iggy pop

Ab in die Ferne

Der Sampler der Woche: Reisesongs

querfeldein

Foto: Lukas Gedziorowski

Man müsste mal wieder in die Ferne schweifen. Erst recht, wenn man diese Songs hört.

 

Berliner Fragmente #4: Dioskurenkult

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Immer wieder gab es in der Geschichte Begegnungen, bei denen zwei Teile sich nicht nur zu einem Ganzen zusammenfügten, sondern die Grenzen jeder Einheit sprengten. Zwei Menschen, jeder für sich ein Genie, konnten sich durch glückliche Fügung zu ungeahnten Höhen steigern: Goethe und Schiller, Lennon und McCartney, Iggy Pop und David Bowie – seelenverwandte Dioskuren. Letztere, bürgerlich Jim Osterberg und David Jones, haben von 1976 bis 1978 in Berlin-Schöneberg gewohnt: Hauptstraße 155. David vorne, Jim hinten. Gemeinsam hing man rum, musizierte und verhalf sich gegenseitig, sich künstlerisch neu zu (er)finden. Als Helden, Idioten, aber mit ganz viel Lust zum Leben.

Das Haus Hauptstraße 155 ist ein unscheinbarer Ort. Es ist ein gewöhnliches Haus, das durch nichts auffällt, zwischen einem KFZ-Büro und einem Tatoo-Laden. Es fehlt eine Gedenktafel oder ein Denkmal. Man geht durch ein unverschlossenes Eisentor, durch eine dunkle Einfahrt, landet in einem kahlen Hof, dann gibt es noch einen Durchgang in einen zweiten Hof. Auf den ersten Blick nichts als Wände. In einem Fenster sieht man bis an die Decke gestapelte Hundefutterdosen.

Was hast du erwartet?, fragt man sich. Töricht, heute Spuren von damals finden zu wollen. Und doch enttäuschend, dass so gar nichts vom Genius loci zu spüren ist.

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Berliner Fragmente #0

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Fragmenteum goes Berlin. Und wird fragmentarisch.

Das Projekt Romantik ist Fragment geblieben. Höchste Zeit, es zu vollenden. Das multimediale Internetzeitalter ist dafür prädestiniert; das Internet ist das, was dem Ideal der Universalpoesie am nächsten kommen kann. Das Fragmenteum soll seinem Anspruch nach seinen Beitrag dazu leisten, aber bislang war es noch nicht sehr fragmentarisch. Das soll sich nun ändern.

Da mich meine Lehrjahre temporär in die Fremde verschlagen, nutze ich die Zeit für ein experimentelles Projekt. Statt – wie in diesem Medium üblich – schnöde Diarismen oder Herzensergüsse, Reise- oder Erfahrungsberichte zu fabrizieren, versuche ich mich mit einer Serie in etwas anderen Form: Ich will sie die Berliner Fragmente nennen. Vier Wochen lang soll täglich (mindestens) ein Post erscheinen: mit einem Foto (schwarz-weiß, da so auch ein mäßiges halbwegs gehaltvoll erscheint) und einer Betrachtung, einer Anekdote, einer Kritik oder einer Liste – Hauptsache kurz. Die Reduktion ist die erste Auflage, die Serialität die andere für diese emblematischen Fragmente.

Als Zuspätgeborener kommt man immer in die Verlegenheit, sein Projekt rechtfertigen zu müssen – erst recht als verspäteter Berliner. Daher eine Klarstellung: Keine Sorge, liebe eingeborene Berliner und auswärtige Skeptiker: Das wird keine weitere Hauptstadtromantik. Für eine Ode oder Hommage ist mir die Stadt zu fremd. Erst recht ist es kein bemühtes Hauptsache-was-mit-Berlin-Ding eines Irgendwas-mit-Medien-Schaffenden. Die Berliner Fragmente sind nichts als ein Versuch, anderswo mal was anderes zu machen, es könnte auch Bielefeld sein. Also bitte, liebe Hipster, hasst mich nicht, weil ich erst jetzt herziehe. Ich komme nicht, um zu bleiben – versprochen. Nur vier Wochen, dann geht’s wieder zurück nach Frankfurt. Für alle die’s noch nicht gemerkt haben: Das ist ohnehin die nächste Hipstopolis. 😉

Zur Einstimmung ein kleiner Berlin-Sampler mit Lou Reed, David Bowie und Iggy Pop.

Messias am Boden

Before Punk: The Stooges

Metallic K.O.

Vor 40 Jahren haben The Stooges ihr (vorerst) letztes Konzert gespielt. Es war ein Desaster: Das Publikum bewarf die Band mit Gegenständen und pöbelte, der Sänger und Bandleader, Iggy Pop, pöbelte zurück. Die Band war am Ende. Aber die Saat, die sie gesät hatte, war bereits auf fruchtbaren Boden gefallen. Aus der Asche der Stooges ging der Punkrock hervor.

Es soll wie im Krieg zugegangen sein, an jenem Abend des 9. Februar 1974. Die Stooges standen auf der Bühne im Michigan Palace, einem alten Kino, und lieferten sich einen Kampf mit dem Publikum. Die Menge warf Flaschen, Gläser, Münzen, Zigaretten, aber auch Graspäckchen auf die Bühne, während die Band um ihr Leben spielte. Iggy Pop, dem Sänger, war es egal. Jedenfalls gab er sich alle Mühe, es so aussehen zu lassen. Er war Schmerzen gewohnt, er zog sein Ding durch, wie er es immer tat, und übte sich in der Kunst der Publikumsbeschimpfung – was die Menge nur noch mehr anstachelte, weiteres Zeug – wie etwa Eier – auf die Bühne zu schmeißen. Es muss übel gewesen sein, richtig übel.

Heute gelten Iggy und die Stooges als Pioniere des Punkrock. Doch zur Zeit ihres Bestehens seit Ende der 60er bis zu jenem Tag im Jahr 1974 hat die breite Masse noch nicht die Zeichen der Zeit gehört. Drei erfolglose Alben brachten die Stooges zustande, heute allesamt Klassiker. Eine raue, im wahrsten Sinne des Wortes primitive Musik, eingängige Riffs und wenige Akkorde, die zelebrierte Monotonie. Iggy Pop (bürgerlich James Osterberg) riss sich regelrecht den Arsch auf, er ging an die Grenzen der Belastbarkeit: Drogen ohne Ende, Verrenkungen auf der Bühne, Selbstverletzungen mit Scherben und Drumsticks – das alles gehörte zur Show, das alles schrie nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, doch zum Schluss muss es für die meisten Zeugen dieser Darbietungen nur noch verzweifelt und erbärmlich gewirkt haben.

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