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Münchner Fragmente #2: Zeit

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Dass Zeit gleich Geld ist, kann man am besten vor dem Apple Store beobachten, wo bereits vier Tage vor dem Verkaufsstart eines neuen Geräts Camper anzutreffen sind. Sie zahlen nicht bloß 739 bis 1069 Euro dafür, dass das iPhone 6 nun ein „S“ im Namen trägt, (was bereits viel Arbeitszeit kostet) sondern auch mit dem Einsatz von Lebenszeit. Mindestens vier Tage. Das sind 92 Stunden. Das fast so viel wie man für eine Luxus-Ausgabe des iPhones arbeiten muss – bei einem Stundenlohn von zehn Euro. Sie zahlen also eigentlich das Doppelte, nur um die Ersten zu sein, die ein Gerät besitzen dürfen. Um privilegierte Kunden zu sein, nehmen sie die größten Strapazen auf sich, bringen die größten Opfer. Insofern darf man diese Konsumopfer, die in freiwilliger Obdachlosigkeit vor dem Apple Store ausharren, als die ärmsten Mitglieder der Wohlstandsgesellschaft bemitleiden. Ein Ausdruck christlicher Nächstenliebe wäre es, ihnen ein bisschen Lebensinhalt zu schenken, um ihren Kauf vielleicht mit etwas Sinnvollem anzureichern. Vielleicht könnte man sie mit ein paar Flüchtlingen bekannt machen. Das wäre bestimmt für beide Seiten bereichernd. Ganz zu schweigen von dem Beitrag zur Integration.

Berliner Fragmente #21: Todschick

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Der Marktschreier kommt als nobler Geschäftsmann daher. Im zerknitterten, grau-kariertem Anzug steht er vor dem Laden im Wedding, zwischen billigen Handtaschen und Schuhen, Bettwäsche und Zuckerspendern. Ein Mikrofon in der rechten Hand, die linke in Dienerhaltung vor der schwarzen Weste, in seinem mageren Gesicht ein aufgesetzt-freundliches Lächeln. Mit heiserer Stimme preist er einem abwesenden Publikum von Damen seine Waren und Preisnachlässe an. Zehn Euro für drei Kleidungsstücke. Nur wenige finden den Weg hinein.

An der Ecke gegenüber steht ein Ladengeschäft leer. Nur noch die Schilder künden von einem „Fashion Outlet“. Ein Schriftzug wirbt für die Neueröffnung, ein anderes für den Räumungsverkauf, während die Fenster mit Werbe-Plakaten beklebt sind. An der Seite, wo noch von Taschen und Schuhen zu lesen ist, kann man noch die Spuren des Vormieters erkennen: eines Bestattungsinstituts.

Dauerpreisrutsch bei Amazon

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Es ist mal wieder soweit: Zur Haupteinkaufszeit des Jahres sind mal wieder die Schnäppchenjäger unterwegs, um bei all den Weihnachtsgeschenken, die sie besorgen müssen, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Auch wenn uns für die Liebsten nichts zu teuer ist, müssen wir als Normalbürger auch auf die Finanzen achten. So legt man seine Amazon-Wunschliste an und prüft täglich gewissenhaft die Preise. Dort ist es wie überall: Mal gehen sie rauf, mal gehen sie runter. Doch schenkt man Amazon Glauben, gehen die Preise nur runter. Dazu benutzt das Unternehmen einen Trick.

 

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