kino

Frankfurter Fragmente #10: Trailer

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Im Kino hat man die meisten Déjà-vus. Wenn man Filme schaut, hat man oft das Gefühl, sie schon einmal gesehen zu haben. In Kurzform zwar, aber die wichtigsten, witzigsten oder spektakulärsten Szenen waren schon dabei. Bei fleißigen Kinobesuchern sogar mehrfach. Man nennt sie Trailer, diese kleinen Vorschauen zwischen der Eis-, Bier- und Kippenwerbung. Und wer’s kaum erwarten kann, zieht sie sich schon zu Hause rein. Doch so sehr man sich freut auf diese ersten Einblicke hinter den Vorhang, so sehr einen die ersten Bilder von Star Wars anfixen und sich Nostalgie mit Vorfreude vermischen, so sehr vermiesen sie einem auch das Sehvergnügen, weil Premieren dadurch keine mehr sind.

In der FAS steht heute der Satz zu Ant-Man: „Ein schon im Trailer gebührend gewürdigter Showdown findet auf einer Spielzeugeisenbahn statt.“ Und genau das ist das Problem. Die Szene hat jeglichen Reiz verloren, weil man sie schon mal gesehen hat. Man weiß was kommt, die Überraschung ist dahin – und ebenso der Witz, der einen nur beim ersten Mal hat lachen lassen. Ebenso bei Avengers: Age of Ultron. Da war es die Szene, in der die Helden der Reihe nach versuchen, Thors Hammer zu heben. Keiner kriegt ihn hoch – haha, aber im Film war das altbekannt, weil man den Trailer schon gefühlte 100 mal gesehen hat. (Und ich habe ihn sogar noch im Kino kurz vor dem Hauptfilm gezeigt gekriegt – warum auch immmer.)

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Frankfurter Fragmente #7: Kinokarte

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Die kindliche Begeisterung mag lange vorbei sein, aber jetzt ist das Kino völlig entzaubert. Neulich wollte ich eine Kinokarte kaufen. Doch obwohl ich 10,30 Euro auf den Tisch legte – an einem Dienstag wohlgemerkt -, habe ich keine bekommen, sondern bloß eine Quittung. Es war nicht einmal das Logo des Kinos darauf. Bloß ein bisschen pixelige Computerschrift auf Thermopapier und aus der Mitte starrte mich ein QR-Code aus quadratischen Augen an und sagte stumm: Scan mich! Obwohl der Zettel größer ist als eine normale, schlanke Kinokarte, sieht er nach so viel wengiger aus. Eigentlich nach nichts. Und bei der Hitze, die herrschte, hatte ich auch Angst, dass der Aufdruck den Weg zum Scanner am Einlass nicht übersteht. Nicht, dass ich Kinokarten sammeln würde, aber mit diesem Wisch ist die letzte Aura des Lichtspielhauses verflogen. Ich erinnere mich noch an den Film Last Action Hero, darin bekam der Protagonist eine goldene Kinokarte, um ins Filmgeschehen eintauchen zu können. Eine schöne Vorstellung. Jetzt ist die Freude beim Kartenkauf etwa so überschwänglich wie Pfandflaschen im Supermarkt abzugeben. Der Zettel, den man bekommt, sieht jedenfalls ganz ähnlich aus.

Und dann der Film: die Minions. Bevor es losging, kam wie immer Werbung. Nur, dass sie dieses Mal viel vom Film vorwegnahm: Minions-Kekse, Minions-Getränke und die Kinobesucher trugen Minions-Popcorn durch die Gegend. Im Supermarkt habe ich sogar Minions-TicTacs gesehen. Eigentlich müsste es doch auch Minions-Kondome geben – Geschmacksrichtung Banana, versteht sich.

Der Film selbst war nichts als eine mal lustige, aber meist alberne Aneinanderreihung von Quatsch. Die Beilage als Hauptgericht serviert, hat das mein Kollege beim Journal Frankfurt in seiner Rezension genannt. Das trifft es perfekt. Ein Teller voller Pommes ist auf Dauer etwas ermüdend. Ach ja, man müsste noch mal Kind sein, dann hätte man mehr Spaß an so einem unschuldigen Unsinn. Aber vielleicht kommt etwas von diesem Gefühl im Dezember mit Star Wars wieder. Vielleicht ist dann die Karten-Quittung schnell vergessen, wenn erst mal das Logo über die Leinwand fliegt und Fanfaren dazu ertönen und man vor Ehrfurcht erstarrt oder zittert oder gleich ins Koma der Glückseligkeit fällt. Wie sagt es Prinzessin Leia doch so schön? „Helft mir, Obi-Wan Kenobi, Ihr seid meine letzte Hoffnung!“

Frankfurter Fragmente #2: Kino

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Früher ist man ins Kino gegangen, um sich einen Film anzusehen. Heute tut man dort alles andere. Zum Beispiel sich mit seinem Sitznachbarn unterhalten. Oder seine E-Mails checken. Oder googeln, in welchen Filmen der Typ da vorne auf der Leinwand noch mitgespielt hat. Wenn man immer noch zu den altmodischen Menschen gehört, die es auch mal zwei Stunden lang aushalten, sich nur auf einen Bildschirm zu konzentrieren, dann ist man genötigt, sich trotzdem von der Zerstreuung der anderen mit ablenken zu lassen.

Erinnern wir uns an früher, als wir noch Kinder waren, war es noch etwas Besonderes, wenn das Licht gedimmt wurde, sich der Vorhang öffnete und wir voller Spannung erwarteten, welche Zauberei uns dort überraschen mochte. Man schaute gebannt und schwieg andächtig, um bloß alles mitzukriegen. Heute zahlen wir viel Geld für eine Kinokarte und es ist nur eine von vielen Möglichkeiten, sich von einem Bildschirm berieseln zu lassen. Und dann herrscht das Selbstverständnis: Ich habe bezahlt, also darf ich machen, was ich will. Jedenfalls scheint es vielen Besuchern so zu gehen.

Heute ist es so: Der Vorhang geht auf, Verleiherlogo, Produzentenlogos, Credits – und das allgemeine Gequatsche geht weiter. Wir sehen das erste Bild, die ersten Figuren. Das Geschwätz hört immer noch nicht auf. Man versucht ruhig zu bleiben, hadert mit sich, ob man um Ruhe bitten oder noch etwas warten soll, vielleicht beruhigen sie sich ja noch. Aber nein, auch als die Dialoge losgehen, wird weiter kommentiert und gelacht. Hat man das Pech, mit Jugendlichen im Kino zu sitzen, fängt man sich Unverständnis und Gelächter ein, wenn man doch was sagt – sei es auch noch so höflich. Aber auch in kleinen Programmkinos und bei Filmfestivals gibt es diese Unkultur, dass man sich benimmt, als wäre man allein zu Haus. Kunstgenuss, Würdigung des Werks oder einfach nur Rücksicht – das war einmal. In so einem Fall ist es besser zu gehen, als seine Zeit damit zu verschwenden, sich den Film verderben zu lassen.

Ein besonders schlimmer Auswuchs dieses Phänomens ist die Audio-Deskription. Man kennt das vielleicht aus dem Fernsehen: Damit auch unsere sehbehinderten Mitmenschen in den Genuss von Filmen kommen (und nicht immer nur Hörbücher oder Hörspiele hören müssen), bieten öffentlich-rechtliche Sender einen Kanal an, auf dem die Handlung beschrieben wird. Für einen Sehenden ist das lächerlich bis nervig. Und jetzt stellen Sie sich mal vor, das macht einer im Kino. Nicht etwa, weil die Sitznachbarn blind wären. Nein, manche Kinobesucher haben einfach das Bedürfnis, unmittelbar und laut wiederzugeben, was sie gerade sehen oder oder denken oder ihre Mutmaßungen abzulassen, was gleich passieren wird – auch wenn das keinen interessiert. Besonders aufregend wird es, wenn diese Menschen der Handlung nicht folgen können. Letztens zum Beispiel in einem Programmkino. Ein älteres Pärchen. Die Frau sagt zu ihrem Mann Sätze wie: „Ach, das ist der vom Anfang! Ach, das ist ja der Chef! Der bringt sich gleich um!“ Der Mann neben ihr brummt nur. Wäre man nicht so angepisst davon, dass man sich nicht auf den Film konzentrieren kann, könnte man sich einen Spaß aus der Szene machen. Doch wenn man was sagt, fängt man sich nur böse Blicke und ein „Jaja“ ein – und kurz darauf geht das Spiel von vorne los. Währenddessen müssen zwei Quatschtanten hinter einem ständig die Einrichtung der Zimmer im Film kommentieren.

Der Film hieß übrigens A Most Violent Year

Kino – Rückblick 2014 und Ausblick 2015

Disney

Disney

2014 war ein gutes Kinojahr. Ein sehr gutes sogar. Und das Beste: Endlich ist diese unsäglich-aufgeblasene Hobbit-Trilogie zu Ende gegangen. Jetzt kann sich Peter Jackson etwas Vernünftigerem widmen, zum Beispiel dem nächsten Tim und Struppi-Film. Aber fangen wir noch mal von vorn an: Das Kinojahr begann mit einer starken Auswahl zur Oscarverleihung (einige der nominierten Filme kamen bei uns erst in diesem Jahr raus). Dann legte Wes Anderson mit Grand Budapest Hotel ein weiteres Meisterwerk vor. Boyhood war ein nettes Filmchen – wird aber von den Kritikern zu sehr gehypt. Captain America überraschte uns damit, wie zeitgemäß ein altbackener Held sein kann. Und Bryan Singer hat mit seiner Rückkehr zu den X-Men in ihrem siebten Film dem Franchise zu neuer Höhe verholfen. Unerwartet gut debütierten die bis dato unbekannten Guardians of the Galaxy – damit bewies Marvel am besten, dass es Blockbuster mit Mut zum Frischen und Unbekannten produzieren kann. Und Planet der Affen: Revolution war auch ganz unterhaltsam.

Im Herbst verstörte uns David Finchers Gone Girl so nachhaltig, dass wir seitdem Angst haben, das Bett mit einer Frau zu teilen. No Turning Back war mal wieder ein schönes Kammerspiel im Buried-Stil. Chadwick Boseman lehrte uns in Get On Up, James Brown als den Godfather of Soul zu verehren. Und Jake Gyllenhaal erschreckte uns in Nightcrawler, indem er die Fratze der Fernsehnachrichten zeigte und beerbte damit „Taxi Driver“ Robert DeNiro. Im Genre Dokumentation beeindruckten die Fotos von Sebastiao Salgado (im ansonsten drögen Das Salz der Erde von Wim Wenders) und Nick Cave als Selbstinszenierer in 20.000 Days On Earth (zugegeben: nur eine halbe Dokumentation).

Doch es gab auch einige Enttäuschungen: Interstellar, The Amazing Spider-Man 2, Snowpiercer, American Hustle und vor allem Her. Christopher Nolan sollte sich künftig weniger wichtig nehmen, das würde seinen Filmen mehr Leichtigkeit verleihen. Spider-Man steckt seit seinem Reboot zu sehr in der Wiederholungsschleife fest und bleibt hinter den Standards zurück, die Marvel sonst mit seinen Superheldenfilmen setzt. Snowpiercer war bei weiten nicht so genial wie die Kritiker behaupteten, im Gegenteil: eigentlich eine stupide Keilerei in einem sinnfreien Szenario, das selbst als Allegorie nicht viel hergibt. Was an American Hustle toll sein soll, ist uns schleierhaft. Und Her war mit Abstand der langweiligste Film des Jahres – aber leider hielt uns der Ärger vom Einschlafen ab.

  1. Nightcrawler
  2. Grand Budapest Hotel
  3. All Is Lost
  4. The Wolf of Wall Street
  5. Nebraska
  6. Gone Girl
  7. Get On Up
  8. Guardians of the Galaxy
  9. Captain America
  10. X-Men: Zukunft ist Vergangenheit
  11. Planet der Affen: Revolution
  12. No Turning Back

Das neue Kino-Jahr wird vielversprechend: Wir kriegen viel Science Fiction, Dinos und vor allem viele Superhelden geboten. Doch zunächst die Award-Season. St. Vincent (8.1.) soll mal wieder Bill Murray in Bestform zeigen. Der große Trip – Wild (15.1.) ist ein Wanderer-Drama mit Reese Witherspoon und Oscar-Potenzial. Eine Woche später läuft The Imitation Game mit Benedict Cumberbatch als Mathematiker Alan Turing an.

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Hauptsache alles drauf

nightcrawler

Wer würde schon einen Dieb einstellen? Niemand. Deshalb muss der Dieb auf selbständiger Basis arbeiten. Aber der Dieb braucht auch Hehler. Ein Metalldieb wird auf dem Schrottplatz sein Zeug los. Der Sensationsgeier beim Fernsehen. Der Film Nightcrawler zeigt eine solche Karriere, vom Metalldieb zum Lieferant von Filmmaterial, das von Tatorten und Unfallstellen stammt. Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) ist unser Antiheld, ein seltsamer Einzelgänger und ein Versager, aber alles andere als dumm. Man fragt sich, warum er es zu nichts gebracht hat, bei so einer schnellen Auffassungsgabe. Aber er ist wohl ein Spätzünder, der sein Talent erst spät entdeckt.

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Wichtig ist nicht immer richtig

citizenfour

Es gibt Filme, die allein von ihrem Thema profitieren. Weil es gerade „aktuell“ oder gar „wichtig“ ist, färbt es auf das Werk ab, das davon handelt. Die Doku Citizenfour ist ein Paradebeispiel dafür. Lobeshymnen erklingen für den Snowden-Film, der ja so authentisch und erschreckend und ach so … wichtig ist – jaja … Nüchtern betrachtet bietet dieser Film nichts Neues – bis auf die Bilder zu den Interviews, die Basis für die Berichte im vergangenen Jahr waren. Doch es sind Bilder ohne Mehrwert. Stümperhaft (oder gewollt unruhig, aber nervig) gefilmt sieht man ein paar Gesichter in Nahaufnahmen und einen Snowden, wie er sich in seinem Hotelzimmer die Haare richtet, sich paranoid unter einer Decke versteckt, wenn er sein Passwort eingibt, oder gedankenverloren aus dem Fenster schaut. Der Nebeneffekt: Anders als es Snowden wollte (und im Film ständig beteuert) rückt die Doku die Person in den Vordergrund statt sich darum zu kümmern, die Umstände, die diese anprangert, näher zu beleuchten. So fragt man sich nach fast zwei Stunden Laufzeit, warum man sich diesen drögen, oberflächlichen und zähen Film angetan hat, wenn man hinterher so schlau ist wie zuvor.

Odyssee durchs Wurmloch

interstellar

Man nehme Kubricks 2001, füge die Essenz von Zemeckis‘ Contact hinzu und garniere das Ganze mit Boyles Sunshine – dann hat man Nolans Interstellar. Ein Drei-Stunden-Schinken über eine Odyssee von Weltraumfahrern, die eine neue Heimat für die Menschheit suchen, weil die Erde eingeht. Man könnte auch sagen, es gehe um einen alleinerziehenden Vater, der für die Sicherheit seiner Kinder sorgt. Oder: Eine Pionierfahrt zum Zwecke der Landnahme angesichts der drohenden Apokalypse. Und wie so oft verlangt Nolan seinen Zuschauern überdurchnschnittlich viel Geisteskraft ab. Dieses Mal sollte man einmal Einstein oder Hawking für Dummies querlesen, damit man das mit der Relativität und Wurmlöchern auf die Reihe kriegt, um da durchzusteigen. Aber das ist nur der pseudowissenschaftliche Anspruch. Ähnlich wie bei Batman Begins versucht Nolan zwar, das Fantastische möglichst glaubwürdig zu machen. Aber hier sind die Erklärungen so abgehoben, dass der Normalzuschauer ohnehin nicht folgen kann – und auch nicht muss. Denn zum Schluss machen es sich die Brüder Nolan allzu einfach mit der Lösung des Rätsels und bemühen (ACHTUNG SPOILER!!!) die gute alte Zeitschleife (und damit eine Paradoxie), um ihrer Story einen halbwegs interessanten Twist zu verleihen.

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Frau aus dem Haus

Gone Girl

Jetzt ist sie weg – weg! Und ich bin wieder allein, allein …

David Finchers neuester Streich, Gone Girl, ist mal wieder super-clever geraten: Kommt daher wie ein Krimi, dann wie ein Thriller, ist aber nichts als ein hochaufgeladenes Drama über die Ehe – und zugleich eine Abrechnung mit ihr. Paare sollten ihn sich nicht in einer Reihe mit Zeiten des Aufruhrs ansehen.

Kaum war der Film aus und das Kinopublikum strömte während des Abspanns auf den Ausgang zu, da war schon der erste Zank zu hören: „Ich habe ja gar nicht gesagt, dass der Film schlecht war!“, blafft eine junge Frau ihren männlichen Begleiter an. Ich habe nicht mehr gehört, wie das Gespräch weiterging, aber die Stimmung war ziemlich aufgeheizt. Ich dachte an irgendeinen Fall gestörter Kommunikation, ein banales Missverständnis, das vielleicht zu einem Streit, vielleicht zu einem versauten Abend führen würde. Und so unnötig es erschien, so verständlich war es auch. Denn dieser Film, Gone Girl, wühlt auf, hinterlässt Spuren, wenn nicht gar Narben. Paare sind besonders gefährdet.

Denn er hat eine Wirkung wie sie zuvor nur Filme wie Zeiten des Aufruhrs oder Bücher wie Goethes Wahlverwandtschaften hatten. Gone Girl konstruiert vielleicht einen Extremfall, aber erschüttert zugleich auch das Konzept der Ehe so sehr, dass man seine Zweifel daran bekommen könnte, ob Männer und Frauen (oder die gleichgeschlechtlichen Äquivalente) überhaupt zusammenpassen – oder ob sie sich nur zusammenraufen. Ehe ist hier Arbeit, harte Arbeit, so hart, dass man sich fragen kann, ob sie die Mühe wert ist usw.

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Eine Dreieckstragödie

Wer den Urlaub genießt, will, dass er nie aufhört: Müßiggang, ein bisschen Kultur und viel kulinarischer Genuss. So geht es auch unserem Pärchen in dem Film Die zwei Gesichter des Januars: Chester (Viggo Mortensen) und Colette (Kirsten Dunst) sind im Athen der 60er Jahre unterwegs und schauen sich die antiken Ruinen an, als ihnen der junge Fremdenführer Rydal (Oscar Isaac) über den Weg läuft. Der Mann starrt ein wenig auffällig – vor allem scheint er sich für die Frau zu interessieren. Er selbst sagt, dass ihn der Chester an seinen Vater erinnere, der vor kurzem gestorben sei und dessen Begräbnis der Sohn gemieden hat. Der junge Mann verbringt Zeit mit dem Paar, führt sie rum, bescheißt sie ein wenig, aber ohne größere Schäden – denn Geld haben sie ja genug.

Doch offenbar ist das nicht ehrlich erworben: Eines Abends steht ein Privatdetektiv vor der Hoteltür des Paares und fordert von Chester, der Anlageberater ist, das Geld seiner betrogenen Klienten zurück. Es kommt zum Kampf, der Detektiv stirbt – und unser Held hat eine Menge Ärger am Hals. Er flieht mit seiner Frau, der junge Mann begleitet sie und versucht, ihnen mit neuen Pässen zu helfen. Unterwegs kommt es zu einer Dreiecksgeschichte mit Eifersüchteleien und Gewalt – die Sache gerät zur Tragödie.

Regisseur und Drehbuchautor Hossein Amini (Drive) hat den Roman von Patricia Highsmith zu einem flüssigen, stringenten Film gemacht, der die Balance zwischen Drama und Thriller schafft, ohne allzusehr in Reißerisches oder Melodramatisches abzudriften. Vielmehr wird die Odyssee dreier Leute gezeigt, die sich schon längst in der Fremde verloren haben und nun alles dafür tun, um aneinander kaputt zu gehen. Hier und da hätte man sich vielleicht ein paar tiefere Einblicke in die Charaktere gewünscht, so bleiben neben Viggo Mortensen die beiden anderen Rollen etwas zurück und die Verknüpfung, die zwischen Rydals Vater und Chester gezogen wird, ist etwas bemüht und bleibt oberflächlich. Dennoch: Ein unterhaltsames, kurzweiliges Filmvergnügen.

Seichte Bilderfluten

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Es gibt Filme, die so vorhersehbar sind, dass man sich die Frage stellt, warum es sie überhaupt gibt. Zum Beispiel bei Remakes und Reboots. Warum macht sich ein ambitionierter Filmemacher die Mühe, ein Drehbuch zu schreiben und hunderte Millionen Dollar zu verprassen, um eine Geschichte zu erzählen, die erstens jeder kennt, die zweitens schon ein Dutzend mal erzählt wurde und die drittens keinen nennenswerten Neuansatz bietet. So geschehen bei Darren Aronofskys Noah. Nach visionären Filmen wie Pi, Requiem for a Dream und The Fountain, sowie Publikums- und Kritikerlieblingen wie The Wrestler und Black Swan hat das Regietalent einen biblischen Stoff neu verfilmt. Der Cineast ist skeptisch ob des Themas, aber neugierig, da immerhin ein fähiger Mann verantwortlich war. Also gut: Man setzt sich – die anderen fünf Filme in guter bis sehr guter Erinnerung – mit allerhand Vorschusslorbeeren ins Kino und erwartet etwas für seine 12 Euro, die die Karte dank Überlänge und 3D-Zuschlag kostet.

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