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Ein Käfig voller Hühner

Orange is the New Black

Die Serie Orange Is the New Black ist neben House of Cards das zweite Flaggschiff des VOD-Dienstes Netflix. Mit einer ausgewogenen Mischung aus Komödie und Drama behandelt sie den Alltag in einem Frauenknast. Und der ist offenbar nicht so schlimm, wie man denkt. Abgesehen von einigen Ausnahmen.

Man sieht es der dünnen blonden Frau mit ihren großen Augen und ihrem verhuschten Wesen gleich an, dass sie nicht hierhergehört. Und dennoch trägt sie diesen orangen Overall, der sie als Neuling im Frauenknast deklariert. Einer der wenigen Farbtupfer an einem Ort, dessen Farbpalette von grau bis beige reicht. Von jetzt an gilt: „Orange Is the New Black“, so der ironische Titel der Serie, der klarmacht, dass es um einen Ort geht, an dem Mode keine Rolle spielt. Vorbei das Leben, wie sie es kannte.

Für unsere Heldin, Piper Chapman, war es bisher kein übles: Sie war verlobt mit einem Autor und vertrieb mit ihrer Freundin selbstgemachte Pflegeprodukte. Nun muss Chapman für ein Jahr ins Gefängnis, weil sie einmal vor zehn Jahren als Kurier für Drogengeld fungiert hat. Zwei Jahre später wäre die Tat verjährt. „Ich arbeite hier seit 22 Jahren und verstehe immer noch nicht, wie das System funktioniert“, sagt Chapmans Betreuer Healy. „’ne Crackdealerin kriegt neun Monate. Und ’ne Frau, die versehentlich beim Einparken den Postboten anfährt, die bekommt vier Jahre. Der Arme hat sich das Schlüsselbein gebrochen, aber trotzdem: ich versteh’s einfach nicht.“

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Ein Käfig voller Arschlöcher

Versuche über die TV-Serie, Teil 5: Oz – Die erste Autorenserie von HBO

Oz (HBO)

Die Geschichte der großen seriellen Epen beim US-Kabelsender HBO beginnt mit Oz (1997-2003). Die Gefängnisserie von Tom Fontana setzte Maßstäbe in Sachen Realismus und einer drastischen Darstellung im Fernsehen. Damit war sie Vorläufer für The Wire. Leider wird das kaum wahrgenommen – vor allem in Deutschland nicht, da sie hierzulande nie ausgestrahlt wurde.

Es zeugt schon von einer gewissen Ironie, dass ein Autor, dem alle Freiheiten dabei gelassen werden, eine Serie zu erschaffen, die Handlung ausgerechnet in einem Gefängnis spielen lässt. So hat es Tom Fontana mit Oz gemacht. Sie ist die erste „Qualitätsserie“, die der US-Kabelsender HBO in Auftrag gegeben hat. Zwei Jahre vor den Sopranos (im Jahr 1997) wurde dem Autor freie Hand gelassen, was für eine Serie das sein sollte. Einzige Vorgabe: Die Charaktere mussten nicht sympathisch, aber interessant sein. Fontana schwärmt, dass der Tag, an dem er den Freischein erhielt, der glücklichste in seinem Leben gewesen sei.

Das Ausmaß dieses Glücks ist leichter zu verstehen, wenn man sich bewusst macht, wie prüde damals das Broadcast-Fernsehen in den USA war: Als Fontana in den 80ern noch für die Krankenhaus-Serie St. Elsewhere schrieb, musste er sogar darum kämpfen, das Wort „Hoden“ benutzen zu dürfen. Und dann, ein Jahrzehnt später, begann das Kabelfernsehen mit selbstproduzierten Serien erstmals von seiner Freiheit Gebrauch zu machen, Sex, Gewalt und vulgäre Sprache zu zeigen. Ein Befreiungsschlag, der sich im Knast vollzog.

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