Autor: Klaus Zettel

Schreiber aus Frankfurt am Main. Geboren am 29. Februar 1984 in Aachen. Acht Jahre Germanistik-Studium, da für alles andere zu dumm oder zu faul. Seitdem brotloser Autor mit wechselnden Jobs.

Entstaubte Klassiker im Nebeldunst

Edition Faust

Edition Faust

Wie fängt man so eine unfassbare Geschichte an? Mit „Es war einmal“? Mit einer Zeit- oder Ortsangabe? Bei einer Geschichte wie dem Sandmann scheint kein Anfang der richtige zu sein. „Ich beschloß gar nicht anzufangen“, schreibt der Erzähler. Also stellt er einfach drei Briefe nach vorne, die ihm diese Bürde abnehmen sollen. „Nimm, geneigter Leser! die drei Briefe, welche Freund Lothar mir gütigst mitteilte, für den Umriß des Gebildes, in das ich nun erzählend immer mehr und mehr Farbe hineinzutragen mich bemühen werde. Vielleicht gelingt es mir, manche Gestalt, wie ein guter Porträtmaler, so aufzufassen, daß du es ähnlich findest, ohne das Original zu kennen, ja daß es dir ist, als hättest du die Person recht oft schon mit leibhaftigen Augen gesehen.“

Der italienische Grafiker Andrea Grosso Ciponte hat diese Passage beim Wort genommen, als er E.T.A. Hoffmanns Erzählung als Vorlage für seine eigen nahm: in Bildern. Die Hauptfarbe, die er hineinträgt, ist erwartungsgemäß schwarz. Und so hüllt er die finsteren Gestalten wie den bösen Coppelius, den Wetterglashändler und den wahnsinnig werdenden Helden in viele Schatten. In großzügigen Panels entwirft er expressionistische Bilder für das Unsagbare. Selbst Dalí und Buñuel lassen grüßen. Wie die Bilder bleibt auch die Geschichte dunkel. Ein paar Panels oder Seiten mehr hätten dem dünnen Bändchen gut getan.

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Auf der Suche nach Romantik und Poetik

Unscharfe Romantik

Drei Abende Romantik und einen Abend Daniel Kehlmann – unser Autor hat sich in dieser Woche die volle Dröhnung Poesie gegeben. Doch leider waren die Erträge gering, die Romantik im Literaturhaus kam zu kurz, auch nach Poetik musste man suchen.

„Was wir suchen, ist alles.“ – Ein hoher Anspruch für ein Literatur-Festival. Aber auch ein naheliegender, denn immerhin geht es um Romantik, also die Epoche und Geistesströmung, in der es nicht um weniger ging: Universalpoesie, progressiv und transzendental,  jeder mit jedem, alles mit allem – und davon bitte nicht zu knapp – eierlegende Wollmilchsäue. Aus dem Projekt wurde nix, nix als lauter Trümmer, Angefangenes ohne Ende, ein Haufen Papier und eine deutsche Affäre, die bis heute nachwirkt. Aber gut – genug der Geschichtsstunde, wir schauen nach vorne, Romantik heute, jawoll, es geht mal wieder um alles, also alles bitte noch mal von vorn, jetzt aber richtig.

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Weiße Cover, schwarze Cover

Unser Autor macht sich seine Gedanken über das Schwarze und das Weiße auf den Buchumschlägen und Plattenhüllen dieser Welt. Ein Essay über den Minimalismus und das Heischen nach Aufmerksamkeit.

Beckett: Der HofNeulich in der Buchhandlung. Ein schwarz-weißes Cover erregt meine Aufmerksamkeit. Doch vor allem, weil die Schrift zwar auffällt, aber der Titel nicht zu lesen ist: „ER“ steht da auf der oberen Hälfte, „OF“ auf der unteren, wobei jeweils die ersten beiden Buchstaben zum Teil abgeschnitten sind, dazwischen der Autorenname: „Simon Beckett“. Und obwohl mich weder der Autor, noch das Genre, mit dem ich seinen Namen verbindet, interessieren, greife ich zum Buch, weil ich wissen will, was dieses Cover soll, wie der Titel lautet. Ich drehe das Buch um: Ein D, ein H – „DER HOF“ steht da, was mich zunächst enttäuscht, aber dann wiederum an John Grisham erinnert, der wohl am konsequentesten Titel nach dem Schmema „Artikel + Substantiv“ fabriziert. Vor allem aber fühle ich mich in die Falle getappt: Jetzt hat mich der Verlag genau da, wo er mich haben wollte. Raffiniert, das muss man denen lassen. Ich kaufe es trotzdem nicht.

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