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Aus großer Macht folgt Größenwahn

Netflix

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Es gibt diese Szene bei Breaking Bad, in der der DEA-Agent Hank Schrader seinem Neffen Walter Jr. ein Buch schenkt (S03E08, „I See You“). Es handelt von den Agenten, die den kolumbianischen Drogenboss Pablo Escobar verfolgt haben. Hank bedauert, dass es immer nur die Bösen seien, die die Aufmerksamkeit bekämen, nie die Guten. Das ist natürlich ein Kommentar zur Serie: alle lieben den Schurken Walter White, der Anständige Ermittler Hank ist bloß Mittel, um die Handlung spannend zu machen. Spätestens seit Al Capone und den Corleones sind Mafiosi die interessanteren Charaktere als die Unbestechlichen. In der Realität sollen die Guten gewinnen, in der Fiktion fasziniert das Böse.

So ist es auch mit Narcos. Die neue Netflix-Serie erzählt von Aufstieg und Fall Escobars und den Männern, die ihn bekämpft haben. Ähnlich gleichberechtigt wie bei The Wire werden die beiden Seiten dargestellt, wobei Narcos wegen seines Erzählers aus dem Off und den eingestreuten Originalaufnahmen noch dokumentarischer wirkt als Baltimores großes Drogen-Epos. Allerdings ist die Serie mehr als bloßes Reenactment. Erzähler ist zugleich der Protagonist, der DEA-Agent Steve Murphy. Doch leider erweist sich der Ansatz als größtes Manko der ansonsten gelungenen Serie und beweist einmal mehr, dass die Schurken die besseren Helden sind. Denn Murphy ist nicht nur ein fader Charakter, ein Milchbubi, der gerne der tough guy wäre und in der Drogenhölle Kolumbiens zum bad cop mutiert, aber selbst in all den Jahren im Ausland es nicht fertig bringt, Spanisch zu lernen. Man kann ihn nicht ernst nehmen – ganz zu schweigen davon, dass man sich schwerlich für diesen langweiligen Durchschnittsamerikaner interessieren kann. Selbst sein Partner Javier Peña wirkt sympathischer.

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