agentenfilm

Baustelle Bond

Spectre

Achtung, Spoiler!

James Bond ist komplett. Mit Spectre, dem vierten Teil der Daniel Craig-Ära, ist die Baustelle Bond beendet. In Casino Royale erlangte er Doppelnullstatus und die Liebe seines Lebens, nur um letztere gleich wieder tragisch zu verlieren, in Ein Quantum Trost wurde die Geheimorganisation Quantum eingeführt, in Skyfall hat er seine Ersatzmutter M verloren, dafür aber einen Q und eine Miss Moneypenny dazubekommen (und eine Vorgeschichte), in Spectre werden alle Fäden zusammengeführt und James Bond kämpft nicht nur zusammen in einer Art Familienverbund, sondern findet endlich auch einen Gegenspieler fürs Leben: Ernst Stavro Blofeld (Christoph Waltz).

Nun, da alles da ist, könnte man meinen, James Bond könnte endlich loslegen. So richtig. Jetzt aber wirklich. Vielleicht im nächsten Teil, denn auch Spectre lässt einen unbefriedigt zurück wie die vergangenen zwei Teile. Dabei beginnt es so prächtig: Der Prolog in Mexiko am Tag der Toten ist furios inszeniert. In einer langen Einstellung sehen wir James Bond (in Skelett-Kostüm und mit weiblicher Begleitung) durch das Straßenfest laufen, ins Hotel gehen, den Aufzug nehmen, im Hotelzimmer schließlich umziehen und aufs Dach steigen, schließlich lange übers Dach laufen, um einen Auftrag auszuführen. Bei dieser eleganten Kameraarbeit hat man sich offenbar von Birdman inspirieren lassen. Am Ende der Szene gibt es einen spektakulären Kampf in einem Hubschrauber. So weit, so gut.

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Schwierig, nicht unmöglich

Paramount Pictures

Paramount Pictures

Tom Cruise hat es immer noch drauf: Das fast Unmögliche möglich zu machen und das Publikum noch einmal mit einem klassischen Agentenfilm zu fesseln. Der fünfte Mission: Impossible-Teil ist mal wieder Action-Kino vom feinsten geworden. Wir sehen Ethan Hunt zu Beginn an einem abhebenden Flugzeug hängen, dann einen Kampf in der Oper bestehen, später im Wassertank beinahe ertrinken, noch später ein paar Überschläge mit einem Auto und einen Sturz auf dem Motorrad überleben (und zwar ohne große Blessuren). Ach ja, so lieben wir es. Dafür werden solche Filme gemacht: das Unmögliche möglich zu machen – und sei es nur für zwei Stunden auf der Leinwand.

Rogue Nation knüpft an alte Tugenden der Reihe an: Ethan Hunt und sein Team müssen gegen Widerstände in den eigenen Reihen kämpfen, während sie die Welt retten. Wurde im Vorgängerfilm das Team vom IMF verleugnet, wird der Konflikt hier zugespitzt, weil Hunt auf eigene Faust einem scheinbaren Phantom nachjagt und dabei vom CIA gesucht wird. Zugleich wird er unterstützt von einer Frau, von der man nicht sicher wissen kann, auf welcher Seite sie steht. Trotz dieser Steigerung kann Rogue Nation mit dem genialen Phantom Protokoll nicht ganz mithalten: Auch wenn es viel Humor und einige pfiffige Einfälle gibt, fehlt der Charme des Improvisierten, die Spannung, die durch die vielen Pannen und Fehlschläge entstehen und natürlich fehlt eine Mission Impossible vom Format einer Kletterpartie auf dem höchsten Gebäude der Welt. Auch das doppelte Finale ist etwas zu sehr in die Länge gestreckt und ohne nennenswerte Höhepunkte. Aber solange das Publikum die Luft anhält, während Tom Cruise auf Tauchgang geht, kann man sich eigentlich über nichts beschweren.

Es wird nur schwierig sein, diese ständige Selbstüberbietung im nächsten Teil zu toppen. Um es mit Benji Dunn zu sagen: Schwierig, aber nicht unmöglich.