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Heldenblüte #3: Götterdämmerung

Marvel

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Wie Marvel mit seinem Cinematic Universe Schule für Superheldenfilme machte und damit Kinogänger zu Nerds wurden.

Die Goldene Ära des Superhelden-Kinos brachte einige großartige Filme hervor (X-Men, Spider-Man). Aber auch viel Mist. DC hat neben seiner maßgeblichen Batman-Trilogie Superman, Catwoman und The Spirit verhunzt. Marvel ließ dafür Gurken wie Fantastic Four, Ghost Rider und Punisher geschehen. Doch zur Verteidigung muss man sagen: Die Rechte für diese Filme lagen bei anderen Studios. Während The Dark Knight (2008) von DC/Warner zum Kinofilm des Jahres und zum erfolgreichsten Superheldenfilm avancierte, begann Marvel in aller Bescheidenheit mit einem neuen Ansatz. Iron Man bildete den Auftakt zum Cinematic Universe. Statt andere die Adaptionen realisieren zu lassen und dabei das Risiko einzugehen, dass sie es vergeigen, legte nun das hauseigene Studio selbst Hand an. Man kaufte Rechte zurück und investierte damit in eine Goldgrube.

Iron Man hat zwei Helden: Robert Downey Jr., der den charmanten Großkotz Tony Stark so verkörpert, dass man sich keinen anderen mehr vorstellen mag, und ein pfiffiges Drehbuch. Das Beste an diesem Film ist, dass er sich Zeit lässt, die Figur einzuführen. Etwa die Hälfte vergeht bis man Iron Man in seiner Rüstung sieht. Bis dahin macht er im Afghanistan-Konflikt eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durch – und hat dabei auch viel zu lachen, ohne dass der Ernst der Geschichte verloren ginge. Das Konzept macht klar, dass es hier nicht um die schnelle Sensation geht, sondern um Charaktere und Story. Der Film, gedreht von dem damals unbekannten Jon Favreau, wurde zum Überraschungserfolg. Iron Man wurde zweimal fortgesetzt. Und es folgten Filme um weitere Helden: ein Neuversuch mit Hulk, der vieles wiedergutmachte, was beim ersten verbockt wurde, ein Film für Thor und einen für Captain America. Während der Donnergott einen Hauch von Shakespeare verliehen bekam, wurde dem altbackenen Supersoldaten ein zeitgemäßer Auftritt zuteil, der elegant den Bogen in die Gegenwart schlägt. Die Filme fielen qualitativ zwar deutlich hinter Iron Man zurück, aber sie erfüllten als Einführungen neuer Charaktere ihren Zweck, sodass – dank geschickter Verknüpfungen – im Jahr 2012 das für unmöglich Gehaltene wahr wurde: The Avengers.

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Marvel, Civil War und so weiter

Die Liste der Woche: Helden in Civil War
Instagram/Umberto Gonzalez

Instagram/Umberto Gonzalez

Okay, jetzt da Avengers: Age of Ultron langsam verdaut ist, können wir uns auf die nächsten Sensationen aus dem Hause Marvel freuen. Ant-Man steht noch an, er beschließt Phase 2 des Cinematic Universe. Im nächsten Mai beginnt Captain America: Civil War Phase 3; der Dreh hat bereits begonnen. Wie schon festgestellt, wird das ein Film, der so viele Helden enthält, dass man ihn genauso gut „Avengers 3“ nennen könnte (anderswo ist schon von „Avengers 2.5“ die Rede). Hier ist das offizielle Lineup:

  1. Captain America
  2. Iron Man
  3. Hawkeye
  4. Black Widow
  5. Scarlet Witch
  6. War Machine
  7. Falcon
  8. Winter Soldier
  9. The Vision
  10. Ant-Man (kommt am 23. Juli ins Kino)
  11. Black Panther (bekommt seinen eigenen Film 2018)

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Kino der Lustbarkeit

Walt Disney/Marvel

Walt Disney/Marvel

Die Erwartung wurde erfüllt: Avengers – Age of Ultron ist ein großes Spektakel mit vielen kleinen Späßen. Wieder einmal ist Regisseur und Autor Joss Whedon ein Kracher mit fulminanten Kamerafahrten und irrwitzig übertriebenen Kampfszenen gelungen. Bei aller Action und Effekten schafft es Whedon aber immer noch, Zeit für seine Figuren zu finden, auch wenn es noch mehr Helden denn je gibt, kommt jeder zu seinem Recht. (Dieses Mal verleihen sogar eine kleine Lovestory, ein Familienbesuch, ein paar Rückblenden und Visionen den Charakteren Tiefe.) Und dann gibt es noch herrlichen Quatsch: Grandios allein die Hammer-Szene, die schon aus dem Trailer bekannt ist – die Avengers wirken wie ein Haufen pubertierender Schüler auf Klassenfahrt. Bei aller Geselligkeit profitiert der Film davon, dass die Helden immer noch kein eingespieltes Team sind, sondern sich ständig streiten – und auch bekämpfen. Diesen Konflikten ist auch die beste Szene geschuldet: Iron Man gegen Hulk. Eine solche Prügelei, bei der sich der Große Grüne mal wieder als unzerstörbar erweist, ist einfach nur – verzeiht den rohen Ausdruck – unglaublich geil. Oder um es mit Thor zu sagen: Das ist Kino der Lustbarkeit.

Letztendlich sind die Probleme der Avengers hausgemacht: Tony Stark erschafft die böse Super-Intelligenz Ultron nur in bester Absicht, um die Welt zu befrieden (und um endlich Urlaub machen zu können). Doch der Roboter pervertiert diesen edlen Auftrag in eine Mission globaler Zerstörung. Dieser Ultron ist zwar ein starker (vielleicht allzumenschlicher) Gegner, leider verliert er im Deutschen mit der unpassenden Stimme von Edward Norton (dem ersten Hulk des Cinematic Universe) etwas von seiner Bedrohlichkeit.

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Helden in der Krise

Filmsuperhelden 2013 (Collage: Gedziorowski)

Filmsuperhelden 2013 (Collage: Gedziorowski)

Sehen Sie sich einmal die obere Collage genau an. Was fällt Ihnen auf? Genau: Eine gewisse Ähnlichkeit, Parallelen, ja, man könnte fast sagen: Austauschbarkeit. Nun gut. Wir bewegen uns im Genrefilm. Dem Superheldengenre. Wer sich darauf einlässt, weiß, was ihn erwartet. Aber die Bilanz der diesjährigen Filme ist erschreckend schwach. Ebenso wie seine Helden zeigt das Genre Krisenerscheinungen. Ein Rückblick und ein Ausblick.

Alle Hoffnungen ruhten auf Thor – Gott, Alien, Superheld. Nach einer Einführung mit einem passablen ersten Abenteuer und einer bestandenen Bewährungsprobe bei den Avengers konnte es nun richtig losgehen. Doch die Fortsetzung The Dark World (auf „deutsch“: The Dark Kingdom) hat leider keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Zu Recht: Der Film, mehr Fantasy- als Superheldengenre, vermag nur wenig zu fesseln. Die Handlung hetzt ähnlich wie im ersten Teil schnell voran, Spannung kommt bei dem konventionellen Plot kaum auf. Auch der Versuch, den Weltenkonflikt nach London auf die Erde zu holen, wirkt unbeholfen. Das können auch die prächtigen, effektgeladenen Aufnahmen nicht ausgleichen.

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