rock

Neues vom King

king khan murder burgers & turkey ride

King Khan ist der Größte. Wer sonst schafft es, zwei Bands anzuführen, nebenbei Soloprojekte zu machen und bei allem geniale Musik hervorzubringen? (Und jetzt sage bloß keiner Jack White!) Im vergangenen Jahr hat King Khan mit seinen Shrines nach langer Pause ein großartiges Album herausgebracht. Vielleicht das beste der Band. Jetzt legt der King nach mit einigen neuen Singles und zwei Alben, die digital erschienen sind: Turkey Ride und Murder Burgers (mit den Gris Gris). Beide kann man sich kostenlos im Netz anhören und für je schlappe acht Euro herunterladen (oder gar verschenken). Die Erwartungen werden nicht enttäuscht. Wie immer bietet King Khan seine eigenwillige Mischung aus Garage Rock und Soul, zum Abtanzen, Schwofen oder gemütlichem Rumhängen mit andächtigem Lauschen.

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Schattenmusik

Little Barrie: Shadow

Little Barrie ist eine Band, die es noch zu entdecken gilt. Die Engländer haben mit ihrem vierten Album, Shadow, einen durchgehend ernsten Ton gefunden und haben damit einen Sountrack zu einem Film gemacht, der erst noch gedreht werden muss. Wäre er nur halb so gut, wie die Musik …

Unheimlich beginnt es, ein unbestimmtes Bass-Riff, ein zurückhaltendes Schlagzeug, hin und wieder der Ton einer hohen Gitarrensaite. Ein Blick aufs Cover und man denkt an eine Fahrt durch einen Tunnel, ein Schwarzweiß-Film der 60er Jahre, ein cooler, undurchschaubarer Typ sitzt im Auto, rauchend, abgebrühten Blickes schaut er durch die Rauchschwaden auf die Straße. Willkommen in der Schattenwelt. Die britische Band Little Barrie hat mit ihrem vierten Album, Shadow, den Soundtrack zu einem solchen Film geliefert, der noch gedreht werden müsste. Und doch reicht diese Musik, um ihn vor dem inneren Auge ablaufen zu sehen. Kopfkino Noir.

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Allein unter Engeln

Auf Engelsflügeln: Jack White

Auf Engelsflügeln: Jack White

Jack White zweites Solo-Album Lazaretto wirkt so totenblass wie sein erstes. Ein Phantom zwischen Rock, Country und Hip Hop, das zuweilen an Ideen erstickt, von denen aber die wenigsten gut sind.

Da sitzt er, der blassgesichtige Mann mit den rabenschwarzen Haaren und dem blauen Samtanzug, umgeben von Engeln, drei auf jeder Seite, lässig stützt er seine Arme auf zwei knienden geflügelten Dienern ab. Und tatsächlich darf sich Jack White derzeit zurücklehnen, denn die Maschine, die er angeworfen hat, läuft wie geschmiert: Sein zweites Solo-Album wurde mit mächtig Bohei beworben, allein die Vinyl-Ausgabe lockt mit Mätzchen wie Spielereien mit der Auslaufrille und Engels-Hologrammen, und der Künstler selbst hat sich zuletzt im Rolling Stone (wo er die Coverstory bekam) ziemlich abfällig über die Kollegen von den Black Keys geäußert, nur um sich kurz darauf auf seiner Website bei ihnen zu entschuldigen – es sei ja alles nicht so gemeint gewesen.

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Messias am Boden

Before Punk: The Stooges

Metallic K.O.

Vor 40 Jahren haben The Stooges ihr (vorerst) letztes Konzert gespielt. Es war ein Desaster: Das Publikum bewarf die Band mit Gegenständen und pöbelte, der Sänger und Bandleader, Iggy Pop, pöbelte zurück. Die Band war am Ende. Aber die Saat, die sie gesät hatte, war bereits auf fruchtbaren Boden gefallen. Aus der Asche der Stooges ging der Punkrock hervor.

Es soll wie im Krieg zugegangen sein, an jenem Abend des 9. Februar 1974. Die Stooges standen auf der Bühne im Michigan Palace, einem alten Kino, und lieferten sich einen Kampf mit dem Publikum. Die Menge warf Flaschen, Gläser, Münzen, Zigaretten, aber auch Graspäckchen auf die Bühne, während die Band um ihr Leben spielte. Iggy Pop, dem Sänger, war es egal. Jedenfalls gab er sich alle Mühe, es so aussehen zu lassen. Er war Schmerzen gewohnt, er zog sein Ding durch, wie er es immer tat, und übte sich in der Kunst der Publikumsbeschimpfung – was die Menge nur noch mehr anstachelte, weiteres Zeug – wie etwa Eier – auf die Bühne zu schmeißen. Es muss übel gewesen sein, richtig übel.

Heute gelten Iggy und die Stooges als Pioniere des Punkrock. Doch zur Zeit ihres Bestehens seit Ende der 60er bis zu jenem Tag im Jahr 1974 hat die breite Masse noch nicht die Zeichen der Zeit gehört. Drei erfolglose Alben brachten die Stooges zustande, heute allesamt Klassiker. Eine raue, im wahrsten Sinne des Wortes primitive Musik, eingängige Riffs und wenige Akkorde, die zelebrierte Monotonie. Iggy Pop (bürgerlich James Osterberg) riss sich regelrecht den Arsch auf, er ging an die Grenzen der Belastbarkeit: Drogen ohne Ende, Verrenkungen auf der Bühne, Selbstverletzungen mit Scherben und Drumsticks – das alles gehörte zur Show, das alles schrie nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, doch zum Schluss muss es für die meisten Zeugen dieser Darbietungen nur noch verzweifelt und erbärmlich gewirkt haben.

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Wildsaureiten auf der Autobahn

King Khan & The Shrines: Idle No More

King Khan & The Shrines: Idle No More

King Khan & The Shrines gehören zu den besten Bands der Gegenwart. Es ist ein Skandal, dass kaum jemand sie zu kennen scheint.  Höchste Zeit, das zu ändern. Gelegenheit bietet das neue Album Idle No More. Vielleicht ist es ihr bestes geworden. Und wenn im März beginnt ihre Europatournee beginnt, kann sich jeder selbst überzeugen. Das wird der Durchbruch!

Als ich King Khan & The Shrines zum ersten Mal hörte, konnte ich mein Glück kaum fassen. „Was ist das bitte für eine Musik?“, fragte ich mich. Es war irgendwie straighte Rockmusik, doch mit einem deutlichen Soul-Einschlag, bestechend schlicht, aber doch so zwingend, dass ich mich dessen nicht erwehren konnte. Da gab es diese beschwingte Hammond-Orgel, diese satten Bläser mit ihren pointierten Einsätzen und dann – vor allem – diese wahnsinnige Bassgitarre, ebenso von der Wildsau getrieben wie der Sänger, der ständig unter Strom zu stehen scheint. Eine ungestüme, unfassbar gut gelaunte Musik mit einem gewissen Sixties-Charme. Kurzum: Ein unglaublicher Sound! Sensationell!

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