poetik

Frankfurter Fragmente #4: Poetikvorlesung

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Von allen Veranstaltungen, die eine Universität anbietet, sind die Poetikvorlesungen die zweifelhaftesten. Denn niemand scheint zu wissen, was eine Poetikvorlesung sein soll. Niemand weiß, was einen erwartet. Und die Dozenten wissen offenbar meist selbst nicht, was sie damit anfangen sollen. Poetik? Das müssten die meisten wahrscheinlich erst einmal nachschlagen. Dann aber kämen sie zu dem Schluss, dass es eine Poetik im eigentlichen Sinn nicht mehr gibt und geben kann. Poetik, das bedeutet „wie man etwas macht“, also ein Regelwerk: So muss man schreiben. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts ist das überholt. Denn fürs Schreiben gibt es keine Regeln, Literatur ist etwas, das kann man nicht lernen, und es jemandem beibringen zu wollen wirkt anmaßend. Entweder man hat Genie oder nicht.

Jedenfalls im Goethe-Land. Kreatives Schreiben findet man hier eher an der Volkshochschule als an der Uni. Und dennoch gibt es das Deutsche Literaturinstitut in Leipzig, eine Art Talentschmiede. Manche behaupten, dort würde bloß öder Einheitsbrei entstehen. Doch sind schon manche erfolgreich diesem Brei entstiegen und haben es auf die Bestsellerlisten geschafft. Das sagt zwar nichts über Qualität aus, aber darüber, dass Schriftsteller auch ein Brotberuf sein kann. Literaturinstitut sei dank? Das sei dahingestellt. Thomas Mann und Günter Grass sind ja auch nie dort gewesen.

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Berliner Fragmente #36: Regeln

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Jede Gesellschaft braucht Regeln – außer die der Künstler und Autoren. Zwar ist das Schreiben ein Handwerk, aber im Gegensatz zu der Technik eines Schneiders, der genau lernt, wie man Kleidung näht, ist der Schreibers weder im Werdegang noch in seiner Technik festgelegt. Die Regelpoetik ist ausgestorben, die letzte stammt aus dem 18. Jahrhundert. Dann kamen die Originalgenies und warfen alle Regeln der Literatur über den Haufen. Das gilt heute auch für journalistische Texte. Bei der Nachricht ist man sich noch weitgehend einig, wie so etwas aussehen soll. Doch bei allen anderen Formen herrscht Narrenfreiheit.

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Auf der Suche nach Romantik und Poetik

Unscharfe Romantik

Drei Abende Romantik und einen Abend Daniel Kehlmann – unser Autor hat sich in dieser Woche die volle Dröhnung Poesie gegeben. Doch leider waren die Erträge gering, die Romantik im Literaturhaus kam zu kurz, auch nach Poetik musste man suchen.

„Was wir suchen, ist alles.“ – Ein hoher Anspruch für ein Literatur-Festival. Aber auch ein naheliegender, denn immerhin geht es um Romantik, also die Epoche und Geistesströmung, in der es nicht um weniger ging: Universalpoesie, progressiv und transzendental,  jeder mit jedem, alles mit allem – und davon bitte nicht zu knapp – eierlegende Wollmilchsäue. Aus dem Projekt wurde nix, nix als lauter Trümmer, Angefangenes ohne Ende, ein Haufen Papier und eine deutsche Affäre, die bis heute nachwirkt. Aber gut – genug der Geschichtsstunde, wir schauen nach vorne, Romantik heute, jawoll, es geht mal wieder um alles, also alles bitte noch mal von vorn, jetzt aber richtig.

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