oscar

Lob schafft keine Genies

Sony Pictures Classic

Sony Pictures Classic

Talent ist nur die halbe Miete. Die andere Hälfte ist Training. Im Film Whiplash wird diese Erkenntnis mit viel Blut, Schweiß und Tränen erkauft. Ein junger Drummer wird von einem unbarmherzigen, von Perfektion besessenen und launischen Lehrer zu Höchstleistungen gedrillt – mit Zuckerbrot und Peitsche. Aber von nix kommt nix – und bei allen fragwürdigen Methoden der Motivation ist doch etwas dran, dass Charlie Parker nie Bird geworden wäre, wenn man ihm nur gesagt hätte, er mache einen „good job“ … Der Film bietet zwei wunderbare One-Man-Shows: Oscar-Preisträger J. K. Simmons als Choleriker mit Herz ist ebenso bewundernswert wie das Schlagzeugspiel von Miles Teller. Beide spielen virtuos gegeneinander an, jeder in seiner jeweiligen Disziplin – und in dieser Spannung liegt der Reiz des Films. Der Rest ist Jazz. Cool.

Birdman, Birdman, Birdman, Birdman!

birdman

Es gibt noch Gerechtigkeit auf der Welt! Vier Oscars für Birdman: Film, Regie, Drehbuch, Kamera! Und alle so: YEAH! (Leider hat’s für Emma Stone nicht gereicht.) Wer ihn noch nicht gesehen hat, muss ihn nachholen. Wer ihn blöd findet, kann nach Hause gehen. Endlich wird bei den Academy Awards nicht nur die gute Absicht geehrt, sondern die Kunst – und darum sollte es doch beim Filmemachen gehen. Da lässt sich auch verschmerzen, dass auch die dröge Snowden-Doku Citizenfour ausgezeichnet wurde.

Schade, dass es bei Grand Budapest Hotel nur für die Nebenkategorien Szenenbild, Kostüm und Make-Up gereicht hat. Immerhin wurde Alexandre Desplat für seine Filmmusik geehrt. Es wurde höchste Zeit – nachdem er sieben Mal nominiert worden ist.

Ebenso erfreulich, dass ein Oscar nach Polen geht: Ida, als bester fremdsprachiger Film, hat ihn verdient, weil er eine völlig unaufgeregt Geschichtsaufarbeitung betreibt und dabei immer noch sehr künstlerisch daherkommt.

Dass Boyhood leer ausgegangen ist (bis auf die Nebendarstellerin Patricia Arquette), überrascht vielleicht am meisten, aber es ist auch kein allzu großer Verlust. Die Konkurrenz war stark. Gut für den Zuschauer.

Oscars 2015: Eine Phantasmagorie

Inherent Vice

Wer bekommt den Oscar für den besten Film 2014? Die Fragmenteum-Redaktion hat sich darüber beraten – mit ein wenig Sekt. Eine wörtliche und wahrheitsgemäße Wiedergabe des Ereignisses.

Deutsches Filmmuseum Frankfurt. Dauerausstellung, kurz vor der Schließung. Drei junge Männer – Lukas, Erich, Klaus – versammeln sich um die Vitrine mit der Oscar-Statue. Erich stellt eine halbleere Flasche Sekt auf die Scheibe, die anderen halten Gläser auf der Hand – und sich selbst nur schwer auf den Beinen.

Lukas: Da ihr, schwankende Gestalten, euch einmal wieder naht – sagt an! welcher Film verdient nach eurem Ermessen die güldene Trophäe? Der Vogelmann, der Theater treibt, die rosafarbene Nobelherberge in der Republik Zubrowka oder das Nachahmungsspiel des werten Herrn Mathematikers? Oder wird es einer, an den wir kaum gedacht?

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Foxcatcher? Laaaangweilig!

Sony Pictures Classic

Sony Pictures Classic

Ein Film über Ringer ist nicht unbedingt das heißeste Ding, das man sich vorstellen kann. Es sei denn natürlich, man ist Ringer. Klar, dass Barton Fink einst seine Schwierigkeiten damit hatte, ein Drehbuch in dem Metier zu schreiben … Sportfilme sind an sich schwierig: sie laufen meist nach dem gleichen Schema, arbeiten Klischees ab und triefen vor Pathos. Gut, da gibt es immer mal wieder Ausnahmen wie The Fighter. Aber Filme über US-amerikanische Sportarten wie Baseball oder Football werden in Europa nie erfolgreich sein. In Deutschland zieht nur Das Wunder von Bern. Doch dann gibt es Foxcatcher – ein Oscarkandidat für den besten Film, die beste Regie, das beste Drehbuch, die besten Haupt- und Nebendarsteller (und wahrscheinlich auch den besten Abspann). Ach herrje! Dann müssen ja alle ins Kino laufen und sich dieses Meisterwerk ansehen …

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Unsere Oscars 2014

Die Liste der Woche: Die besten Filme des Oscarjahres

gravity

  1. Gravity
  2. 12 Years A Slave
  3. The Wolf of Wall Street
  4. Nebraska
  5. Dallas Buyers Club
  6. Captain Phillips
  7. American Hustle

Was fehlt: All Is Lost

Eins ist klar: Es war eine gute Awards-Season. Es gab so viele gute Filme, dass man für all die Enttäuschungen des Jahres 2013 entschädigt wurde. Engegen allen Unkenrufen muss man sagen: Hollywood kann noch gute Geschichten erzählen und uns damit verzaubern. Die meisten Oscarnominierungen für den besten Film sind berechtigt. Leider ist unsere obenstehende Liste unvollständig. Philomena haben wir leider noch nicht sehen können und Her ist noch nicht in Deutschland angelaufen (Kinostart:  27.3.). Dafür haben wir einen Film aufgenommen, der nur – was zum Himmel schreit – für den besten Tonschnitt nominiert wurde: All Is Lost, das Ein-Mann-ein-Boot-Drama mit Robert Redford, ist ein meisterhaftes Kammerspiel, ein Höhepunkt des Minimalismus und so etwas wie der kleinere, bescheidenere Bruder des Überlebensdramas Gravity, bestechend in seiner Zurückhaltung. Wäre er nominiert, stünde er bei uns auf Platz 2 der Liste.

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Der Eine-Million-Dollar-Film

Nebraska

Alte Säcke unterwegs, Teil 2. Nachdem ich in der vergangenen Woche Robert Redfords Segeltrip gelobt habe, ist nun Nebraska dran, in dem es wieder um einen Greis auf Reisen geht. Und wie man es von Regisseur Alexander Payne gewohnt ist, wird der Film jeder Oscar-Nominierung gerecht.

Man kennt das: „Sie haben gewonnen!“, heißt es auf irgendwelchen Wurfsendungen oder Werbebannern im Internet. Anders als sonst im Leben, wo man sich immer an der falschen Kasse anstellt, ist man hier immer der Glückliche, der ein Vermögen oder ein Auto bekommen soll, einfach so, obwohl man nichts dafür getan hat. Manchmal ist es auch eine heiße Braut, die einen „anchattet“, weil sie sich für mich und nur für mich interessiert, obwohl sie mich noch nie gesehen hat.

Der aufgeklärte Bürger weiß natürlich: Das ist Betrug. Aber aus irgendeinem Grund wird die Masche immer noch durchgezogen. Offenbar muss es ein paar Idioten geben, die immer noch darauf hereinfallen. Zum Beispiel alte Menschen. Von einem solchen Fall erzählt Alexander Payne in seinem neuen Film Nebraska. Woody Grant, ein seniler Greis, fährt von Montana nach Nebraska, um sich dort einen Gewinn von einer Million Dollar abzuholen – wobei zweifelhaft ist, ob er ihn bekommt. Das heißt, er fährt nicht allein, sein Sohn nimmt ihn mit, weil der Alte sich die Sache weder ausreden noch sich davon abhalten lässt, allein loszumarschieren. Unterwegs kommen Vater und Sohn im Heimatort der Familie unter, wo Verwandte und Bekannte, als sie von dem Gewinn hören, plötzlich Ansprüche anmelden.

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