gefängnis

Ein Käfig voller Hühner

Orange is the New Black

Die Serie Orange Is the New Black ist neben House of Cards das zweite Flaggschiff des VOD-Dienstes Netflix. Mit einer ausgewogenen Mischung aus Komödie und Drama behandelt sie den Alltag in einem Frauenknast. Und der ist offenbar nicht so schlimm, wie man denkt. Abgesehen von einigen Ausnahmen.

Man sieht es der dünnen blonden Frau mit ihren großen Augen und ihrem verhuschten Wesen gleich an, dass sie nicht hierhergehört. Und dennoch trägt sie diesen orangen Overall, der sie als Neuling im Frauenknast deklariert. Einer der wenigen Farbtupfer an einem Ort, dessen Farbpalette von grau bis beige reicht. Von jetzt an gilt: „Orange Is the New Black“, so der ironische Titel der Serie, der klarmacht, dass es um einen Ort geht, an dem Mode keine Rolle spielt. Vorbei das Leben, wie sie es kannte.

Für unsere Heldin, Piper Chapman, war es bisher kein übles: Sie war verlobt mit einem Autor und vertrieb mit ihrer Freundin selbstgemachte Pflegeprodukte. Nun muss Chapman für ein Jahr ins Gefängnis, weil sie einmal vor zehn Jahren als Kurier für Drogengeld fungiert hat. Zwei Jahre später wäre die Tat verjährt. „Ich arbeite hier seit 22 Jahren und verstehe immer noch nicht, wie das System funktioniert“, sagt Chapmans Betreuer Healy. „’ne Crackdealerin kriegt neun Monate. Und ’ne Frau, die versehentlich beim Einparken den Postboten anfährt, die bekommt vier Jahre. Der Arme hat sich das Schlüsselbein gebrochen, aber trotzdem: ich versteh’s einfach nicht.“

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Endlich: Oz auf Deutsch!

Am 24. März ist es soweit: Sky Atlantic HD beginnt, die Gefängnis-Serie Oz auszustrahlen. 17 Jahre nach der Staffelpremiere in den USA. Der deutsche Untertitel: „Hölle hinter Gittern“. Wie ich bereits geschildert habe, handelt es sich um die erste einstündige TV-Serie des Kabelsenders HBO. Sie lief von 1997 bis 2003, kam auf sechs Staffeln und 56 Folgen. Obwohl sie viele Entwicklungen heutiger Autorenserien vorweg nahm, blieb sie immer im Schatten der später begonnenen Sopranos.

Anders als der Name suggeriert, handelt es sich um alles andere als ein Märchen: Gezeigt wird der Alltag im Hochsicherheitsgefägnis Oz (eigentlich Oswald Maximum Security Penitentiary). Der Großteil der Handlung spielt in Emerald City (Em City), einer experimentellen Einheit, in der sich die Häftlinge freier bewegen dürfen. Es gibt keinen Einzelhelden, sondern ein Ensemble verschiedener Charaktere, die für verschiedene Gruppen von Insassen stehen: Schwarze, Latinos, Neonazis, Muslime – auch die Wärter bilden eine Gruppe. In Oz geht es hart zur Sache: Drogen, Sex, Vergewaltigung und Gewalt. Kaum eine Folge, in der nicht jemand brutal ermordet wird. Der Figurenverschleiß ist hoch. Aber Sympathieträger gibt es ohnehin kaum.

Die Ausnahme ist eine Besonderheit der Serie: Oz wird erzählt von einem Außenseiter, Augustus Hill, ein Mann im Rollstuhl. Im flapsigen Ton ergänzt er die Handlung mit Anekdoten und weltanschaulichen Betrachtungen zu den jeweiligen Themen der Folgen – so wird die ernste Handlung reflektiert und ironisch gebrochen. Allein wegen dieser Erzählweise hat Oz eine Chance verdient.

Die Serie läuft montags bis freitags um 20 Uhr auf Sky Atlantic HD. Auf Englisch ist sie auf DVD erhältlich.

Ein Käfig voller Arschlöcher

Versuche über die TV-Serie, Teil 5: Oz – Die erste Autorenserie von HBO

Oz (HBO)

Die Geschichte der großen seriellen Epen beim US-Kabelsender HBO beginnt mit Oz (1997-2003). Die Gefängnisserie von Tom Fontana setzte Maßstäbe in Sachen Realismus und einer drastischen Darstellung im Fernsehen. Damit war sie Vorläufer für The Wire. Leider wird das kaum wahrgenommen – vor allem in Deutschland nicht, da sie hierzulande nie ausgestrahlt wurde.

Es zeugt schon von einer gewissen Ironie, dass ein Autor, dem alle Freiheiten dabei gelassen werden, eine Serie zu erschaffen, die Handlung ausgerechnet in einem Gefängnis spielen lässt. So hat es Tom Fontana mit Oz gemacht. Sie ist die erste „Qualitätsserie“, die der US-Kabelsender HBO in Auftrag gegeben hat. Zwei Jahre vor den Sopranos (im Jahr 1997) wurde dem Autor freie Hand gelassen, was für eine Serie das sein sollte. Einzige Vorgabe: Die Charaktere mussten nicht sympathisch, aber interessant sein. Fontana schwärmt, dass der Tag, an dem er den Freischein erhielt, der glücklichste in seinem Leben gewesen sei.

Das Ausmaß dieses Glücks ist leichter zu verstehen, wenn man sich bewusst macht, wie prüde damals das Broadcast-Fernsehen in den USA war: Als Fontana in den 80ern noch für die Krankenhaus-Serie St. Elsewhere schrieb, musste er sogar darum kämpfen, das Wort „Hoden“ benutzen zu dürfen. Und dann, ein Jahrzehnt später, begann das Kabelfernsehen mit selbstproduzierten Serien erstmals von seiner Freiheit Gebrauch zu machen, Sex, Gewalt und vulgäre Sprache zu zeigen. Ein Befreiungsschlag, der sich im Knast vollzog.

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Vom Todestrakt ins Leben

Rectify

Die Serie Rectify ist der neuste Streich der Breaking Bad-Produzenten: Es geht um einen zum Tode Verurteilten, der nach 19 Jahren freikommt und versucht, sich im Leben zurechtzufinden. Sechs Folgen liefen in diesem Jahr auf dem AMC-Ableger Sundance Channel, zehn weitere sind für nächstes Jahr bestellt. Nun läuft die Serie auch bei uns auf Sky. Im Massenfernsehen dürfte Rectify jedoch keine Chance haben.

Scheiße gelaufen. Anders kann man es wohl nicht ausdrücken, wenn einem das passiert, was Daniel Holden passiert ist: Als 18-Jähriger wurde er wegen Mordes zum Tode verurteilt. 19 Jahre lang saß er in Einzelhaft und wartete darauf, dass das Urteil vollstreckt wird. Doch dann wird er plötzlich frei gelassen. Eine DNA-Analyse entlastet ihn. Dabei hatte er doch gestanden … Egal, jetzt ist er draußen, darf weiterleben – und weiß nichts mit dem Leben in Freiheit anzufangen.

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