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Münchner Fragmente #2: Zeit

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Dass Zeit gleich Geld ist, kann man am besten vor dem Apple Store beobachten, wo bereits vier Tage vor dem Verkaufsstart eines neuen Geräts Camper anzutreffen sind. Sie zahlen nicht bloß 739 bis 1069 Euro dafür, dass das iPhone 6 nun ein „S“ im Namen trägt, (was bereits viel Arbeitszeit kostet) sondern auch mit dem Einsatz von Lebenszeit. Mindestens vier Tage. Das sind 92 Stunden. Das fast so viel wie man für eine Luxus-Ausgabe des iPhones arbeiten muss – bei einem Stundenlohn von zehn Euro. Sie zahlen also eigentlich das Doppelte, nur um die Ersten zu sein, die ein Gerät besitzen dürfen. Um privilegierte Kunden zu sein, nehmen sie die größten Strapazen auf sich, bringen die größten Opfer. Insofern darf man diese Konsumopfer, die in freiwilliger Obdachlosigkeit vor dem Apple Store ausharren, als die ärmsten Mitglieder der Wohlstandsgesellschaft bemitleiden. Ein Ausdruck christlicher Nächstenliebe wäre es, ihnen ein bisschen Lebensinhalt zu schenken, um ihren Kauf vielleicht mit etwas Sinnvollem anzureichern. Vielleicht könnte man sie mit ein paar Flüchtlingen bekannt machen. Das wäre bestimmt für beide Seiten bereichernd. Ganz zu schweigen von dem Beitrag zur Integration.

Berliner Fragmente #6: Größe

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Irgendwann ist die Grenze des Wachstums erreicht. Dann geht es nicht mehr darum, mehr Profit zu machen oder mehr Macht zu gewinnen. Es zählt nur noch, den Eindruck, den man hinterlässt, zu festigen und zu vertiefen. Das ist der Punkt, an dem man versucht, etwas zu schaffen, das um so viel größer ist als man selbst, dass es einen selbst überdauert. Man könnte es auch ein Grabmal zu Lebzeiten nennen. Dann könnte es sogar sein, dass man noch in den Genuss einer Letzten Ehre mit all ihren Annehmlichkeiten kommt.