Fotografie

Frankfurter Fragmente #12: Labsaal

Der ästhetische Reiz des Verfallenen liegt wohl vor allem darin, dass es eine Geschichte mit sich trägt. Wer Ruinen besichtigt, wähnt sich als Zeitreisender, als ein Archäologe, der die Vergangenheit anhand der Relikte rekonstruiert. Man muss für eine solche Reise nicht zu antiken Stätten fahren, sogenannte Lost Places gibt es auch bei uns, mitten in der Stadt.

Der Labsaal war einst die erste Mensa auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Seit Jahren ist sie geschlossen, das Gebäude wurde noch zum Teil für Seminare oder als Archiv genutzt. In einigen Jahren soll es abgerissen und durch einen Neubau für Büros und Wohnungen ersetzt werden. Doch zunächst soll es in einigen Wochen als Notunterkunft für Flüchtlinge dienen. Bis dahin werden die ehemaligen Speisesäle zu Bettenlagern hergerichtet.

Ein Rundgang durch das geräumte Labsaal-Gebäude ist eine Entdeckungsreise ins vergangene Jahrhundert.

Frankfurter Fragmente #6: Selfie-Stick

noselfiesticks

Die Touristen aus Fernost haben eine neue Waffe. So neu ist sie vielleicht nicht, aber in Frankfurt sieht man neuerdings keine Reisegruppe mehr ohne. Es ist ein Stock mit Greifzange, aber die Touristen lesen damit keinen Müll auf, sondern befestigen daran ihr Allerwertvollstes, ihre Smartphones, um damit Fotos von sich selbst zu schießen. Wo dem normalen Smartphone-User eine Armlänge reicht, um sich gekonnt in Szene zu setzen, erweitern andere damit den Blickwinkel ihrer Kameras – jedenfalls scheinbar. Denn Hauptsache ist immer noch, dass man selbst auf dem Foto ist. Und nicht nur bei Asiaten ist der sogenannte Selfie-Stick beliebt, mittlerweile gibt es ihn auch hier zu kaufen und auch immer mehr Einheimische gehen nicht mehr ohne Stange aus dem Haus, wenn sie Selbstporträts anfertigen.

Das Time Magazine zählt den Selfie-Stick zu den 25 besten Erfindungen des vergangenen Jahres – zusammen mit dem 3D-Drucker und dem Reaktor für die Kalte Fusion. Allerdings ohne zu erklären, warum. Und so bleibt dieses Hilfsmittel ein Rätsel, vor allem aber die Nutzer. Wenn man diese bestockten Selfisten sieht, überkommt den außenstehenden Beobachter das Befremden, dann die Fremdscham und schließlich die gar nicht so fremde Abscheu. Man fragt sich: Haben diese Menschen denn gar keine Würde?

(mehr …)

Apocalypse Frankfurt

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Einige meiner Eindrücke von den Blockupy-Protesten gegen die Eröffnung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main (18. März 2015).