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Leblos

Life

Der Vampir aus Twilight, der seinen Biss verloren hat, macht jetzt Karriere als Fotograf. Einer der Superhelden aus Chronicle, der seine Kräfte verloren hat, macht einen auf James Dean, auch wenn er ihm gar nicht ähnlich sieht. Der Fotograf will den jungen aufstrebenden Schauspieler unbedingt ablichten. Warum, wird nicht ganz klar. Immerhin kennt den ja noch niemand, aber der ehemalige Vampir scheint sich da festgebissen zu haben, den nuschelnden und rumlümmelnden Farmerjungen groß rauszubringen. Der Fotograf (Dennis Stock sein Name) macht Fotos, keinen interessiert’s, der Fotograf fährt mit Dean in dessen Heimatdorf und fotografiert ihn beim Congaspielen unter Schweinen. Schließlich bekommt Dean seine zweite Rolle (in „… denn sie wissen nicht, was sie tun“), die Foto-Story erscheint im Life Magazine – beide kommen groß raus. Naja, wenn auch einer von ihnen nur kurz.

Life ist einer dieser Filme, bei denen man sich fragt, warum es unbedingt nötig war, diese Geschichte zu erzählen. Das ist kein Biopic, weder über James Dean noch über Dennis Stock, das ist kein besonderes Drama, keine unerhörte Begebenheit, sondern das Werk eines Regisseurs, der eigentlich Fotograf ist: eine Momentaufnahme. Das Making-of einiger bekannter Fotos. Anton Corbijn stellt die Fotos brav nach und sein Film wirkt wie ein Füllmaterial, das sie verbindet. Viel mehr kommt dabei nicht rum. Hin und wieder ist da der Ansatz eines interessanten Charakters: James Dean als launische Natur mit eigenwilligem Verständnis von Kunst und Künstlertum. Man wird nicht ganz schlau aus ihm, ob er ein Star wider Willen ist oder sich bloß als bescheiden oder gar unentschlossen inszeniert, um sich interesssanter zu machen. Doch Corbijn weiß mit dem einzigen echten Charakter seines Films nichts anzufangen und begnügt sich in seinem Werk mit reiner Oberfläche: Schöne Bilder, Reminiszenzen an die Fotografie der 50er, aber sonst bloß Blässe und Leblosigkeit. Da hilft es auch nicht, dass der ehemalige Vampir mehr Farbe im Gesicht hat und der Superheld James Dean heißt. Life wird seinem Titel einfach nicht gerecht. Ganz abgesehen davon, dass der Titel schier einfallslos und viel zu hochtrabend ist.

Das Beste an diesem Film ist sein Abspann, in dem Stocks Original-Fotos gezeigt werden.

Auf eine Kippe mit Ottmar Hörl

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400 mal Goethe: grün, blau, rot, gelb zieren die Ein-Meter-Skulpturen den Rasen auf dem Campus Westend in Frankfurt. Und mittendrin: Ein Mann im weißen Hemd, der genüsslich seine Kippe raucht. Ottmar Hörl heißt er, Künstler von Beruf, das Genie hinter den Genies. Was hat er nicht schon alles geschaffen: 7000 Dürer-Hasen in Nürnberg, 10.000 Eulen in Athen, 800 Martin Luthers in Wittenberg, 500 Kaiser Karls in Aachen, Marx in Trier und Wagner in Bayreuth, Bären in Berlin und Löwen in Wiesbaden … – ja, könnte man meinen, wir haben’s kapiert, Ottmar! Nun, da alle deutschen Helden in Plastik verewigt sind, selbst Nazi- und Stinkefinger-Gartenzwerge den öffentlichen Raum schmücken durften, und nun selbst Goethe zum Gartenzwerg degradiert wurde, scheint die Masche durch zu sein. Aber wenn man sich diesen Künstler ansieht, wie er so cool zwischen seinen Skulpturen steht und gedankenversunken Rauchwolken bildet, scheint noch ein Denkmal zu fehlen: Ein Ottmar Hörl aus Plastik, in Lebensgröße, als Dauerinstallation, mit der Widmung: „Ottmar Hörl – Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder“.