelingt Mark Millar auch hier wieder rasantem Tempo und einem feinen Gespür für seine Charaktere. Trotz seines schwarzen Humors wird er hier nie zum Zyniker. Millar zeigt, wie eine Kindheitsfantasie von Omnipotenz dazu dient, Reife zu beweisen. Und damit erweist sich der Junge Simon erwachsener als jeder Erwachsene.

>> Mark Millar/Leinil Yu: Superior, Titan Books 2013, dt. Panini 2012 (2 Bände).

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