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Berliner Fragmente #24: Ironie

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Das ist die größte Herausforderung des menschlichen Geistes: Etwas zu hören oder zu lesen und zu verstehen, dass das Gegenteil gemeint ist. Dieses nicht seltene Phänomen nennt man in der Rhetorik Ironie. Und damit haben wir zwar die wichtigste, weil grundlegende Spielart dieser seltsamen Ausgeburt menschlicher Grillen ausgemacht, aber bei weitem nicht die tückischste. Denn wie das Leben so spielt – es dürfte sich mittlerweile rumgesprochen haben – ist nicht immer alles knalliges Schwarz oder Weiß, sondern oft auch irgendwie dazwischen, sprich: fades Grau. Aber da wird es bei der Ironie erst spannend. Denn es kommt vor, dass jemand etwas sagt oder schreibt und weder das eine, noch das Gegenteil davon meint, sondern – und jetzt aufgepasst – es nicht ganz ernst meint. Klingt schwammig? Zugegeben: Ist es auch. Kann man schwer greifen, schmeckt irgendwie suspekt, aber man kann nicht sagen wie. Kurzum: Man weiß nichts Rechtes damit anzufangen.

Jetzt meldet sich Widerspruch: Moment mal! Das ergibt doch keinen Sinn! Warum sollte man so etwas tun? Etwas sagen und es nicht meinen – das riecht doch nach Lüge! Naja, zunächst einmal zeugt das von Humor, vielleicht hat der eine oder andere Ironieferne davon schon mal gehört. Der Mensch, so haben kluge Menschen wie Aristoteles festgestellt, ist ein Homo ridens – das Tier, das lachen kann (allein die Deutschen – sagen böse Zungen – können das nur unter Tage). Und als solches treibt der Mensch manchmal Schabernack, indem er dummes Zeug redet. Manche finden das witzig, andere nur komisch.

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