Salzburg

Bernhard/Kummer: Die Ursache

Die Ursache

Residenz Verlag

Thomas Bernhard war wohl Österreichs berühmtester und umstrittenster Grantler. Spätestens als er 1975 mit Die Ursache den ersten Teil seiner Autobiografie veröffentlichte, dürfte klar gewesen sein, dass er allen Grund dazu hatte. Bernhard überlebte nicht nur Nationalsozialismus und Krieg, sondern auch eine Reihe von Demütigungen und Misshandlungen.

Lukas Kummer hat Die Ursache als Comic adaptiert. Schon wieder eine Literaturadaption? Ja, so ist das eben, wenn man Comics als Graphic Novels etablieren will: Man bedient sich bei der sogenannten hohen Literatur, um Feuilletonlesern zu zeigen, dass Comics auch anders können. Dieses Comic ist aber gar nicht so viel anders als seine Vorlage.

Es erzählt, wie Bernhard als 13-Jähriger ins Internat kommt, dort voller Angst und Verzweiflung lebt, immer wieder für nichts geschlagen wird, und nur Zuflucht findet beim Geigenspielen in der Schuhkammer, wobei er selbst da an Selbstmord denkt. Viele Schüler bringen sich auch tatsächlich dort um. Die andere Flucht besteht nur in den Luftschutzbunker, wo man ebenfalls Todesangst durchstehen muss, wenn die Fliegerbomben niedergehen.

„Wir werden erzeugt, aber nicht erzogen“, schreibt Bernhard. Es wird auch im Johanneum, einem katholischen Internat, nicht besser. Auch dort wird er geschlagen, auch dort wird an der „Vernichtung der Seele“ gearbeitet, am „Geistesmord“.

Kummer erzählt Bernhards Ursache nicht nach, er behält Bernhards Text bei und beschränkt sich darauf, Bernhards Text nur zu illustrieren. Dabei inszeniert er die Erinnerungen so trist und grau wie möglich. Immer wieder wird die beklemmende Eintönigkeit in achsensymmetrisch aufgebauten Splash Pages eindrucksvoll vor Augen geführt. Aber er verleiht dem Individuum kein Gesicht. Das ist einerseits der nüchtern-distanzierten Perspektive geschuldet, andererseits entspricht es der Entwürdigung durch die Nazis und Katholiken. Das hat aber den Nachteil, dass Emotionen auf der Strecke bleiben. Man ist mit sich allein.

Das Problem bei Bernhads Sätzen ist, dass sie zu lang sind, um in Captions zu passen. Kummer verteilt sie meist über mehrere Panels, was nicht nur den Lesefluss, sondern auch den Rhythmus stört, der den Stil von Bernhards Sprache ausmacht. Von daher ist dieser Versuch einer Comic-Adaption zwar gut gemeint, gelingt sogar darin, Bilder für die Sprache zu finden, scheitert aber doch am Wesentlichen.

>> Thomas Bernhard/Lukas Kummer: Die Ursache. Eine Andeutung, Residenz Verlag 2018.