fas

Warum Werbung Kunst sein kann

Aus dem Vorspann von Mad Men

Aus dem Vorspann von Mad Men

Der Schauspieler Tom Schilling behauptet in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (vom 28.9.2014), dass Werbung keine Kunst sei. Ich widerspreche.

Lieber Herr Schilling,

es hat mich gefreut, in der heutigen FAS zu lesen, dass wir etwas gemeinsam haben: Offenbar haben Sie auch die Serie Mad Men gesehen. Leider schreiben Sie nichts darüber, wie sie Ihnen gefällt, stattdessen wird deutlich, dass sie bei Ihnen offenbar keine Sympathie oder wenigstens eine Art von Verständnis für die Werbebranche geweckt hat. Muss auch nicht sein. Mad Men funktioniert auch als reines Drama, als Gesellschaftspanorama der 60er Jahre in den USA oder als Abrechnung mit der Welt des Schönen Scheins, für die die Werbung nur ein Beispiel ist.

Wahrscheinlich würden Sie mir in letzterem zustimmen. „Werbung ist keine Kunst„, schreiben Sie in der FAS, Werbung imitiere und zitiere lediglich die Kunst, um Produkte zu verkaufen. Ja, sie karikiere und klischiere die Welt, sie korrumpiere und sediere den Geist. „Nichts von dem ist bedeutend!“, rufen Sie den Werbern und ihren Auftraggebern zu.

Im Gegenzug behaupten Sie von der wahren Kunst, wie etwa den „guten Filmen“, dass sie es vermögen, die „Welt zu verändern, den Horizont der Menschen zu erweitern, den Geist zu wecken“. Sie, Herr Schilling, benutzen in diesem Zusammenhang sogar Wörter wie „Integrität“ und „Wahrhaftigkeit“. Und die Werbung bediene sich nur am „Reinen, Echten, Poetischen, Subversiven und Rebellischen“.

Für beide Behauptungen regt sich bei mir Widerspruch.

(mehr …)

Zum Untergang der Schriftkultur

😉

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung beschwört mal wieder das Ende des Abendlandes herauf, wenn nicht gar das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Dieses Mal: „Das Ende der Schriftkultur hat längst begonnen“, schreibt Autor Markus Günther in der Ausgabe vom 25. Mai. Die Welt von morgen werde kaum noch Menschen brauchen, die lesen und schreiben können. Die Gründe: Der Kapitalismus, der an gebildeten Menschen kein Interesse haben könne, aber auch die Technologie. YouTube-Videos übernehmen die Funktion von Gebrauchsanweisungen und Lehrbüchern, in Schulen haben Smartboards die Kreidetafeln ersetzt, ja selbst das Tippen auf einer Tastatur wird durch Diktierfunktionen von Smartphones obsolet gemacht, das Lesen wird durch Vorlesefunktionen abgelöst. Kurz: Audiovisuelle Medien verdrängen die Schriftkultur. Illustriert wird der Artikel mit der Überschrift „Nur noch Analphabeten“ von vielen Emoticons – als wären sie Sinnbild allen Übels.

(mehr …)

Das Bedürfnis nach Familie

FAS

Wenn man sonst keine Probleme hat, sucht man sich eben welche. Und so versucht wieder einmal die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, eine Debatte anzustoßen. Diesmal geht es um Fernsehserien. Der Autor Tobias Rüther lässt sich im Feuilleton darüber aus, „warum wir dringend Familienserien brauchen“. Und das ist ganz großer Humbug.

Der Artikel beginnt mit einer steilen These: „Es gibt gerade nichts Langweiligeres im Fernsehen als amerikanische Serien.“ Die Provokation liegt auf der Hand, die meisten Zuschauer würden vehement widersprechen. Und Rüthers Argument dafür macht es nicht gerade besser: Homeland, Boardwalk Empire, Breaking Bad und House of Cards seien nur Fortsetzungen und Verfeinerungen von 24, The Sopranos und The West Wing, weil sie ihre Vorgänger nur steigerten. Allein diese These ist nicht nur Blödsinn, sie tut auch den künstlerischen Innovationen dieser Serien Unrecht. Der Autor bedient das alte Totschlag-Argument, dass heutige Serien „nichts Neues“ seien, als wäre es noch möglich, das Rad neu zu erfinden und das deshalb berechtige, jede Variation des Altbekannten – sei sie auch noch so gut – zu verwerfen. Aber wenn sich Rüther bei jeder der von ihm genannten Serien langweilt, dann ist ihm wohl nicht mehr zu helfen.

(mehr …)