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Irrfahrt durch die Wüste ins Nichts

AMC

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Es gibt Serien, die setzen Maßstäbe fürs Enden. Es gibt das Sopranos-Ende, das vielleicht brutalste Ende aller Zeiten, es gibt das Lost-Ende, das dem Zuschauer Harmonie vorgaukelt, aber seine Neugier unbefriedigt zurücklässt, es gibt das Breaking Bad-Ende, an dem (für die Charaktere) nichts wirklich gut ist, aber trotzdem storytechnisch alles rund läuft. Wie Mad Men endet, schien wiederum nicht so wichtig. Die Serie lebte nie von Cliffhangern oder einer groß angelegten Handlung, wichtig waren bloß die Charaktere. Die größte Frage, die sich stellte, war, ob Don Draper sein Glück findet oder nicht. Doch wie schon zuvor war nicht entscheidend, was passierte, sondern wie.

ACHTUNG SPOILER!!!

Nun, da ist es, das letzte Bild: Don Draper meditiert an der Küste Kaliforniens inmitten einer Hippie-Gruppe, brummt sein Om und lächelt. Doch ist es nur ein trügerisches Werbeglück, wie es die folgende Coca-Cola-Werbung suggeriert? Oder hat Don etwa die Erleuchtung in Form einer Werbeidee? Und sollte Don mit sich im Reinen sein: Was veranlasst ihn zu diesem Glück? Denn wenig deutet darauf hin, was eine Wende zum Guten verheißt. Die letzten sieben Folgen wirken wie eine Irrfahrt ins Nichts. Und für den Zuschauer ist es kein Genuss, sie mitzuverfolgen.

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Die Schule des ersten Eindrucks

Don Draper: "It's Toasted"

Don Draper: „It’s Toasted“

In den USA beginnt am 13. April die siebte und letzte Staffel der AMC-Serie Mad Men. Sieben Folgen laufen in diesem, sieben im nächsten Jahr. Schon schwärmen die Fans vom Stil der späten 60er Jahre, von den großartigen Kostümen und der liebevollen Ausstattung. Doch wir freuen uns am meisten auf den kreativen Aspekt, den Genuss, Ideen bei der Entstehung zuzusehen und dabei den kritischen Blick zu schärfen. Ein Hohelied auf den Lehrmeister Don Draper.

Obwohl ich nicht rauche, hängt mein Herz an Lucky Strike, genauer gesagt: an der Werbung. Denn seit über 20 Jahren sieht die Kampagne gleich aus: Grauer Hintergund und eine Kippenpackung, manchmal auch mehrere, vielleicht noch die ein oder andere Zigarette dabei, aber vor allem immer ein flotter Spruch dazu, meistens ein Kalauer – aber der ist witzig. Die Werbung ist gut, weil sie so lakonisch ist – „Lucky Strike – Sonst nichts“. Doch seit der ersten Folge der Serie Mad Men, ist mir erst die Genialität hinter dem Spruch auf der Packung aufgegangen: „It’s toasted“. Der Held der Serie, Don Draper, Kreativchef einer Werbeagentur, hat kurz vor der Präsentation einer Kippenkampagne immer noch keine Ahnung, wie man das Tabu-Thema Gesundheit umgehen kann. Da überkommt ihn im Meeting mit den Leuten der Zigarettenfirma die Erleuchtung: Wir dürfen zwar nicht über Gesundheit sprechen, aber wir können über alles andere reden – wir können ALLES SAGEN. Die Feststellung, dass der Tabak geröstet/getoastet ist, mag auf den ersten Blick banal erscheinen, doch sie ist eine wahre Aussage, und allein dass man sie trifft, zählt als Werbestatement.

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