jesus

Mark Millar: American Jesus

Jodie ist ein ganz normaler Zwölfjähriger in den USA – bis plötzlich ein Lastwagen auf ihn fällt. Anders als der Fahrer, der im Koma landet, trägt Jodie nicht einen Kratzer davon. Danach ist er plötzlich sehr gut in der Schule, er weiß auf jede Frage die richtige Antwort, ohne dass er etwas davon je gelernt hätte.

Jodie fragt sich, ob er vielleicht ein Mutant ist, wie die X-Men. Seine Eltern sehen gewisse Parallelen zu einem anderen „Superhelden“: zu Jesus. Auch der konnte mit zwölf Jahren plötzlich die Schriftgelehrten belehren. Könnte Jodie der nächste Christus sein? Es spricht vieles dafür: Jodie hat keinen leiblichen Vater, er kann Wasser in Wein verwandeln und er heilt sogar Krankheiten. Die Menschen strömen zu ihm herbei, um sich helfen zu lassen. Sie glauben an ihn. Aber ausgerechnet der Pfarrer der Gemeinde hat seine Zweifel an der Sache …

Mark Millars American Jesus ist dreist. Aber nicht so dreist, wie es zunächst scheint. Millar stellt die Frage: Was wäre, wenn einer wie Jesus heute auftreten würde? Seine Antwort fällt ausgesprochen human aus. Anders als in seinen anderen Comics überschreitet er hier nie die Grenzen des guten Geschmacks. Ihm geht es nicht darum, die Abgründe der Kirche zu zeigen, keine schlagenden Nonnen und perversen Priester, sondern um die Grundfrage des Glaubens. Er spart sich die üblichen Gewaltorgien und auch billige Provokation durch Blasphemie.

Millar entlarvt den menschlichen Makel, nur dann zu glauben, wenn man Zeuge von Wundern wird. Und zugleich erweist sich der Zweifel als berechtigt, weil Wunder allein noch keinen Heilsbringer machen. Die Auflösung, die Millar am Ende findet, wirkt nur auf den ersten Blick gewagt. Tatsächlich ist es nur konsequent gedacht, wenn sich der neue Jesus als etwas ganz anderes herausstellt, als man gedacht hat. Der Autor lässt vieles offen, besonders die Frage, ob es ein gutes oder schlechtes Ende ist und überhaupt die Antwort darauf, wer hier gut oder böse ist. Sein Jesus ist eben ein amerikanischer Jesus – und das allein spricht für sich.

>> Mark Millar/Peter Gross: American Jesus. Book One: Chosen, Image 2004, Neuauflage 2016.

Mehr von Mark Millar:

 

Reach out and touch faith

Der Sampler der Woche: Personal Jesus
The Leftovers (HBO)

The Leftovers (HBO)

Zu Weihnachten bieten wir euch dieses Mal nur einen Song, aber den in mehreren Variationen: Personal Jesus. Selbst Johnny Cash konnte dem Depeche Mode-Hit etwas abgewinnen und hat sogar die beste Version abgeliefert. Andere haben das Ding verjazzt und gerockt. Mal eine etwas andere Meditation über das Wesen von Heiligabend.

 

Jesus Christ Popstar

Der Sampler der Woche: Jesus-Songs
jesus in berlin

Jesus in Berlin (Foto: Lukas Gedziorowski)

Während um uns herum alles von Besinnlichkeit floskelt, aber sich in Kaufräusche stürzt oder mit Glühwein besinnungslos trinkt, besinnen wir uns bei Fragmenteum auf den wahren Sinn von Weihnachten: auf Jesus. Statt jetzt zu jauchzen und zu frohlocken, wollen wir eure Aufmerksamkeit auf den säkularen Aspekt dieser Persönlichkeit lenken: auf den Popstar. Viele Musiker haben sich ihre Gedanken zu dem galiläischen Wanderprediger gemacht: von John Lennon bis Westernhagen, von David Bowie bis Lady Gaga.

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