kill city

Messias am Boden

Before Punk: The Stooges

Metallic K.O.

Vor 40 Jahren haben The Stooges ihr (vorerst) letztes Konzert gespielt. Es war ein Desaster: Das Publikum bewarf die Band mit Gegenständen und pöbelte, der Sänger und Bandleader, Iggy Pop, pöbelte zurück. Die Band war am Ende. Aber die Saat, die sie gesät hatte, war bereits auf fruchtbaren Boden gefallen. Aus der Asche der Stooges ging der Punkrock hervor.

Es soll wie im Krieg zugegangen sein, an jenem Abend des 9. Februar 1974. Die Stooges standen auf der Bühne im Michigan Palace, einem alten Kino, und lieferten sich einen Kampf mit dem Publikum. Die Menge warf Flaschen, Gläser, Münzen, Zigaretten, aber auch Graspäckchen auf die Bühne, während die Band um ihr Leben spielte. Iggy Pop, dem Sänger, war es egal. Jedenfalls gab er sich alle Mühe, es so aussehen zu lassen. Er war Schmerzen gewohnt, er zog sein Ding durch, wie er es immer tat, und übte sich in der Kunst der Publikumsbeschimpfung – was die Menge nur noch mehr anstachelte, weiteres Zeug – wie etwa Eier – auf die Bühne zu schmeißen. Es muss übel gewesen sein, richtig übel.

Heute gelten Iggy und die Stooges als Pioniere des Punkrock. Doch zur Zeit ihres Bestehens seit Ende der 60er bis zu jenem Tag im Jahr 1974 hat die breite Masse noch nicht die Zeichen der Zeit gehört. Drei erfolglose Alben brachten die Stooges zustande, heute allesamt Klassiker. Eine raue, im wahrsten Sinne des Wortes primitive Musik, eingängige Riffs und wenige Akkorde, die zelebrierte Monotonie. Iggy Pop (bürgerlich James Osterberg) riss sich regelrecht den Arsch auf, er ging an die Grenzen der Belastbarkeit: Drogen ohne Ende, Verrenkungen auf der Bühne, Selbstverletzungen mit Scherben und Drumsticks – das alles gehörte zur Show, das alles schrie nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, doch zum Schluss muss es für die meisten Zeugen dieser Darbietungen nur noch verzweifelt und erbärmlich gewirkt haben.

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