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Das Kartenhaus stürzt ein

Netflix

Netflix

Serienschauen ist harte Arbeit. Ein anstrengender Lustgewinn. Etwa bei House of Cards. Als die dritte Staffel bei Netflix herauskam, war das vergangene Wochenende für unzählige Junkies verplant. Ich habe etwas länger gebraucht, aber trotzdem kam es mir vor, als hätte ich die 13 Folgen verschlungen. Schneller kann die Zeit kaum vergehen als beim Genuss dieses Meisterwerks der Serienkunst. Auch wenn das Zuschauen dieses Mal auch schmerzlich war. Es wird Zeit brauchen, diese vielen Eindrücke, diesen Sturm an Emotionen zu verarbeiten. Zeit für ein wenig Kontemplation.

[ACHTUNG: SPOILER!!! Weiterlesen auf eigene Gefahr!]

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Showtime für Jimmy

AMC

AMC

Die Serie Better Call Saul macht da weiter, wo Breaking Bad aufgehört hat. Im gleichen Stil und mit schwarzem Humor wird erneut die Geschichte eines Mannes erzählt, der das Gute will und das Schlechte schafft. Kurz: erneut geht es um das Abdriften eines Mannes auf Abwege. Dieses Mal ist es kein rechtschaffener Durchschnittsbürger und Chemielehrer, sondern ein mittelmäßiger Pflichtverteidiger namens James „Jimmy“ McGill, der später – wie die Fans wissen – als Anwalt Saul Goodman Karriere machen wird. Warum? Weil sein erstes Talent das Reden ist und sein zweites die Dreistigkeit (aber das entdeckt er erst im Laufe der Serie).

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Woody ohne Plan

Woody goes Amazon (Bild: Fragmenteum)

Woody goes Amazon (Bild: Fragmenteum)

Soso, Woody Allen macht also eine Serie für Amazon. Eine Idee soll er nach eigenen Angaben noch keine haben. Aber so ganz glauben können wir ihm das nicht. Der Mann, der jedes Jahr einen Film raushaut und nebenbei noch Witze, Storys und weiß der Geier was sonst noch schreibt, hat bestimmt einen ganzen Wandschrank voller Ideen, wenn nicht gar fertigen Drehbüchern … Aber selbst wenn nicht: Ideenlosigkeit hat ihn noch nie davon abgebracht, trotzdem Filme zu machen. Anders sind auch die Werke der vergangenen Jahre nicht zu erklären. Ja, es braucht nicht einmal eine gute Idee, um ein paar Finanziers zu finden. Woody geht immer. Und so freut sich der kleine alte Mann ganz bestimmt diebisch darüber, dass er wieder einen Deppen gefunden hat, der ihm einen Batzen Geld und freie Hand gegeben hat, um seiner Sucht zu frönen. Na ja, soll er mal machen. Denn einfach mal die Genies machen lassen, statt sie immer nur zu gängeln, ist schließlich das Rezept, mit dem in den vergangenen Jahren die besten Serien entstanden sind. Die Studios haben das kapiert. Und Amazon versteht es, den Kunden zu geben, was sie wollen.

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Fargo ist der Sieger

Okay Leute, Ihr habt es geschafft: Zwei Wochen nachdem wir uns gewundert haben, warum gerade unsere Fargo-Rezension so viel geklickt wurde, hat der Artikel den ersten Platz in unserem Klick-Ranking erreicht. Damit hat er nicht nur unseren bisherigen Spitzenreiter Zum Untergang der Schriftkultur überholt, sondern ist auch der erste unserer Artikel, der mehr als 300 Aufrufe verbucht. Danke für Euer Interesse! Erfreulich ist auch, dass die Serie jüngst den Golden Globe bekommen hat (und auch Billy Bob Thornton als bester Darsteller). Wir freuen uns auf die zweite Staffel, die im Herbst erscheinen soll.

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Fünf Typen und eine Idee

HBO

HBO

Wer „The Social Network“ mochte, wird die HBO-Serie „Silicon Valley“ wahrscheinlich lieben. Es ist etwas wie ein „Big Bang Theory“ für Erwachsene, ohne das bescheuerte Gelächter aus dem Off, das einem anzeigt, wann man zu lachen habe. Eine HBO-Serie über fünf IT-Nerds, die in Palo Alto ihr Glück versuchen. Eigentlich arbeiten die Jungs für Hooli, die innovativste Internetfirma der Welt. Doch als zufällig rauskommt, dass Richards Idee für eine Musikplattform eine revolutionäre Kompromierungsrate hinkriegt, interessieren sich sowohl Hooli als auch die Konkurrenz dafür. Der unbedarfte Held steht vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens: verkauft er die Idee für zehn Millionen Dollar oder baut er mit ein bisschen Starthilfe sein eigenes, vielleicht einst milliardenschweres Unternehmen auf?

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Ein Käfig voller Hühner

Orange is the New Black

Die Serie Orange Is the New Black ist neben House of Cards das zweite Flaggschiff des VOD-Dienstes Netflix. Mit einer ausgewogenen Mischung aus Komödie und Drama behandelt sie den Alltag in einem Frauenknast. Und der ist offenbar nicht so schlimm, wie man denkt. Abgesehen von einigen Ausnahmen.

Man sieht es der dünnen blonden Frau mit ihren großen Augen und ihrem verhuschten Wesen gleich an, dass sie nicht hierhergehört. Und dennoch trägt sie diesen orangen Overall, der sie als Neuling im Frauenknast deklariert. Einer der wenigen Farbtupfer an einem Ort, dessen Farbpalette von grau bis beige reicht. Von jetzt an gilt: „Orange Is the New Black“, so der ironische Titel der Serie, der klarmacht, dass es um einen Ort geht, an dem Mode keine Rolle spielt. Vorbei das Leben, wie sie es kannte.

Für unsere Heldin, Piper Chapman, war es bisher kein übles: Sie war verlobt mit einem Autor und vertrieb mit ihrer Freundin selbstgemachte Pflegeprodukte. Nun muss Chapman für ein Jahr ins Gefängnis, weil sie einmal vor zehn Jahren als Kurier für Drogengeld fungiert hat. Zwei Jahre später wäre die Tat verjährt. „Ich arbeite hier seit 22 Jahren und verstehe immer noch nicht, wie das System funktioniert“, sagt Chapmans Betreuer Healy. „’ne Crackdealerin kriegt neun Monate. Und ’ne Frau, die versehentlich beim Einparken den Postboten anfährt, die bekommt vier Jahre. Der Arme hat sich das Schlüsselbein gebrochen, aber trotzdem: ich versteh’s einfach nicht.“

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Ödipus mit Zimmerservice

Bates Motel

Die Serie Bates Motel erzählt die Vorgeschichte zu Alfred Hitchcocks Psycho. Leider geht sie nicht über ihre Vorlage hinaus: Der wüsten Mischung aus Sex, Crime, Teenie-Drama und Ödipuskomplex fehlt jeder Feinsinn für Figuren und eine stringente wie glaubwürdige Story.

Es gibt Rezepte, bei denen kann eigentlich nichts schiefgehen. Das gilt auch für die Filmindustrie. Man nehme etwa einen ikonischen Filmklassiker wie Hitchcocks Psycho, der bereits für mehrere zweitklassige Fortsetzungen ausgeschlachtet wurde, und erzähle einfach die Vorgeschichte. Am besten in Serie. Und versetzt man die Story in die Gegenwart, ist man erst recht auf der sicheren Seite. Das hat zwei Vorteile: man kennt die Figuren und man weiß, worauf alles hinausläuft. Eigentlich billig. Aber irre Frauenmörder mit Mutterkomplex ziehen eben immer. Auch wenn die Sache mit Ödipus ziemlich ausgelutscht ist. Dem sensationsgeilen Publikum ist es gerade gut genug.

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Hurra, Netflix ist da!

Netflix

Netflix beginnt in Deutschland bescheiden, aber schon mit einem interessanten Angebot aktueller Serien. Schwach hingegen ist die Filmauswahl. Dennoch wird die Zukunft spannend: Viele originale Inhalte sind geplant – und die werden exklusiv bei dem VOD-Dienst zu sehen sein.

Endlich! Unsere Gebete wurden erhört! Der Heilsbringer ist da! NETFLIX gibt es endlich auch in Deutschland – und eine ganze Nation atmet auf … Naja, fast. Wie abzusehen war, ist es nicht ganz so das dicke Ding geworden. Der Revolutionär, der uns die Webserie House of Cards bescherte und eine neue Zeitrechnung einläutete, kommt erst mal bescheiden daher. Das Video-on-Demand-Angebot stellt nicht die Konkurrenz in den Schatten. Es ist ausbaufähig. Aber es ist auch interessant.

Doch zunächst ein Ärgernis: Wer auf die Netflix-Seite geht, wird zwar sofort dazu eingeladen, sich für einen kostenlosen Probemonat anzumelden, hat aber keine Möglichkeit, sich zu informieren, was ihn erwartet. Keine Übersicht über das Programmangebot, keine Suchfunktion, nicht einmal den Hauch einer Auswahl. Kurz: Man kauft die Katze im Sack. Auch wenn man noch gar nichts kaufen will. Trotz der kostenlosen Testphase: Bezahlinformationen müssen sein. Das ist bei anderen auch so, aber es hinterlässt ein mulmiges Gefühl, dass es vielleicht nicht ganz so kostenlos bleiben wird. Immerhin: 7,99 Euro Grundpreis sind fair, aufstockbar bei mehreren Geräten bis 11,99 Euro. Watchever mag da günstiger sein.

Und nun zum Angebot. Neben den bekannten Netflix-Originalen House of Cards und Orange is the New Black gibt es auch Hemlock Grove und das schon etwas länger laufende The Killing, das Netflix von AMC übernommen hat und fortsetzt. Alles ist mit deutschem und englischem Ton zu haben, wahlweise auch mit Untertiteln – sehr vorbildlich. Und der Stream lief am Starttag auch flüssig.

Der Rest ist eine Auswahl der besten Qualitäts-Serien der jüngsten Zeit:

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Trip ins Ungewisse

The Leftovers

Wohin entschwebt sie? (Aus dem Vorspann von The Leftovers.)

Die HBO-Serie The Leftovers fordert seine Zuschauer mit existenziellen Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Bedeutung von Ereignissen heraus. Ein Trip ins Ungewisse, der sich auf jeden Fall lohnt.

Der 14. Oktober in Mapleton, einer Kleinstadt im Staat New York. Eine Mutter verlässt den Waschsalon mit ihrem Kleinkind, sie legt es auf den Rücksitz ihres Autos, das Kind schreit unentwegt, die Mutter telefoniert. Plötzlich ist es still, die Mutter sieht nach dem Kind – und es ist spurlos verschwunden. Die Mutter steigt aus, sucht und ruft nach ihm. Ein Junge steht hilflos da und ruft nach seinem Vater. Ein Auto kracht in ein anderes. An diesem Tag, in diesem Augenblick sind plötzlich zwei Prozent der Weltbevölkerung verschwunden. Drei Jahre später gibt es von diesen Menschen immer noch keine Spur. Die Wissenschaft hat keine Erklärung. Es gibt kein Muster.

Das ist die Ausgangssituation von The Leftovers, der jüngsten HBO-Serie. Sie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Tom Perrotta, mitentwickelt wurde sie vom Lost-Veteranen Damon Lindelof. Im Mittelpunkt der Serie stehen die Hinterbliebenen in Mapleton und wie sie mit dem Verschwinden ihrer Angehörigen umgehen. Viele trauern, manche verzweifeln, andere finden sich damit ab. Letzteres trifft vor allem auf die Guilty Remnants zu, eine geheimnisvolle Gruppe weißgekleideter, kettenrauchender und schweigender Menschen, die abgeschottet in Kommunen leben und andere Menschen mit subtilen Guerilla-Aktionen terrorisieren.

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Gut gelogen

Fargo: Martin Freeman und Billy Bob Thornton

Fargo: Martin Freeman und Billy Bob Thornton

Die Serie Fargo erzählt – wie schon die gleichnamige Filmvorlage – von einer Kette aus Lügen und Verbrechen, die zur Katastrophe ausarten. Dabei schafft sie den Spagat zwischen Adaption und Original so gut, dass das Zusehen ein großes Vergnügen ist.

Es beginnt mit einer Lüge: „This is a true story“, heißt es. Die geschilderten Ereignisse hätten sich genauso im Jahr 2006 in Minnesota zugetragen, nur die Namen seien auf Wunsch der Überlebenden verändert worden. Am Anfang jeder Episode der Serie Fargo wird dieser Hinweis – statt eines Vorspanns – eingeblendet. Und es ist jedes Mal gelogen. Aber damit steht die Serie nicht nur in der Tradition ihrer gleichnamigen Filmvorlage von 1996. Sie betrügt damit auch ihr Publikum wie es ihre Protagonisten tun.

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