apple

Schlecht programmiert

Universal

Universal

Warum Steve Jobs nicht der Film geworden ist, der er sein sollte.

Man kann die besten Ideen und Voraussetzungen haben – manchmal klappt es einfach nicht beim ersten Versuch. Steve Jobs hat nach seinem Apple II zwei Fehlschläge gebraucht, bis er mit dem iMac einen neuen Meilenstein setzte und damit endgültig zur Legende wurde. Mit seiner filmischen Darstellung hat es zunächst auch nicht direkt geklappt: Der Low-Budget-Film Jobs (2013) mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle ist bei der Kritik durchgefallen und hat nie ein großes Publikum erreicht. Zwei Jahre später kommt der zweite Anlauf in die Kinos: Steve Jobs, mit doppelt so hohem Budget, Regisseur Danny Boyle, Drehbuchautor Aaron Sorkin und einer erstklassigen Besetzung. Aber all die besten Bestandteile bilden immer noch kein rundes Ganzes.

(mehr …)

Münchner Fragmente #2: Zeit

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Dass Zeit gleich Geld ist, kann man am besten vor dem Apple Store beobachten, wo bereits vier Tage vor dem Verkaufsstart eines neuen Geräts Camper anzutreffen sind. Sie zahlen nicht bloß 739 bis 1069 Euro dafür, dass das iPhone 6 nun ein „S“ im Namen trägt, (was bereits viel Arbeitszeit kostet) sondern auch mit dem Einsatz von Lebenszeit. Mindestens vier Tage. Das sind 92 Stunden. Das fast so viel wie man für eine Luxus-Ausgabe des iPhones arbeiten muss – bei einem Stundenlohn von zehn Euro. Sie zahlen also eigentlich das Doppelte, nur um die Ersten zu sein, die ein Gerät besitzen dürfen. Um privilegierte Kunden zu sein, nehmen sie die größten Strapazen auf sich, bringen die größten Opfer. Insofern darf man diese Konsumopfer, die in freiwilliger Obdachlosigkeit vor dem Apple Store ausharren, als die ärmsten Mitglieder der Wohlstandsgesellschaft bemitleiden. Ein Ausdruck christlicher Nächstenliebe wäre es, ihnen ein bisschen Lebensinhalt zu schenken, um ihren Kauf vielleicht mit etwas Sinnvollem anzureichern. Vielleicht könnte man sie mit ein paar Flüchtlingen bekannt machen. Das wäre bestimmt für beide Seiten bereichernd. Ganz zu schweigen von dem Beitrag zur Integration.

Berliner Fragmente #6: Größe

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Irgendwann ist die Grenze des Wachstums erreicht. Dann geht es nicht mehr darum, mehr Profit zu machen oder mehr Macht zu gewinnen. Es zählt nur noch, den Eindruck, den man hinterlässt, zu festigen und zu vertiefen. Das ist der Punkt, an dem man versucht, etwas zu schaffen, das um so viel größer ist als man selbst, dass es einen selbst überdauert. Man könnte es auch ein Grabmal zu Lebzeiten nennen. Dann könnte es sogar sein, dass man noch in den Genuss einer Letzten Ehre mit all ihren Annehmlichkeiten kommt.

Hollywood am Puls der Zeit

cumberbatch-assange1

Original und Fälschung: Julian Assange

The Social Network, Zero Dark Thirty, Inside WikiLeaks – immer mehr Kinofilme widmen sich aktuellen Ereignissen. Häufig beeilen sich die Produzenten, die Stoffe zu adaptieren, um von der Bekanntheit von Marken zu profitieren. Die Nähevon Filmen zur Zeitgeschichte ist zwar nichts Neues, könnte sich aber als überstürzt erweisen.

Eigentlich kann man keine Biografie über jemanden schreiben, wenn er noch lebt – außer es ist das eigene Leben, das man beschreibt. Country-Ikone Johnny Cash hat es gleich zwei Mal gemacht: Im Jahr 1975 veröffentlichte er Man In Black, 22 Jahre später Cash: The Autobiography. Beide Bücher dienten als Vorlage für den Film Walk The Line, der im Jahr 2005 erschien – nur zwei Jahre nach dem Tod des Musikers. Ray Charles war immerhin noch an der Produktion seines Biopics beteiligt, konnte aber nicht mehr an der Eröffnungssequenz mitwirken, weil er einige Monate vor der Premiere des Films starb. Keine Frage: Der Film ist gut, aber der Tod des Musikers im Juni 2004 hat dem Erfolg des Films Ray, der im Oktober desselben Jahres herauskam, gut getan – man kann sagen: Er kam gerade zur rechten Zeit.

(mehr …)