kino

Alles andere als amazing

Amazing Spider-Man

Der Film The Amazing Spider-Man 2 bietet zwar großes Spektakel, bleibt aber wie sein Vorgänger ein sehr durchschnittlicher Superheldenfilm, der sich zu sehr auf Altbewährtes und Klischees verlässt.

ACHTUNG: SPOILER!!!

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Es fährt ein Zug nach nirgendwo

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Der dystopische Film Snowpiercer hat noch vor Kinostart für Aufsehen gesorgt, manche sehen darin das nächste große Ding. Doch leider bleibt der Film zu geradlinig, zu sehr alten Formeln verhaftet und ermüdet durch lange Kampfszenen. Das alles hat man schon mal besser gesehen.

Stellen wir uns vor, die Welt würde vereisen. Dann müssten sich die Menschen, die die Katastrophe überlebt haben, irgendwo vor der Kälte in Sicherheit bringen. In gut isolierte Gebäude, Passivhäuser vielleicht. Oder, wenn das nichts hilft, in den Untergrund, weil es im Erdinneren bis auf absehbare Zeit warm bleiben dürfte. Oder aber man macht sich mobil, wie zum Beispiel in einem Zug, der um die ganze Welt fährt. Ja, warum denn nicht mal ein Zug, als Arche für Mensch, Tier und Pflanzen?

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Gesellschaft in Angst

12 Years A Slave

Der Film 12 Years A Slave ist zurecht gelobt und geehrt: Regisseur Steve McQueen hat alles richtig gemacht. Ihm ist ein Werk über die Sklaverei in den USA gelungen, das beim Zusehen wehtut und zugleich zutiefst befriedigt, dass es so einen Film gibt. Ein emotionales und ästhetisches Erlebnis – ohne viel Pathos.

Da ist man ein geachteter Bürger, spielt Violine und hat eine Familie, man bekommt einen Auftrag, geht auf Tournee und nach ein paar Bechern Wein zuviel wacht man im Kerker auf – angekettet. Im Falle von Solomon Northup ist es keine Ausnüchterungszelle, sondern die Gefangenschaft in Sklaverei. Er kann noch so sehr protestieren und beteuern, das sei ein Missverständnis, er sei ein freier Mann und gehöre nicht hierher. Die Typen, die ihn festhalten, interessiert an diesem Menschen nur, was er wohl auf dem Markt bringt. Auf dem Schwarzmarkt wohlgemerkt – und das hat hier leider zwei Bedeutungen.

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Kapitalismus als Party

The Wolf of Wall Street

So macht Geldverdienen Spaß: Schamlos. Ohne Hemmungen, Moral und Realitätsbewusstsein. Martin Scorsese führt in seinem Film The Wolf of Wall Street den Kapitalismus als Drogenrausch vor. Und das so exzessiv, dass man sich der Verlockung kaum entziehen kann. Auch wegen seines grandiosen Hauptdarstellers: Leonardo DiCaprio.

Okay, wir kennen die Börse als Casino, als Ort der Zocker, der Gierigen und der Abgebrühten. Doch Jordan Belfort zeigt uns die Wall Street als Hochburg der Maßlosigkeit. An den Telefonen seiner Firma, Stratton Oakmont, herrscht eine aggressive Stimmung: Die Verkäufer reißen sich wie die Wölfe um ihre Kunden, sie überreden sie, verführen sie und lassen nicht eher los, bis sie einwilligen. Und sie willigen oft ein. So oft, dass in den Pausen stets Euphorie herrscht: Party, Paraden, Exzesse mit Drogen und Nutten. Und ganz vorne mit dabei ist Jordan Belfort, ein junger Broker, der das Rezept für das ganz große Geld gefunden hat und nun nichts tut, als ständig die Ernte einzufahren.

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Der Eine-Million-Dollar-Film

Nebraska

Alte Säcke unterwegs, Teil 2. Nachdem ich in der vergangenen Woche Robert Redfords Segeltrip gelobt habe, ist nun Nebraska dran, in dem es wieder um einen Greis auf Reisen geht. Und wie man es von Regisseur Alexander Payne gewohnt ist, wird der Film jeder Oscar-Nominierung gerecht.

Man kennt das: „Sie haben gewonnen!“, heißt es auf irgendwelchen Wurfsendungen oder Werbebannern im Internet. Anders als sonst im Leben, wo man sich immer an der falschen Kasse anstellt, ist man hier immer der Glückliche, der ein Vermögen oder ein Auto bekommen soll, einfach so, obwohl man nichts dafür getan hat. Manchmal ist es auch eine heiße Braut, die einen „anchattet“, weil sie sich für mich und nur für mich interessiert, obwohl sie mich noch nie gesehen hat.

Der aufgeklärte Bürger weiß natürlich: Das ist Betrug. Aber aus irgendeinem Grund wird die Masche immer noch durchgezogen. Offenbar muss es ein paar Idioten geben, die immer noch darauf hereinfallen. Zum Beispiel alte Menschen. Von einem solchen Fall erzählt Alexander Payne in seinem neuen Film Nebraska. Woody Grant, ein seniler Greis, fährt von Montana nach Nebraska, um sich dort einen Gewinn von einer Million Dollar abzuholen – wobei zweifelhaft ist, ob er ihn bekommt. Das heißt, er fährt nicht allein, sein Sohn nimmt ihn mit, weil der Alte sich die Sache weder ausreden noch sich davon abhalten lässt, allein loszumarschieren. Unterwegs kommen Vater und Sohn im Heimatort der Familie unter, wo Verwandte und Bekannte, als sie von dem Gewinn hören, plötzlich Ansprüche anmelden.

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Ein Mann, ein Boot, ein Ozean

All Is Lost

Das Kinojahr 2014 fängt gut an: Das Überlebensdrama All Is Lost mit Robert Redford in der Haupt- und einzigen Rolle, hält, was es verspricht: Ein konzentriertes Kammerspiel, das sich in die Reihe von Cast Away und Gravity stellt. Ganz großes Kino!

Ein Geständnis: Ich habe Der alte Mann und das Meer nicht beendet. Ja, ich weiß, es gehört zu diesen Muss-man-gelesen-haben-Büchern, Hemingway hat dafür den Nobelpreis bekommen und außerdem ist es ja nur 120 Seiten lang. Aber für mich waren es die 120 längsten Seiten meines Lebens – nach etwa der Hälfte konnte ich nicht mehr. Die Geschichte von diesem Fischer, den ein Fisch aufs Meer hinauszog, war so langweilig, so schwülstig, dass ich mich ständig fragte: Wen interessiert der Scheiß? Ich brach die Quälerei ab und las lieber Paris – Ein Fest fürs Leben, den besseren Hemingway.

Jetzt kommt Robert Redford. Sein neuester Film, All Is Lost, scheint auf den ersten Blick eine ähnliche Geschichte sein: Ein alter Mann, ein Boot, der Ozean. Aber mit dieser Ausgangslage macht Regisseur und Drehbuchautor J. C. Chandor (Margin Call – Der große Crash, 2011) alles richtig: Er belässt es dabei. So ist der Film ein Meisterwerk der hohen Tugend Sparsamkeit geworden. Es gibt keinen Prolog mit Vorgeschichte, keinen Epilog, keine Rückblenden, keine Erzählstimme und vor allem keine Dialoge – mit wem auch? Es gibt nur diesen Mann, sein Boot und den Ozean – und das ist genug für packende 100 Minuten Film.

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Untote Hedonisten

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Der amerikanische Independentfilm gilt als tot. Schlechte Zeiten für Autorenfilmer wie Jim Jarmusch. Und dennoch hat er es geschafft, innerhalb von vier Jahren einen neuen Film zu drehen. Dass es Jarmusch für Only Lovers Left Alive ins Vampirgenre verschlagen hat, könnte man in Zeiten der (abflauenden) Twilight– und True Blood-Hysterie fast opportunistisch nennen. Als wäre der Independentfilm nur möglich, wenn er einen Kompromiss mit dem Mainstream schlösse. Und doch wäre Jarmusch nicht Jarmusch, wenn er nicht einen ganz massenunkompatiblen Film gedreht hätte. Hier beweisen die Vampire, dass der amerikanische Independentfilm doch nicht so tot ist – bestenfalls untot.

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Hollywood am Puls der Zeit

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Original und Fälschung: Julian Assange

The Social Network, Zero Dark Thirty, Inside WikiLeaks – immer mehr Kinofilme widmen sich aktuellen Ereignissen. Häufig beeilen sich die Produzenten, die Stoffe zu adaptieren, um von der Bekanntheit von Marken zu profitieren. Die Nähevon Filmen zur Zeitgeschichte ist zwar nichts Neues, könnte sich aber als überstürzt erweisen.

Eigentlich kann man keine Biografie über jemanden schreiben, wenn er noch lebt – außer es ist das eigene Leben, das man beschreibt. Country-Ikone Johnny Cash hat es gleich zwei Mal gemacht: Im Jahr 1975 veröffentlichte er Man In Black, 22 Jahre später Cash: The Autobiography. Beide Bücher dienten als Vorlage für den Film Walk The Line, der im Jahr 2005 erschien – nur zwei Jahre nach dem Tod des Musikers. Ray Charles war immerhin noch an der Produktion seines Biopics beteiligt, konnte aber nicht mehr an der Eröffnungssequenz mitwirken, weil er einige Monate vor der Premiere des Films starb. Keine Frage: Der Film ist gut, aber der Tod des Musikers im Juni 2004 hat dem Erfolg des Films Ray, der im Oktober desselben Jahres herauskam, gut getan – man kann sagen: Er kam gerade zur rechten Zeit.

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Schatz ohne Boden

Die Liste der Woche: Die vielen Versionen des Herrn der Ringe
Der Chef von Warner mit seinem Schatz. (Szene aus Herr der Ringe)

Der Chef von Warner mit seinem Schatz.

Es ist schon seltsam. Da werden drei Filme gedreht und man bittet die Fans zehn Mal zur Kasse: Zuerst im Kino, dann erscheinen mindestens neun Versionen davon auf DVD und Blu-ray. So geschehen bei Der Herr der Ringe. Immer wieder hecken sich die Marketing-Futzis von Warner neue Ideen aus, wie sie noch einmal Geld mit dem gleichen Produkt machen können. Da gibt es eine Kinoversion und eine Extended Edition, da gibt es mal Bonusmaterial und mal keins und dann noch einmal mehr Bonusmaterial. – Ein Wahnsinn! Wahrscheinlich sind nur von Star Wars mehr Fassungen erschienen. Vom Herrn der Ringe fehlt nur noch die nachträglich erstellte 3D-Version. Damit kann man die Filme erneut im Kino zeigen und dann wieder auf DVD, Blu-ray und 3D-Blu-ray – und das alles zwei Mal: Kino- und Extended-Version. Super! Wieder sechs Veröffentlichungen mehr! Gleich alles richtig gemacht hat man es beim ersten Teil des Hobbits. Da gibt es schon im Kino drei Fassungen: 2D, 3D und 3D HFR. Und wie gut, dass noch zwei weitere Teile herauskommen. Zum Kinostart ist alles noch mal „extended“ rausgekommen. Dabei ist die Buchvorlage doch so dünn! Irgendwo sitzt der CEO von Warner in seiner dunklen Höhle und lacht sich ins Fäustchen: „Mein Schatz!“

Hier eine Dokumentation der bisherigen Erscheinungen (wenn etwas fehlt, bitte melden):

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Serielles Kino auf dem Smartphone

Versuche über die TV-Serie, Teil 6: Wie man Serien richtig schauen sollte

Fernsehen ist nicht mehr an Fernseher gebunden. Während einerseits die heimischen Bildschirme immer größer werden und sich das Heimkino dem Kino annähert, gibt es andererseits den Trend zu kleinen Bildschirmen auf mobilen Endgeräten wie Tablets und Smartphones. Jeder schaut Filme und Serien, wie und wo er möchte. Doch welche Folgen hat das? Und gibt es so etwas wie eine Ethik des richtigen Schauens? Klare Antwort: JA!

Klassiker erkennt man daran, dass man sie zitieren kann. Es gibt diese Sätze, die Geschichte machen. Wie zum Beispiel, wenn Al Pacino in Der Pate zu seiner Frau sagt: „Frag mich nie nach meinen Geschäften.“ Das sitzt, das bleibt haften, kaum ein Cineast, der diesen Satz nicht kennt. Doch die junge Generation zitiert heute wie: „I am not in danger. I am the danger.“ Oder: „I am the one who knocks.“ Es sind Sätze aus der Serie Breaking Bad. Auf YouTube findet sich ein Video, auf dem der Schauspieler Samuel L. Jackson den ganzen Monolog von einer Minute in seine Webcam spricht. Er tat dies, um Werbung für eine Spendenaktion zu machen.

Die Tatsache, dass ein Hollywood-Star den Monolog aus einer Serie nicht nur aufsagt, sondern mit diebischer Freude in seiner Freizeit nachspielt, spricht für sich. Serien sind das neue, das ganz große Kino. Dort werden die neuen Klassiker gezeigt, die wir noch in 30 Jahren zitieren. Gestandene Regisseure wie Martin Scorsese oder David Fincher drehen Pilotfolgen für Fernsehserien wie Boardwalk Empire und House of Cards. Steven Soderbergh hat seinen Liberace-Film für den US-Kabelsender HBO gedreht und in Deutschland lief das Werk im Kino. Auch die Coen-Brüder planen bereits ihren ersten Fernsehfilm, Harve Karbo, eine Detektivgeschichte.

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