goethe

Auf eine Kippe mit Ottmar Hörl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

400 mal Goethe: grün, blau, rot, gelb zieren die Ein-Meter-Skulpturen den Rasen auf dem Campus Westend in Frankfurt. Und mittendrin: Ein Mann im weißen Hemd, der genüsslich seine Kippe raucht. Ottmar Hörl heißt er, Künstler von Beruf, das Genie hinter den Genies. Was hat er nicht schon alles geschaffen: 7000 Dürer-Hasen in Nürnberg, 10.000 Eulen in Athen, 800 Martin Luthers in Wittenberg, 500 Kaiser Karls in Aachen, Marx in Trier und Wagner in Bayreuth, Bären in Berlin und Löwen in Wiesbaden … – ja, könnte man meinen, wir haben’s kapiert, Ottmar! Nun, da alle deutschen Helden in Plastik verewigt sind, selbst Nazi- und Stinkefinger-Gartenzwerge den öffentlichen Raum schmücken durften, und nun selbst Goethe zum Gartenzwerg degradiert wurde, scheint die Masche durch zu sein. Aber wenn man sich diesen Künstler ansieht, wie er so cool zwischen seinen Skulpturen steht und gedankenversunken Rauchwolken bildet, scheint noch ein Denkmal zu fehlen: Ein Ottmar Hörl aus Plastik, in Lebensgröße, als Dauerinstallation, mit der Widmung: „Ottmar Hörl – Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder“.

Romantik-Ausverkauf

Romantik zum Schlürfen. (Foto: Gedziorowski)

Romantik zum Schlürfen. (Foto: Gedziorowski)

Das Deutsche Romantik-Museum in Frankfurt ist kurz vor dem Ziel: Bald hat das Freie Deutsche Hochstift genug Spenden zusammen, um sein Projekt am Goethe-Haus realisieren zu können. Auf der letzten Etappe geht das Hochstift in die Vollen und heckt sich immer mehr genialische Streiche aus, wie sie die restlichen Moneten herbeischaffen kann: Mit dem Anstiften zum Konsum. Unser Autor hat sich im Fan-Shop umgesehen.

Der Spendenpegel steigt. Von den 8 Millionen Euro, die das Freie Deutsche Hochstift für ihr Deutsches Romantik-Museum auftreiben muss, sind 6,2 bereits beschafft, fehlen also noch 1,8 Millionen. Für manche ein Taschengeld, für das Hochstift eine Menge Holz. Die Kampagne läuft also auf Hochtouren. Plakate und Postkarten tragen die Botschaft in alle Welt hinaus: Es geht um Sehnsucht, Taugenichtse, ja und auch um Goethe, wenn’s denn unbedingt sein muss. Kurz mit Novalis: „Die Welt muss romantisiert werden!“ Und während Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Hochstifts, mit dem Klingelbeutel auf Tournee ist und nicht müde wird, ihr Evangelium von der Bedeutung des Projekts, von der einmaligen Chance und von dem universalpoetischen Konzept zu predigen, sucht die Romantik-Task Force des Hochstifts nach anderen Einkunftswegen. Die Zeit läuft davon.

(mehr …)