greg capullo

Wiedergeburt im Fantasy-Jenseits

Reborn

Reborn (Cover) (Image Comics)

Kommt was nach dem Tod? Und wenn ja, was? Himmel oder Hölle? Wiedergeburt? Mark Millar sagt: Alles zusammen, nur ganz anders, als man es sich bisher vorgestellt hat. In seinem Comic Reborn landen die Menschen und Tiere nach dem Tod in einer ebenso magischen wie technisch hochentwickelten Fantasy-Welt, in der die einst Guten gegen die einst Bösen kämpfen. Allerdings ist hier alles auch größer und mächtiger. Und jünger.

Die Heldin ist eine alte Frau, die als junge Frau wiedergeboren und sogleich als Heilsbringerin angesehen wird. Laut einer Prophezeiung soll sie den Oberschurken Lord Golgatha besiegen. Zusammen mit ihrem Hund und Vater, der wie andere Angehörige und Freunde vor ihr gestorben ist, zieht sie aber zunächst los, um ihren Ehemann wiederzufinden. Die Konfrontation mit den Bösen lässt sich aber nicht ganz vermeiden und es kommt, wie es kommen muss …

Die Guten sind gut, die Bösen sind fies, der Schurke ist nicht weniger als eine Art Teufel, der in Blut badet und das Böse um seiner selbst willen betreibt. So einfach die Figuren und so klassisch die ganze Story auch konstruiert ist, Mark Millar schafft es mit seinen kuriosen Einfällen und seiner kurzweiligen Erzählweise wieder einmal beste Unterhaltung zu schaffen. Da ist die Katze Frosty, die sich als Lord Frost an ihrer einstigen Besitzerin für eine Kastration rächen will. Am interessantesten ist eine Nebenfigur, die einst an Jesus geglaubt hat und nun desillusioniert, gelangweilt und lethargisch als Königin herrscht.

Wie üblich spart Millar auch hier nicht an Gewalt. Es beginnt mit einem Scharfschützen, der wahllos Menschen erschießt und geht weiter mit einem großen Gemetzel. Greg Capullo (Batman) inszeniert in der für ihn üblichen Detailfreude und Dynamik eine bunte Welt voller schrecklicher Monster und bizarrer Gestalten. Er ist ein Meister der großen Momente: Das wohl beeindruckendste seitenfüllende Panel zeigt, wie im Moment des Todes der Heldin ihre Erinnerungen wie ein großer Kronleuchter über ihr zusammenbrechen.

Was bei dem Tempo leider auf der Strecke bleibt, ist die Möglichkeit, tiefer in diese seltsame Welt einzutauchen und sich hier ein wenig heimischer zu fühlen. Stattdessen wird atemlos durchgerast, ohne näher auf Hintergründe einzugehen. Der Stoff könnte viel hergeben, aber das spart sich Millar wohl für Band zwei auf.

>> Mark Millar/Greg Capullo: Reborn. Book One, Image 2017 (dt. Panini 2017)