rezension

Gesellschaft in Angst

12 Years A Slave

Der Film 12 Years A Slave ist zurecht gelobt und geehrt: Regisseur Steve McQueen hat alles richtig gemacht. Ihm ist ein Werk über die Sklaverei in den USA gelungen, das beim Zusehen wehtut und zugleich zutiefst befriedigt, dass es so einen Film gibt. Ein emotionales und ästhetisches Erlebnis – ohne viel Pathos.

Da ist man ein geachteter Bürger, spielt Violine und hat eine Familie, man bekommt einen Auftrag, geht auf Tournee und nach ein paar Bechern Wein zuviel wacht man im Kerker auf – angekettet. Im Falle von Solomon Northup ist es keine Ausnüchterungszelle, sondern die Gefangenschaft in Sklaverei. Er kann noch so sehr protestieren und beteuern, das sei ein Missverständnis, er sei ein freier Mann und gehöre nicht hierher. Die Typen, die ihn festhalten, interessiert an diesem Menschen nur, was er wohl auf dem Markt bringt. Auf dem Schwarzmarkt wohlgemerkt – und das hat hier leider zwei Bedeutungen.

(mehr …)

Kapitalismus als Party

The Wolf of Wall Street

So macht Geldverdienen Spaß: Schamlos. Ohne Hemmungen, Moral und Realitätsbewusstsein. Martin Scorsese führt in seinem Film The Wolf of Wall Street den Kapitalismus als Drogenrausch vor. Und das so exzessiv, dass man sich der Verlockung kaum entziehen kann. Auch wegen seines grandiosen Hauptdarstellers: Leonardo DiCaprio.

Okay, wir kennen die Börse als Casino, als Ort der Zocker, der Gierigen und der Abgebrühten. Doch Jordan Belfort zeigt uns die Wall Street als Hochburg der Maßlosigkeit. An den Telefonen seiner Firma, Stratton Oakmont, herrscht eine aggressive Stimmung: Die Verkäufer reißen sich wie die Wölfe um ihre Kunden, sie überreden sie, verführen sie und lassen nicht eher los, bis sie einwilligen. Und sie willigen oft ein. So oft, dass in den Pausen stets Euphorie herrscht: Party, Paraden, Exzesse mit Drogen und Nutten. Und ganz vorne mit dabei ist Jordan Belfort, ein junger Broker, der das Rezept für das ganz große Geld gefunden hat und nun nichts tut, als ständig die Ernte einzufahren.

(mehr …)

Wildsaureiten auf der Autobahn

King Khan & The Shrines: Idle No More

King Khan & The Shrines: Idle No More

King Khan & The Shrines gehören zu den besten Bands der Gegenwart. Es ist ein Skandal, dass kaum jemand sie zu kennen scheint.  Höchste Zeit, das zu ändern. Gelegenheit bietet das neue Album Idle No More. Vielleicht ist es ihr bestes geworden. Und wenn im März beginnt ihre Europatournee beginnt, kann sich jeder selbst überzeugen. Das wird der Durchbruch!

Als ich King Khan & The Shrines zum ersten Mal hörte, konnte ich mein Glück kaum fassen. „Was ist das bitte für eine Musik?“, fragte ich mich. Es war irgendwie straighte Rockmusik, doch mit einem deutlichen Soul-Einschlag, bestechend schlicht, aber doch so zwingend, dass ich mich dessen nicht erwehren konnte. Da gab es diese beschwingte Hammond-Orgel, diese satten Bläser mit ihren pointierten Einsätzen und dann – vor allem – diese wahnsinnige Bassgitarre, ebenso von der Wildsau getrieben wie der Sänger, der ständig unter Strom zu stehen scheint. Eine ungestüme, unfassbar gut gelaunte Musik mit einem gewissen Sixties-Charme. Kurzum: Ein unglaublicher Sound! Sensationell!

(mehr …)

Reading Bad

Miese Klolektüre!

Miese Klolektüre! Dean Norris als Hank Schrader in Breaking Bad. (Episode 5.08)

In diesem Jahr ist das erste deutschsprachige Buch über die TV-Serie Breaking Bad erschienen. Leider ist es ein missglückter Schnellschuss geworden: Nicht nur lächerlich mickrig im Umfang, sondern auch oberflächlich und schlampig geschrieben – ganz abgesehen davon, dass es zu früh kam, nämlich vor der finalen Staffel. Eine vertane Chance.

Da bestellt man sich ein Buch für stolze 20 Euro und dann das: Ein kleines Taschenbuch, 17 mal 10,5 Zentimeter, und 150 Seiten, wobei zehn davon nur Bilder sind und 20 Seiten Anhang. Soviel zum ersten Eindruck: Eine miese Abzocke! Aber bei einem Buch zählen ja die inneren Werte und die erschließen sich erst beim Lesen. Viel besser wird es aber nicht.

(mehr …)

Jake im Glück

Shangri-La. Aus einer Werbekampagne von Mitsubishi.

Shangri-La. Aus einer Werbekampagne von Mitsubishi.

Jake Bugg, das 19-jährige Wunderkind aus Großbritannien, hat das zweite Album in zwei Jahren vorgelegt: Shangri La. Für paradiesische Zustände sorgt Produzentenguru Rick Rubin. Das Ergebnis klingt vor allem sehr amerikanisch. Trotz einiger Glanzstücke ist die Platte leider über weite Strecken durchschnittlich geworden. Wenn auch noch lange nicht auf Justin-Bieber-Niveau.

Nein, ich werde mich nicht über die Frage ausbreiten, wie ein so junger Mann solche Songs schreiben kann, dass er wohl viel Beatles, Oasis und weiß der Geier was noch gehört haben mag, dass das alles ja doch nicht so neu ist und ähnlichen Schwachsinn mehr. Nein, des Rätsels Lösung ist wohl wie immer: Talent. Jake Bugg ist begnadet, wenn auch kein Genie. Das zeigt vor allem das zweite Album. Der Shooting-Star beginnt zu schwächeln. Eine gute Alternative zu Justin Bieber bleibt er immer noch.

(mehr …)

Der zweite Schwung

Robbie Swings Both Ways

Robbie Swings Both Ways

Robbie Williams macht uns noch einmal den Frank Sinatra: Zwölf Jahre nach seinem Album Swing When You’re Winning beehrt er uns wieder mit einer Platte im alten Stil: Swings Both Ways heißt sie und weist in zwei Richtungen: Vergangenheit und Gegenwart. Sieben von 13 Liedern sind keine Coverversionen von Standards, sondern Originale. Das klappt mal gut, mal weniger. Daher ist der zweite Schwung leider nicht so gut geworden wie der erste.

Es beginnt mit Fingerschnippen und Klavier. Womit die eine Richtung gewiesen wäre: Es swingt. Doch dann kommt der Beat des Schlagzeugs, ein wenig E-Gitarre im Hintergrund – zu modern für den alten Stil. Wenn schließlich der Refrain mit Bläsern einsetzt, klingt der Song, „Shine My Shoes“, fast wie ein gutgelaunter James-Bond-Titelsong. Damit ist der programmatische Auftakt für ein Album gemacht, das sich in beiden Sphären bewegt: Zwischen Imitation und Innovation. Heute sagt man wohl „retro“ dazu.

(mehr …)