mission impossible

Schwierig, nicht unmöglich

Paramount Pictures

Paramount Pictures

Tom Cruise hat es immer noch drauf: Das fast Unmögliche möglich zu machen und das Publikum noch einmal mit einem klassischen Agentenfilm zu fesseln. Der fünfte Mission: Impossible-Teil ist mal wieder Action-Kino vom feinsten geworden. Wir sehen Ethan Hunt zu Beginn an einem abhebenden Flugzeug hängen, dann einen Kampf in der Oper bestehen, später im Wassertank beinahe ertrinken, noch später ein paar Überschläge mit einem Auto und einen Sturz auf dem Motorrad überleben (und zwar ohne große Blessuren). Ach ja, so lieben wir es. Dafür werden solche Filme gemacht: das Unmögliche möglich zu machen – und sei es nur für zwei Stunden auf der Leinwand.

Rogue Nation knüpft an alte Tugenden der Reihe an: Ethan Hunt und sein Team müssen gegen Widerstände in den eigenen Reihen kämpfen, während sie die Welt retten. Wurde im Vorgängerfilm das Team vom IMF verleugnet, wird der Konflikt hier zugespitzt, weil Hunt auf eigene Faust einem scheinbaren Phantom nachjagt und dabei vom CIA gesucht wird. Zugleich wird er unterstützt von einer Frau, von der man nicht sicher wissen kann, auf welcher Seite sie steht. Trotz dieser Steigerung kann Rogue Nation mit dem genialen Phantom Protokoll nicht ganz mithalten: Auch wenn es viel Humor und einige pfiffige Einfälle gibt, fehlt der Charme des Improvisierten, die Spannung, die durch die vielen Pannen und Fehlschläge entstehen und natürlich fehlt eine Mission Impossible vom Format einer Kletterpartie auf dem höchsten Gebäude der Welt. Auch das doppelte Finale ist etwas zu sehr in die Länge gestreckt und ohne nennenswerte Höhepunkte. Aber solange das Publikum die Luft anhält, während Tom Cruise auf Tauchgang geht, kann man sich eigentlich über nichts beschweren.

Es wird nur schwierig sein, diese ständige Selbstüberbietung im nächsten Teil zu toppen. Um es mit Benji Dunn zu sagen: Schwierig, aber nicht unmöglich.

Kino – Rückblick 2014 und Ausblick 2015

Disney

Disney

2014 war ein gutes Kinojahr. Ein sehr gutes sogar. Und das Beste: Endlich ist diese unsäglich-aufgeblasene Hobbit-Trilogie zu Ende gegangen. Jetzt kann sich Peter Jackson etwas Vernünftigerem widmen, zum Beispiel dem nächsten Tim und Struppi-Film. Aber fangen wir noch mal von vorn an: Das Kinojahr begann mit einer starken Auswahl zur Oscarverleihung (einige der nominierten Filme kamen bei uns erst in diesem Jahr raus). Dann legte Wes Anderson mit Grand Budapest Hotel ein weiteres Meisterwerk vor. Boyhood war ein nettes Filmchen – wird aber von den Kritikern zu sehr gehypt. Captain America überraschte uns damit, wie zeitgemäß ein altbackener Held sein kann. Und Bryan Singer hat mit seiner Rückkehr zu den X-Men in ihrem siebten Film dem Franchise zu neuer Höhe verholfen. Unerwartet gut debütierten die bis dato unbekannten Guardians of the Galaxy – damit bewies Marvel am besten, dass es Blockbuster mit Mut zum Frischen und Unbekannten produzieren kann. Und Planet der Affen: Revolution war auch ganz unterhaltsam.

Im Herbst verstörte uns David Finchers Gone Girl so nachhaltig, dass wir seitdem Angst haben, das Bett mit einer Frau zu teilen. No Turning Back war mal wieder ein schönes Kammerspiel im Buried-Stil. Chadwick Boseman lehrte uns in Get On Up, James Brown als den Godfather of Soul zu verehren. Und Jake Gyllenhaal erschreckte uns in Nightcrawler, indem er die Fratze der Fernsehnachrichten zeigte und beerbte damit „Taxi Driver“ Robert DeNiro. Im Genre Dokumentation beeindruckten die Fotos von Sebastiao Salgado (im ansonsten drögen Das Salz der Erde von Wim Wenders) und Nick Cave als Selbstinszenierer in 20.000 Days On Earth (zugegeben: nur eine halbe Dokumentation).

Doch es gab auch einige Enttäuschungen: Interstellar, The Amazing Spider-Man 2, Snowpiercer, American Hustle und vor allem Her. Christopher Nolan sollte sich künftig weniger wichtig nehmen, das würde seinen Filmen mehr Leichtigkeit verleihen. Spider-Man steckt seit seinem Reboot zu sehr in der Wiederholungsschleife fest und bleibt hinter den Standards zurück, die Marvel sonst mit seinen Superheldenfilmen setzt. Snowpiercer war bei weiten nicht so genial wie die Kritiker behaupteten, im Gegenteil: eigentlich eine stupide Keilerei in einem sinnfreien Szenario, das selbst als Allegorie nicht viel hergibt. Was an American Hustle toll sein soll, ist uns schleierhaft. Und Her war mit Abstand der langweiligste Film des Jahres – aber leider hielt uns der Ärger vom Einschlafen ab.

  1. Nightcrawler
  2. Grand Budapest Hotel
  3. All Is Lost
  4. The Wolf of Wall Street
  5. Nebraska
  6. Gone Girl
  7. Get On Up
  8. Guardians of the Galaxy
  9. Captain America
  10. X-Men: Zukunft ist Vergangenheit
  11. Planet der Affen: Revolution
  12. No Turning Back

Das neue Kino-Jahr wird vielversprechend: Wir kriegen viel Science Fiction, Dinos und vor allem viele Superhelden geboten. Doch zunächst die Award-Season. St. Vincent (8.1.) soll mal wieder Bill Murray in Bestform zeigen. Der große Trip – Wild (15.1.) ist ein Wanderer-Drama mit Reese Witherspoon und Oscar-Potenzial. Eine Woche später läuft The Imitation Game mit Benedict Cumberbatch als Mathematiker Alan Turing an.

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