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American Sniper: Toller Tonschnitt!

Warner Bros.

Warner Bros.

Einmal alle politische Kritik beiseite gelassen: Der große Wurf ist American Sniper nicht geworden. Clint Eastwood hat ein enttäuschend einfallsloses Biopic über einen Scharfschützen gedreht. Filmkunst sucht man vergeblich. Bis auf den unnötig pathetischen Abspann, in der Heldenverehrung betrieben wird, wirkt American Sniper schon fast nüchtern-dokumentarisch und unentschlossen. Für eine Satire wird nicht genug übertrieben, aber um ernst genommen zu werden, geht das Drehbuch nicht genug in die Tiefe. Scharfschütze Chris Kyle (Bradley Cooper) knallt – fast skrupellos – Leute ab, weil er an die gute Sache glaubt und das einzige, was ihn unruhig schlafen lässt, ist die Möglichkeit, dass er noch mehr seiner Kameraden hätte retten können. Was in ihm vorgeht, wenn er zu Hause dahockt und katatonisch vor sich hin starrt, bleibt schleierhaft.

Eastwood Einseitigkeit oder gar Rassismus vorzuwerfen, ist zu einfach. American Sniper ist kein Kriegsfilm wie Letters from Iwo Jima oder Flags of Our Fathers (das vielleicht fairste Kriegsfilmduo von 2006), sondern eine Biografie, er nimmt die Perspektive seiner Hauptfigur ein. Das allein ist nicht verwerflich, darum geht es bei solchen Filmen. Allein es fehlt an Inspiration, der den Funken für den Helden oder wenigstens den Stoff überspringen lässt. Aber von einem so alten und auch konservativen Regisseur noch Innovationen zu erwarten, wäre wohl zu viel verlangt. Insofern lässt sich mit einem Oscar für den besten Tonschnitt gut leben. Der Rest ist entbehrlich. Schade eigentlich: Seit Gran Torino und Der fremde Sohn (beide 2008) ist dem Altmeister kein guter Film mehr gelungen.

Berliner Fragmente #37: Frieden

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Es muss nicht immer Kriegsberichterstattung sein. Wir haben unseren Berlin-Korrespondenten eine schonungslose Reportage aus dem Friedensgebiet schreiben lassen.

Viktorias Feldzeichen ragt in einen grauen Himmel über Berlin. Kein Flugzeug zu sehen oder zu hören. Der einzige Lärm geht von den Auto- und Busmotoren aus, die vielspurig um die Siegessäule herumfahren. Ein polnischer Reisebus hält auf dem Kreisverkehr an, spuckt ein paar asiatische Touristen aus, sie knipsen ein paar Fotos vor dem Wahrzeichen und dem Tiergarten, steigen nach ein paar Minuten wieder ein und fahren weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit. In einem der vier Pavillons warten die Mitarbeiter eines Imbisses auf Kundschaft. Es ist kalt, sie frieren, einzig die wenigen Bratwürste auf dem Grill haben es warm. Der süßlich-saure Geruch von Glühwein hängt in der Luft. Aus Lautsprechern singt Elvis „Return to Sender“. Nur ein Tisch im Biergarten ist besetzt. Die Touristen, meist Familien, nehmen einen der Tunnel zum Zentrum des Kreisverkehrs, wo sie Viktoria, der Goldelse, näher sein können.

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