james bond

Baustelle Bond

Spectre

Achtung, Spoiler!

James Bond ist komplett. Mit Spectre, dem vierten Teil der Daniel Craig-Ära, ist die Baustelle Bond beendet. In Casino Royale erlangte er Doppelnullstatus und die Liebe seines Lebens, nur um letztere gleich wieder tragisch zu verlieren, in Ein Quantum Trost wurde die Geheimorganisation Quantum eingeführt, in Skyfall hat er seine Ersatzmutter M verloren, dafür aber einen Q und eine Miss Moneypenny dazubekommen (und eine Vorgeschichte), in Spectre werden alle Fäden zusammengeführt und James Bond kämpft nicht nur zusammen in einer Art Familienverbund, sondern findet endlich auch einen Gegenspieler fürs Leben: Ernst Stavro Blofeld (Christoph Waltz).

Nun, da alles da ist, könnte man meinen, James Bond könnte endlich loslegen. So richtig. Jetzt aber wirklich. Vielleicht im nächsten Teil, denn auch Spectre lässt einen unbefriedigt zurück wie die vergangenen zwei Teile. Dabei beginnt es so prächtig: Der Prolog in Mexiko am Tag der Toten ist furios inszeniert. In einer langen Einstellung sehen wir James Bond (in Skelett-Kostüm und mit weiblicher Begleitung) durch das Straßenfest laufen, ins Hotel gehen, den Aufzug nehmen, im Hotelzimmer schließlich umziehen und aufs Dach steigen, schließlich lange übers Dach laufen, um einen Auftrag auszuführen. Bei dieser eleganten Kameraarbeit hat man sich offenbar von Birdman inspirieren lassen. Am Ende der Szene gibt es einen spektakulären Kampf in einem Hubschrauber. So weit, so gut.

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Kingsman: Cool.

Kingsman: The Secret Service

20th Century Fox

 

Man kann nicht viel falsch machen, wenn man die britische Eleganz und Coolness von James Bond in ein furioses Action-Spektakel jenseits des guten Geschmacks packt. Und so ist Kingsman ein rundum gelungener Film geworden, irgendwo zwischen Hommage an und Parodie von Agentenfilmen. Das Drehbuch hält viele Lacher und schwarzen Humor bereit, Regisseur Matthew Vaughn macht liefert so atemberaubende Kampfszenen, wie sie seit Matrix nicht mehr beeindruckt haben.

Besonders im Gedächtnis bleibt ein Gemetzel in einer fundamentalistischen Kirche: Nicht nur, dass dort alle Gemeindeglieder ausrasten und sich gegenseitig abschlachten, auch Colin Firth (der eigentliche Held) hört nicht eher zu ballern und zu metzeln auf, bis er alle niedergemacht hat. Das ist selbstverständlich zynisch, Moralapostel könnten es gewaltverherrlichend nennen, man dahinter aber auch ein klares Statement gegen Rassisten und Homophobe sehen – oder sich einfach von einer irren Inszenierung umhauen lassen.

Alles an diesem Film ist cool. Der Stil, die Sprüche, auch die Gewalt. Aber das war sie auch schon bei James Bond. Das ist dort ebenso bedenklich wie hier, aber es macht meistens auch sehr viel Spaß. Da kann man auch verschmerzen, dass wie schon bei Wanted von Mark Millars Comic-Vorlage The Secret Service nur die Grundidee übernommen wurde. (Auch wenn man sich fragen muss, warum man etwas verfilmt, um es dann ganz anders zu machen.)

Kino – Rückblick 2014 und Ausblick 2015

Disney

Disney

2014 war ein gutes Kinojahr. Ein sehr gutes sogar. Und das Beste: Endlich ist diese unsäglich-aufgeblasene Hobbit-Trilogie zu Ende gegangen. Jetzt kann sich Peter Jackson etwas Vernünftigerem widmen, zum Beispiel dem nächsten Tim und Struppi-Film. Aber fangen wir noch mal von vorn an: Das Kinojahr begann mit einer starken Auswahl zur Oscarverleihung (einige der nominierten Filme kamen bei uns erst in diesem Jahr raus). Dann legte Wes Anderson mit Grand Budapest Hotel ein weiteres Meisterwerk vor. Boyhood war ein nettes Filmchen – wird aber von den Kritikern zu sehr gehypt. Captain America überraschte uns damit, wie zeitgemäß ein altbackener Held sein kann. Und Bryan Singer hat mit seiner Rückkehr zu den X-Men in ihrem siebten Film dem Franchise zu neuer Höhe verholfen. Unerwartet gut debütierten die bis dato unbekannten Guardians of the Galaxy – damit bewies Marvel am besten, dass es Blockbuster mit Mut zum Frischen und Unbekannten produzieren kann. Und Planet der Affen: Revolution war auch ganz unterhaltsam.

Im Herbst verstörte uns David Finchers Gone Girl so nachhaltig, dass wir seitdem Angst haben, das Bett mit einer Frau zu teilen. No Turning Back war mal wieder ein schönes Kammerspiel im Buried-Stil. Chadwick Boseman lehrte uns in Get On Up, James Brown als den Godfather of Soul zu verehren. Und Jake Gyllenhaal erschreckte uns in Nightcrawler, indem er die Fratze der Fernsehnachrichten zeigte und beerbte damit „Taxi Driver“ Robert DeNiro. Im Genre Dokumentation beeindruckten die Fotos von Sebastiao Salgado (im ansonsten drögen Das Salz der Erde von Wim Wenders) und Nick Cave als Selbstinszenierer in 20.000 Days On Earth (zugegeben: nur eine halbe Dokumentation).

Doch es gab auch einige Enttäuschungen: Interstellar, The Amazing Spider-Man 2, Snowpiercer, American Hustle und vor allem Her. Christopher Nolan sollte sich künftig weniger wichtig nehmen, das würde seinen Filmen mehr Leichtigkeit verleihen. Spider-Man steckt seit seinem Reboot zu sehr in der Wiederholungsschleife fest und bleibt hinter den Standards zurück, die Marvel sonst mit seinen Superheldenfilmen setzt. Snowpiercer war bei weiten nicht so genial wie die Kritiker behaupteten, im Gegenteil: eigentlich eine stupide Keilerei in einem sinnfreien Szenario, das selbst als Allegorie nicht viel hergibt. Was an American Hustle toll sein soll, ist uns schleierhaft. Und Her war mit Abstand der langweiligste Film des Jahres – aber leider hielt uns der Ärger vom Einschlafen ab.

  1. Nightcrawler
  2. Grand Budapest Hotel
  3. All Is Lost
  4. The Wolf of Wall Street
  5. Nebraska
  6. Gone Girl
  7. Get On Up
  8. Guardians of the Galaxy
  9. Captain America
  10. X-Men: Zukunft ist Vergangenheit
  11. Planet der Affen: Revolution
  12. No Turning Back

Das neue Kino-Jahr wird vielversprechend: Wir kriegen viel Science Fiction, Dinos und vor allem viele Superhelden geboten. Doch zunächst die Award-Season. St. Vincent (8.1.) soll mal wieder Bill Murray in Bestform zeigen. Der große Trip – Wild (15.1.) ist ein Wanderer-Drama mit Reese Witherspoon und Oscar-Potenzial. Eine Woche später läuft The Imitation Game mit Benedict Cumberbatch als Mathematiker Alan Turing an.

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Der Anti-Bond

Parker: Teil 1 und 2 (Bild: Eichborn)

Parker: Teil 1 und 2 (Bild: Eichborn)

Parker ist so etwas wie der James Bond unter den Dieben. Ein hartgesottener Typ mit kantigem Gesicht, der jede brenzlige Situation souverän meistert, weil er seinen Gegnern immer ein bis drei Schritte voraus ist und keine Skrupel hat. Er redet nicht viel und wenn, dann gibt er nur lakonische Sätze von sich. Und er vögelt natürlich ständig irgendwelche Klassefrauen. Hin und wieder mal ein Ding drehen, immer auf Nummer sicher, dann einen wegstecken – so läuft das im Leben von Parker.

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