Mark Millar: Prodigy

Prodigy (Cover)

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Edison Crane ist ein wahres Wunderkind. Er ist nicht nur ein hervorragender Polospieler. Als er von seinen Mitschülern aus Neid verdroschen wird, revanchiert er sich, indem er übers Wochenende mehrere Kampfsportarten lernt – und zwar nur durchs Fernsehen. Später operiert er ein Kind am offenen Herzen. Als Erwachsener entwickelt er eine Rakete, um einen Asteroiden von der Erde abzuwehren – und das während er acht Schachpartien gleichzeitig spielt. Und zum Zeitvertreib führt er die waghalsigsten Stunts durch, die sich Kinder ausdenken. Klar, dass er die erste Wahl ist, wenn es darum geht, die Welt zu retten.

Mark Millar (The Magic Order) beweist mit Prodigy mal wieder, dass er selbst noch ein Kind geblieben ist – und ein Wunderkind obendrein. Seine Fantasie ist nahezu unerschöpflich und er ist auch ein Meister der Übertreibung. Sein Edison Crane entspricht des naiven Wunschtraums eines Alleskönners, der jede noch so brenzlige Situation meistert, er ist James Bond, Ethan Hunt, Indiana Jones und McGyver in einem. Aber die Coolness, mit der er das erledigt, lässt auch einen makellosen Überflieger wie ihn sympathisch erscheinen.

Wir sehen, wie der Held mit einer CIA-Agentin um die Welt reist, um einen Plan zusammenzustückeln, den böse, empathiefreie Menschen von einer kaputten Parallelwelt schmieden, um über unsere Erde herzufallen. Crane klappert so ziemlich alle archäologischen Stätten ab, kämpft gegen Haie und die Terrormiliz „Islamischer Staat“ und räumt nebenbei noch Millionen beim Pokern ab. Es ist ein Heidenspaß, ihm dabei zuzusehen, auch weil Rafael Albuquerque (Huck, Ei8ht) mit seinen dynamischen und ausdrucksstarken Zeichnungen die Rasanz der Story noch steigern. Die knalligen Farben von Marcelo Maiolo machen jede Seite zum Hingucker.

Dass Millar keine Skrupel vor Tabus hat, zeigt er in einer Sequenz, in der die Schurken eine sadistische Jagd auf Kinder machen. Seiten wie diese bringen eine Drastik in die Geschichte, die den sonst unbeschwerten Stil radikal brechen. Ein typischer Millar eben. Auch wenn das Ende für ihn typisch und damit formelhaft anmutet (der Held ist dem Schurken um mehrere Schritte voraus), ist Prodigy doch smart genug, um in der langen Reihe von Millarworld-Titeln zu bestehen. Man darf sich darauf freuen, was Netflix aus dem Stoff machen wird.

>> Mark Millar/Rafael Albuquerque: Prodigy – The Evil Earth, Image 2019.

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